Neues Heimat-Buch von Resi Röder

„Historisches und Uriges aus der Eifel“ : Neues Heimat-Buch von Resi Röder

Wie sah früher das Alltagsleben in der Eifel aus? Wünscht man sich wirklich die viel zitierte „gute, alte Zeit“ zurück? War alles besser oder nur anders?

Sehr persönliche Antworten auf diese Fragen findet man in dem Buch „Historisches und Uriges aus der Eifel“, das jetzt erschienen ist.

Herausgegeben im Eigenverlag und verfasst hat das sympathisch und attraktive wirkende Buch die Simmerather Malerin und Autorin Resi Röder. In ihren farbenfrohen Ölbildern aus einer heilen Welt romantisiert die 81-Jährige bereits seit 40 Jahren in liebevoller und filigraner Malarbeit das unbeschwert wirkende Eifeler Landleben in der Vorkriegszeit. Basierend auf dieser Betrachtungsweise setzt Resi Röder nun auch in schriftlicher Form den Blick auf ihre eigene Kindheit und das Leben in der Eifel fort.

Die Autorin bindet in autobiografischer Form ihre Lebensgeschichte in Anekdoten aus ihrer Kinder- und Jugendzeit ein. Wichtig sind ihr in diesem Kontext die für sie prägenden Abschnitte ihres Lebens als Heimkind, Malerin und Hobby-Archäölogin. Ihr Schicksal und nicht immer positive Erfahrungen in der Gesellschaft will sie dabei auch nicht verschweigen. Ihr Kampf gegen Benachteiligungen, Missverständnisse und Ungerechtigkeiten im Alltag stehen da manchmal im Widerspruch zu den Beschreibungen unbeschwerter Tage aus der Nachkriegszeit.

Im Mittelpunkt des Buches, das mit einigen Abbildungen von Ölgemälden der Autorin illustriert ist und auch kleine Abstecher zur jüngeren Historie des Simmerath unternimmt, stehen aber Geschichten und Bräuche, wie sie die älteren Generationen noch aus den Dörfern der Eifel kennen.

Es sind in tagebuchähnlicher Form und unkomplizierter Sprache verfasste Alltagsgeschichten aus einer Zeit, als der größte Misthaufen vor der Tür noch Auskunft darüber gab, wer der reichste Bauer im Dorf war. Da geht es um den Pflichtbesuch der Sonntagsandacht, bedrückende Momente im Beichtstuhl, die unantastbare Hierarchie in den Familien und das Leben zwischen Hühnern, Heuböcken, Schweinen, Stall und Scheune. Erlebnisse aus der Schulzeit und kleine Abenteuer in der Natur wechseln sich ab mit den Ritualen zur Weihnachtszeit oder der ungezügelten Freude beim Drachensteigenlassen.

Immer wieder schlägt Resi Röder, dem Verlust dörflicher Idylle nachtrauernd, auch den Bogen zu ihrem Heimatort Simmerath, der früher noch ein ganz anderes Gesicht hatte: Da gab es eine Unzahl von Tante-Emma-Läden, die Molkerei, den Viehmarkt und das bunte Kirmestreiben auf dem Marktplatz. Pferdefuhrwerke bestimmten das Bild auf den Straßen, und der „Sömmer Kraremann“ stolzierte noch zwischen Verkaufstheke und Kartoffelfeld.

Die Autorin verschweigt aber auch nicht die Entbehrungen, die einst mit dem Eifeler Landleben verbunden waren. Die alltägliche Armut, bescheidene Wohnverhältnisse, Eisblumen in den Schlafzimmern oder das Bad in der Zinkwanne am Samstag waren auch fester Bestandteil der Kindheit aus früheren Tagen.

„Mir ging es darum, die alten Bräuche und Geschichten festzuhalten“, sagt Resi Röder über ihr Buch, und rückblickend auf ihre Kindheit meint sie: „Wir waren damals zufriedener und glücklicher.“ Und im letzten Satz des Buches heißt es mit kritischem Unterton: „Auch wenn die jungen Menschen von den heutigen alten Leuten nicht sehr angetan sind, wissen die doch gar nicht, welchen goldenen Boden sie ihnen mit ihrem Fleiß geebnet und was sie der alten Generation zu verdanken haben.“

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