Lammersdorf: Norma-Ansiedlung: Zwei Drittel geben ihre Stimme nicht ab

Lammersdorf : Norma-Ansiedlung: Zwei Drittel geben ihre Stimme nicht ab

Aus und vorbei — auch für die Interessengemeinschaft (IG) Dorfplatz, die Anfang August im Zusammenhang mit der geplanten Ansiedlung einer Norma-Filiale auf dem Otto-Junker-Platz in Lammersdorf eine private Meinungsumfrage gestartet hatte. Wie berichtet, hat die Discounterkette inzwischen ihr Interesse zurückgezogen.

Die Auswertung der Umfrage erfolgte vor zwei Wochen. Demnach wurden rund 700 Stimmen abgegeben, von denen sich 86 Prozent gegen eine Ansiedlung des Discounters aussprachen. Die IG mit den Initiatoren Gudrun Peters, Joanna Scholl und Mario Genter erläuterten nun die am 11. September veröffentlichten Umfragezahlen genauer: 543 volljährige Lammersdorfer gaben bei der privat initiierten Umfrage ihre Stimme ab, von denen sich 465 gegen eine Norma-Ansiedlung aussprachen.

Laut Wählverzeichnis waren bei der jetzigen Bundestagswahl 1857 Lammersdorfer Bürger stimmberechtigt. Demnach haben sich 29,2 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. Zwei Drittel beteiligten sich nicht an der Meinungsbildung der IG.

Die IG sieht ihre Arbeit nun als erledigt an und will sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Das Thema Dorfplatz und Norma war seit Ende Juli Dorf- und Reizthema im zweitgrößten Ortsteil von Simmerath mit seinen rund 2500 Einwohnern und hatte von Anfang an im Dorf der Bessemsbenger eine kontroverse Debatte ausgelöst. Zwei Tage nach Veröffentlichung der privat initiierten Meinungsumfrage teilte die Gemeinde Simmerath dann am 13. September überraschend mit, dass der Discounter seine Ansiedlungspläne aufgegeben hätte.

Alfred Rausch, Expansionsleiter bei Norma, nahm dazu gegenüber unserer Zeitung wie folgt Stellung: „Offensichtlich ist eine Ansiedlung nicht gewünscht, wenn sich ein Großteil in der privat initiierten Meinungsumfrage dagegen ausspricht. Hinzu kommt, dass es Beschimpfungen und Beleidigungen uns gegenüber gegeben hat. Daraus haben wir die entsprechenden Konsequenzen gezogen.“

Diese Entwicklung rief nun bei anderen Teilen in der Lammersdorfer Bevölkerung einen ziemlichen Entrüstungssturm hervor, weil man sich durch die Auswirkungen der „tendenziell ausgerichteten“ privaten Meinungsumfrage um die Chance gebracht sah, sich bei der angekündigten Bürgerinformation der Gemeindeverwaltung eine Meinung zu bilden und danach bei der von Ortsvorsteher Franz-Josef Hammelstein angekündigten Bürgerbefragung abzustimmen.

Die erzürnten Stimmen waren wohl auch ein Grund dafür, dass die IG nun die Ergebnisse ihrer Umfrage konkretisierte.

Insgesamt wurden laut Mitteilung der IG bei der am 9. September erfolgten öffentlichen Auszählaktion 309 Stimmzettel abgegeben. Hierauf konnten bis zu sechs Personen votieren, deren Alter keine Rolle spielte. Insgesamt wurden danach 698 Stimmen abgegeben, von denen 648 von Lammersdorfern aller Altersgruppen stammten. Hiervon sprachen sich 556 (85,8 Prozent) für den Erhalt des Dorfplatzes, also gegen Norma, aus.

Der Rest (82 Stimmen/12,65 Prozent) stimmte für die Ansiedlung des Discounters; zehn Stimmen waren ungültig. Wie die IG Dorfplatz weiter mitteilte, erfolgten von den genannten 648 Stimmen aus dem Ort insgesamt 548 Stimmabgaben durch volljährige Lammersdorfer.

Von diesen 548 „Wahlberechtigten“ votierten 465 für den Erhalt des Dorfplatzes und 72 sprachen sich für die Ansiedlung des Discounters aus (sechs Stimmen waren ungültig). Weiter wird von der IG darauf hingewiesen, dass bei ihrer Umfrage zwar 52 Prozent der Volljährigen die Ansiedlung eines Discounters in Lammersdorf begrüßt hätten; allerdings nicht auf dem Dorfplatz.

Gudrun Peters, Mitinitiatorin der IG, erklärte dann abschließend: „Mit der Veröffentlichung dieser Zahlen ziehen wir uns aus der Öffentlichkeit zurück. Wir möchten uns bei allen bedanken, die ihre ehrliche Stimme abgegeben haben, obwohl es eine nicht repräsentative Meinungsumfrage gewesen ist.“

Zudem habe das Meinungsbild der IG klar ergeben, „dass die Bevölkerung den Dorfplatz so erhalten möchte, wir er ist“. Peters will zudem hervorgehoben wissen, dass sich „die Interessengemeinschaft zu keinem Zeitpunkt negativ gegen Norma oder gegenüber seinen Mitarbeitern geäußert hat“.

(ho)
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