Roetgen: Neuer Rekord bei der Abfallentsorgung

Roetgen: Neuer Rekord bei der Abfallentsorgung

So viel Müll wie nie zuvor hat der Zweckverband Entsorgungsregion West (ZEW) im vergangenen Jahr für die Roetgener Haushalte entsorgt. Dies geht aus der jüngst im Ausschuss für Umwelt, Touristik und Forst der Gemeinde Roetgen vorgestellten Abfallbilanz hervor.

Demnach wurde in Roetgen 2012 erstmals die Grenze von 3000 Tonnen überschritten. Auf 3045 Tonnen Abfall beläuft sich die exakte Summe, was einem Aufkommen von 369,1 Kilogramm pro Kopf entspricht.

Dies bedeutet allerdings nicht zwingend, das auch tatsächlich mehr Abfall produziert wurde, erläutert Regina Brück, Fachbereichsleiterin Entsorgungsberatung bei der ZEW-Tochter AWA-Entsorgung. „Wenn es zusätzliche Angebote in der Entsorgung gibt, zieht das nicht immer nur eine Umverteilung nach sich. Je bürgerfreundlicher das Angebot, desto höher die anfallenden Mengen an Müll.“

Einführung des Biotonne

So könne der Rekordwert vor allen Dingen auf die Einführung der Bioabfalltonne vor zwei Jahren zurückzuführen sein: Während die Roetgener dieser im ersten Jahr, also 2011, pro Kopf 55,2 Tonnen Abfall zuführten, waren es nun bereits 77,3 Kilo. Vorher sei sicher einiges davon im Garten kompostiert worden, schätzt Brück. Und natürlich sei das ein oder andere Kilo Bioabfall bislang einfach in den Restmüll oder auch den Grünabfall gewandert.

Andere Sorten Müll jedenfalls gehen in Roetgen laut der Abfallbilanz fast ausnahmslos zurück. Dies gilt für den Hausmüll (von 114,3 auf 106,1 Kilogramm pro Kopf) ebenso wie für Sperrmüll (von 19,6 auf 18,7), Grünabfälle (von 3,1 auf 2,5), Leichtstoffe (von 40,8 auf 40,0), Altglas (von 23,5 auf 23,2) und Altpapier (von 100,8 auf 98). Einzig bei den Schadstoffen zeigt sich ein weiteres Plus: Hier stieg das Aufkommen von 0,97 auf 1,2 Kilo pro Kopf.

Die Abfallbilanz zeigt auch Unterschiede zwischen den einzelnen Kommunen auf, die vom ZEW bedient werden — dies sind sämtliche Kommunen in Stadt und Städteregion Aachen sowie im Kreis Düren. Und die Unterschiede sind teilweise verblüffend groß. Jedenfalls auf den ersten Blick. So nehmen etwa die Bewohner von Stolberg die Biomüllentsorgung so gut wie gar nicht in Anspruch, obwohl es dieses Angebot dort ebenfalls seit einschließlich 2011 gibt. Und in Baesweiler wird offenbar wie verrückt Grünabfall produziert. Auffallend ist außerdem, dass in Monschau, wo die Abfuhr nach Gewicht abgerechnet wird, mit Abstand der wenigste Hausmüll entsorgt wird.

Auch hier gilt Regina Brücks Interpretation zufolge jedoch, dass das Angebot die Nachfrage bestimmt. So verfüge Stolberg lediglich über ein Biomüll-System, bei dem der Verbraucher seinen Abfall beim ZEW abliefern kann. Und die Baesweiler würden in Sachen Grünabfall richtiggehend verwöhnt: Der Grünschnitt könne bis zu einem bestimmten Gewicht gratis abgeliefert werden, auch fänden Sammlungen an der Haustür statt.

Somit sagt die Abfallbilanz schlussendlich weitaus weniger über das Konsumverhalten in den einzelnen Kommunen aus, als vielmehr über deren Abfallentsorgung. Natürlich wäre es wünschenswert, im ZEW-Gebiet ein einheitliches System zu haben, findet Regina Brück.

Was nun aber auf welche Weise und in welcher Regelmäßigkeit entsorgt wird, entscheide jede Kommune für sich. Allerdings werde die jeweilige kommunale Handhabung mit steigender Bürgerfreundlichkeit nicht nur effizienter — sondern eben auch kostspieliger.

(ag/jpm)
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