Vossenack: Neuer Leiter des Gymnasiums: „Der Geist von Franziskus soll weiterleben“

Vossenack: Neuer Leiter des Gymnasiums: „Der Geist von Franziskus soll weiterleben“

Das rauschende Jubiläumsjahr mit vielen schönen Höhepunkt ist vorüber, am Franziskus-Gymnasium Vossenack ist wieder der Schulalltag eingekehrt. Und doch wirft das nächste Ereignis an der privaten Schule seine Schatten voraus. Zum zweiten Halbjahr, das am 5. Februar beginnt, verabschiedet sich Pater Peter Schorr aus der Leitung der Schule und übergibt diese seinem bisherigen Stellvertreter Dr. Peter Cordes, der seit 2000 als Altsprachler und Lehrer für Religion unterrichtet.

Konrektor wird der gebürtige Stolberger Dirk Sieven, der 1996 als Referendar an die Schule kam, Erdkunde, Sport und Medienkunde unterrichtet und heute in Raeren lebt.

Wann die offizielle Verabschiedung von Pater Peter als Schulleiter und die feierliche Einführung seiner beiden Nachfolger erfolgen wird, steht noch nicht fest, ist für den scheidenden wie auch für den neuen Leiter des FGV aber auch nicht von so großer Bedeutung. Denn zum einen bleibt Pater Peter Schorr der Schule als Lehrkraft erhalten, zum anderen sind alle Abläufe durch das Aufrücken des bisherigen Stellvertreters vertraut. „Wir gestalten die Schule ja bereits seit vielen Jahren mit“, spricht Dr. Peter Cordes für sich und seinen künftigen Stellvertreter und ergänzt: „Die Schule zu verändern, ist nicht unser Plan.“

1967 bis 1972 als Schüler am FGV

14 Jahre lang oblag Pater Peter Schorr die Leitung des Privaten Franziskus-Gymnasiums Vossenack, doch sein Weg an dieser Schule begann schon weit früher, nämlich als Schüler. „Ich kam 1967, als die Schule aus dem niederländischen Exaten nach hier umzog, mit nach Vossenack und habe hier auch 1972 mein Abitur gemacht“, berichtet der 65-Jährige. Peter Schorr stammt aus Saarbrücken — kurioserweise ebenso wie sein designierter Nachfolger Dr. Peter Cordes. „Möglich, dass wir sogar im gleichen Sandkasten gespielt haben“, sagt Dr. Cordes lachend und stellt fest: „Wir knüpfen damit hier an der Schule sozusagen saarländische Seilschaften.“

In der Tat wurde „der Neue“, der schon drei Jahre länger Stellvertreter ist als Pater Peter Schulleiter, vom bisherigen Direktor vorgeschlagen. „Es gab für meine Nachfolge keine Ausschreibung. Private Schulen sind auch da nicht an die Schulgesetzgebung gebunden“, erläutert Pater Peter. Deshalb schlug er „im Sinne einer personellen Kontinuität“ dem Schulträger Dr. Peter Cordes als Direktor und Dirk Sieven als Konrektor vor, „und die Gesellschafter haben meinen Vorschlag angenommen“.

Nach der Genehmigung durch die Bezirksregierung als Schulaufsicht und der Zustimmung der Mitarbeitervertretung stand dann der sechste Schulleiter im 51. Jahr des Franziskus-Gymnasiums fest. Dr. Cordes ist nach Dr. Hans-Peter Esser, der die Schule von 2001 bis 2004 leitete, der zweite Direktor, der nicht dem Franziskanerorden angehört.

In diesen trat Peter Schorr bereits direkt nach seinem Abitur am damals noch rein humanistischen Gymnasium ein. In Münster und Freiburg studierte er Philosophie und Theologie und schloss die pädagogische Ausbildung in Köln an. Schneller als erwartet führte der Weg Pater Peter Schorr dann noch als Lehramtsstudent nach Vossenack zurück, wo er im Internat als Erzieher in der Unterstufe gebraucht wurde. Parallel dazu schloss er 1983 sein Studium als Lehrer ab und ging nach kurzer Wartezeit ins Referendariat. Bis 1990 war Pater Peter Schorr als Erzieher im Internat und Lehrer am Franziskus-Gymnasium tätig und gehörte der Ordensgemeinschaft des Klosters am Franziskusweg an.

Dann aber riefen höhere Aufgaben im Orden. Von 1990 bis 1997 wirkte Pater Peter als Provinzial der Kölnischen Franziskanerprovinz in Düsseldorf und war somit erster Vertreter des Trägers der Einrichtung. Und 1997 erreichte ihn die Berufung nach Rom, wo Schorr als Generaldefinitor gar dem Leitungsteam der Franziskaner weltweit angehörte. Da diese Tätigkeit stets zeitlich begrenzt ist, zog es Pater Peter 2003 zurück ins vertraute Vossenack.

„Ich wollte unbedingt wieder in den Schuldienst“, erinnert sich der 65-Jährige, warum er die Lehrertätigkeit durchaus attraktiven Alternativen vorzog. 2004 wurde der gebürtige Saarländer als Nachfolger des pensionierten Dr. Esser zum Schulleiter ernannt. Pater Peter Schorr spricht von „bewegten Jahren“ an „seiner“ Schule. „Es hat sich vieles getan in dieser Zeit“, zählt er die Reform der Oberstufe und Einführung von Lernstandserhebungen (2004), den Wechsel auf G8 (2005/2006), den Schülerhöchststand 2006 (s. Box), die Einrichtung von Mensa und Silentium (2010) oder die wachsende Bedeutung von Computern im Unterricht auf.

Organisation wurde zur Last

Auch die mehrfach nötige Bildung einer dritten Eingangsstufe sind für Pater Peter Schorr markante Punkte in der Schulhistorie, wenngleich der Andrang auf die Schule heute nicht mehr die Dimension der 80er-Jahre erreicht: „Damals campierten Eltern tagelang vor unserer Schule, um die Ersten bei der Anmeldung zu sein.“

Am Franziskus-Gymnasium 2018 hat sich die Schülerzahl bei knappp 600 eingependelt, nachwuchssorgen gibt es nicht. „Aber der zunehmende Organisationsaufwand und die Übernahme ständig neuer Aufgaben wurden mir in den letzten Monaten zunehmend zur Last“, nennt Pater Peter Schorr die Gründe für seinen Rückzug. Oft sei er „von 7 Uhr in der Früh‘ bis abends um acht, neun Uhr“ in der Schule gewesen, um sein Pensum zu schaffen.

„Jetzt freue ich mich darauf, nur noch ein bisschen zu unterrichten.“ Auch die bleibenden Aufgaben beim Schulträger, der Gemeinnützigen Schulgesellschaft mit der Kölnischen Franziskanerprovinz und der Franziskusstiftung als Gesellschafter, werde er noch gerne erfüllen, sagt Pater Peter Schorr und formuliert abschließend einen Zukunftswunsch: „Dass das FGV weiter einen soliden Stand hat und auch ohne Ordensleute verwurzelt bleibt im Glauben und der Spiritualität eines Franziskus von Assisi.“

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