Natur-Hotel: Aus dem Haus „Eifelgold“ wird die „Nationalpark Lodge“

Simmerath: Neues Designhotel für Naturliebhaber soll in Erkensruhr entstehen

Natur pur; dafür steht der Nationalpark Eifel. Und das möchte sich Jos van de Mortel zunutze machen. Er ist der Eigentümer des momentan ungenutzten Hotels in Erkensruhr, das bis vor kurzem eher negative Schlagzeilen gemacht hat. Das Resultat: Schließung wegen Mängeln beim Brandschutz. Das soll sich nun ändern.

Ende 2019 soll das ehemalige Hotel „Eifelgold Rooding“ wieder im neuen Glanz erstrahlen. Der Niederländer hat genaue Vorstellungen, wie es am Ende aussehen soll: Auf einer Gesamtfläche von 12 625 Quadratmetern sollen insgesamt 100 Lodge-Einheiten stehen.

Möchte dem Hotel in Erkensruhr eine weitere Chance geben: Jos van de Mortel, Eigentümer der geplanten „Nationalpark Lodge“. Foto: Schwark

Lodges, das sind kleine, etwas abgelegene Zimmer, die den Besucher noch näher an die Natur bringen. Dazu ist ein etwa 208 Quadratmeter großer Spa-Bereich geplant, um sich auch nach einem langen Wandertag bestens entspannen zu können. Eine integrierte Gastronomie soll es ebenfalls geben.

Van de Mortel möchte in Erkensruhr ein Hotel errichten, „das langfristig lebens- und lobenswert ist“. Dafür hat er sich für die Planung und Umsetzung ein kompetentes Team zusammengestellt — mit Eifel-Erfahrung. Denn als Projektentwickler hat er sich Jan Freek Suringh mit ins Boot geholt. 14 Jahre lang leitete er das Carat-Hotel in Monschau, bevor es im November des vergangenen Jahres von der Michel-Hotelkette übernommen wurde.

Auch wenn er dem Carat-Hotel den Rücken zugekehrt hat, der Eifel bleibt er weiterhin treu. „Wir haben viel gerechnet und geplant“, sagt Suringh. „Am Ende stand fest: Wir wollen den Besuchern das komplette Eifelerlebnis bieten. Die Menschen kommen schließlich nicht umsonst nach hier, das entscheiden die schon bewusst. Ob Radfahrer, Wanderer oder Menschen, die die Natur erleben wollen — denen das komplette Paket anbieten zu können, das ist die Richtung, in die wir denken mussten.“

Wie das neue Hotel genau das schaffen kann, weiß Designer und Architekt Mark Feron. „Es geht um ein 24-Stunden-Erlebnis. Das soll nicht bei der Übernachtung aufhören. Deswegen werden wir die Landschaft in das Hotel integrieren, mit einer Aussichtsplattform zum Beispiel. Wir wollen am Ende nicht nur Qualität haben, sondern auch Identität.“ Dafür werden hauptsächlich natürliche, biologische und heimische Baumaterialien verwendet — etwa Bruchstein oder eine Holzverkleidung aus lokalem Gehölz.

Noch ist die Stimmung bei den Niederländern bestens. Mit Blick auf die ambitionierten Zeitpläne könnte sich das aber auch schnell ändern: Am liebsten würden sie sofort mit den Baumaßnahmen beginnen. „In den Niederlanden brauchen die Behörde etwa 13 Wochen, bis die Anträge genehmigt werden“, sagt Feron. In Deutschland sehe das allerdings anders aus.

Unterstützung bekommt das Projekt von Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns. Einen Vorteil habe das Projekt laut Hermanns: „Für das Hauptgebäude des Hotels brauchen sie nur eine Nutzungsänderung, die sollte relativ schnell genehmigt werden.“ Dann könnten bereits die ersten Arbeiten beginnen. „Für die Lodges, die das Hotel zu etwas ganz Besonderem in der Eifel machen“, wie er sagt, „dafür brauchen sie eine Bebauungsplanänderung.“

Und eh die vorhanden ist, werden Monate vergehen. Vor dem Sommer soll der Antrag der Politik vorgestellt, im Frühjahr des nächsten Jahres am besten dann beschlossen werden. Dann erst können die neuen „Alleinstellungsmerkmale“ gebaut werden. Und das, obwohl bereits Ende 2019 eröffnet werden soll.

Christoph Poschen, Ortsvorsteher von Erkensruhr, hofft, dass diese Pläne auch reibungslos funktionieren. Für den kleinen Ort mitten im Nationalpark Eifel wäre die Auferstehung des Hotels schließlich ebenfalls sehr interessant. Nicht nur, dass ein neuer Arbeitgeber vorhanden wäre — das Hotel wird 55 Vollzeitjobs bieten —, auch der Tourismus würde wieder gestärkt. „Erkensruhr ist verwöhnt von der Natur. Da passt das Hotel-Konzept bestens dazu. Nicht umsonst sind wir ein staatlich anerkannter Erholungsort“, sagt Poschen.

Erholung und Ruhe. Das sind auch die Stichpunkte, die Feron aufgreift. Vor allem die Tatsache, dass es in Erkensruhr keinen Durchgangsverkehr gibt, hat es ihm und seinem Team angetan. „Wo gibt es heutzutage noch absolute Ruhe? Nirgendwo!“, sagt er. „Wir bieten hier auch Rückzugsorte für alle an, die den Alltag einmal hinter sich lassen wollen.“

Der Um- bzw. Ausbau des Hotels wird van de Mortel zwischen 6 und 10 Millionen Euro kosten. Suringh ist sich aber jetzt schon sicher, dass sich die Investition lohnt: „Um Profit zu machen, muss ein Hotel im Jahr etwa zu 55 Prozent ausgelastet sein. Das werden wir hier locker schaffen im ersten Jahr. Wir rechnen mit bis zu 70 Prozent.“ Einen Vorteil wird das Hotel zur Konkurrenz definitiv haben: Es wird eins der wenigen Vier-Sterne-Hotels sein. Mitten in der Natur.

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