Musikvereine in Roetgen, Simmerath, Monschau haben Nachwuchsprobleme

Nachwuchsmangel : Wie begeistert man Jugendliche für das Musizieren im Verein?

Viele Musikvereine haben Nachwuchsmangel und suchen nach neuen Ideen, um das Problem zu lösen. In der Nordeifel haben sich die Verantwortlichen unterschiedliche Gedanken gemacht, wie man junge Leute für die Musik begeistern kann.

Der Musikverein Heimat-Echo veranstaltete Ende März eine Instrumenten-Rallye, bei der Kinder und Jugendliche an mehreren Stationen im Dorf verschiedene Instrumente ausprobieren konnten.Der Vorstandsvorsitzende des Musikvereins, Friedhelm Lennarz, erklärt, woher die Idee gekommen ist: „Die Idee existierte bereits seit einigen Jahren, wurde aber bisher in diesem Rahmen nicht umgesetzt. Wir wollen die Kinder mit Spaß dazu animieren, ein Instrument zu erlernen und in einem Verein zu spielen.“

Der Verein hat erkannt, dass viele Kinder entweder von ihren Eltern ermutigt werden oder sich selbst dazu entscheiden, das Spielen im Verein auszuprobieren. Häufig haben sie dann aber kurze Zeit später keine Lust mehr, müssen sich zum Unterricht quälen und sind nicht mehr mit vollem Einsatz dabei. Man will also den Kindern von Anfang an zeigen, dass der Unterricht Spaß macht, so dass sie gerne zum Unterricht kommen. Daher war es nach der Rallye möglich, sich beim Musikverein Heimat-Echo kostenlos ein Jahr lang ausbilden zu lassen.

Der Verein ist mit dem Resultat sehr zufrieden, da etwa 30 Kinder mit Begeisterung unterschiedlichste Instrumente ausprobiert und Stempel gesammelt haben, wofür es natürlich auch ein kleines Geschenk gab. Nach der Veranstaltung gab es sechs bis sieben Neuanmeldungen zu verbuchen. Inzwischen haben die Kinder schon die ersten Unterrichtsstunden absolviert. Lennarz: „So wie wir es aufgezogen haben, war es schon erfolgreich. Aber wir können noch einiges besser machen.“ Vor allem versucht der Verein, Partnerschaften mit Schulen einzugehen, um mehr Kinder anzusprechen.

Auch Jochen Jansen von den Eifelklängen Eicherscheid kennt die Problematik, die jungen Mitglieder für einen Musikverein zu begeistern. Die Eifelklänge versuchen, die Jugendlichen sowohl durch Auftritte bei Festen wie beispielsweise Karneval, Kirmes oder Sankt Martin als auch in den sozialen Netzwerken, die die Jugendlichen am meisten ansprechen, zu begeistern. Wobei Eicherscheid mit etwa 30 auszubildenden Musikern, die von professionellen Lehrern aus der Region unterrichtet werden, eine recht große Nachwuchsabteilung besitzt.

„Bei den meisten Kindern und auch Eltern steht Sport über dem Instrumentalunterricht, und wenn die Schule mit steigendem Alter meist stressiger wird, hört man eher auf, ein Instrument zu spielen“, meint die Jugendbetreuerin der Musikvereinigung Roetgen, Rebecca Emonds. Die Musikvereinigung wirbt Jugendliche vor allem durch Musiklehrgänge und die Vorstellung von Instrumenten auf Schulfesten an. Außerdem werden Ausflüge veranstaltet, um die Kinder im Verein zu halten. Derzeit werden bei der Musikvereinigung etwa 25 Kinder und Jugendliche ausgebildet.

Sie werden weniger: junge Menschen, die ein Musikinstrument erlernen wollen und dann auch weitermachen. Foto: Leon Bertram

Das Trommler- und Pfeiferkorps (TPK) aus Konzen beschäftigt der Nachwuchsmangel ebenfalls. Vorstandsmitglied Daniela Bertram hebt besonders die Spielvereinigung mit dem TPK Eicherscheid hervor: „Die Zusammenarbeit ist wichtig für die weitere musikalische Zukunft der beiden Vereine“, sagt sie. Junge Mitglieder gewinnt der Verein vor allem durch Kontakte in Kindergärten und Grundschulen. Der Verein bietet eine Grundausbildung an der Blockflöte an, die von aktiven Mitgliedern übernommen wird. Schon mit etwa zwölf Jahren werden die Kinder in das Orchester integriert und können selbst einen Jugendvertreter wählen, der Ausflüge und Freizeitaktivitäten organisiert. Nach der Grundausbildung werden die Kinder von externen Musiklehrern geschult.

Das Problem sieht Daniela Bertram genau wie die Roetgener Kollegin im veränderten Freizeitverhalten: „Die Jugendlichen sind mehr mit der Schule beschäftigt und haben meist nur Zeit für ein Hobby. Der Musikunterricht hat auch immer etwas mit dem Üben zu Hause zu tun, weshalb dann eher der Sportverein vorgezogen wird. Außerdem bleiben die Kinder eigentlich nur im Verein, wenn die Eltern ebenfalls aktive Mitglieder sind.“ Momentan sind bei der Spielvereinigung etwa 16 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren angemeldet.

Der Vorsitzende der Lyra Höfen, Gerd Förster, klagt derzeit nicht über Nachwuchsmangel. „Auftritte unseres Jugendorchesters sprechen die Kinder und Jugendlichen an. Dazu bieten wir dann Schnupperkurse an, bei denen die Kinder die Instrumente ausprobieren können“, erklärt Förster. Das scheint eine gute Methode zu sein, den Nachwuchs für das Spielen im Verein zu begeistern. Mit einem Jugendorchester von etwa 40 Musikern unter 25 Jahren, wovon ungefähr 20 in Ausbildung bei professionellen Musiklehrern sind, hat die Lyra nämlich eine vergleichsweise große Jugendabteilung.

Die Jugendleiterin des Musikvereins „Eintracht“ Mützenich, Lisa Graff, hebt beim Thema Nachwuchsarbeit besonders die offene Probe des Jugendorchesters in der Adventszeit des vergangenen Jahres hervor: „So kann ein guter Eindruck gewonnen werden, wie eine solche Probe abläuft und worauf man eigentlich hinarbeitet.“ Die Kinder konnten alle Instrumente ausprobieren, und nach der Veranstaltung konnte sich der Verein über einige Neuanmeldungen freuen.

Das Problem sieht die Jugendleiterin ebenfalls darin, dass es meist andere, weniger zeitaufwändige Hobbys gibt, die die Kinder häufig betreiben. Über die derzeitige Situation sagt Graff: „Wir haben im Moment etwa 20 Schüler, die wir zum Teil mit qualifizierten Lehrern aus eigenen Reihen ausbilden. Da aber nicht für jedes Register ausgebildete Spieler zur Verfügung stehen, arbeiten wir seit Jahren mit der Musikschule Monschau zusammen. Die Schüler werden wöchentlich im Vereinsheim der „Eintracht“ unterrichtet.

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