Musikalische Andacht in der Lammersdorfer Pfarrkirche

„Stabat Mater“ : Die Bedeutung des Karfreitags intensiv nähergebracht

Der Kirchenchor, bei dem erstmals Frauen und Männer getrennt auftraten, verstärkt durch Solistinnen und Streichorchester, sorgte an diesem Nachmittag für die passende besinnliche Einstimmung auf das Osterfest und die Auferstehung Christi.

Die „Stabat-Mater“-Version von Pergolesi benötigt im Vergleich zu großen Werken von Verdi, Haydn oder Rossini eine kammermusikalische Besetzung. Pergolesi war ein Zeitgenosse Antonio Vivaldis, wie man deutlich heraushören konnte. Trotz des Mutterschmerzes um den sterbenden Sohn Jesus ist Pergolesis Musik nicht nur von Trauer und Niedergeschlagenheit geprägt. Aus ihr klingen auch leichte, fast tänzerische Momente von Hoffnung und Trost durch.

In der Pfarrkirche bildeten der Chor, die beiden Solistinnen Mirjam te Laak (Sopran) und Núria Vinyals (Alt), Kianhwa Djhie (Klavier/Cembalo) gemeinsam mit dem Dreiländer Kammerorchester den Instrumentalklang. Trauer, Schmerz, Leiden wurden musikalisch als auch gesanglich hervorragend interpretiert und mit viel Hingabe zum Ausdruck gebracht. Für die Besucher im Gotteshaus ergreifend, nachdenklich: ein außergewöhnliches Musikereignis zur Todesstunde am Karfreitag. Es war eine Spitzenleistung aller Mitwirkenden in der gut besuchten Pfarrkirche, in der sogar noch Stühle herbeigeschafft werden mussten.

Gleich zu Beginn gab es das Kýrie (Herr, erbarme dich) aus der „Messa Breve in Re“, wie auch später das „Agnus Dei“ (Lamm Gottes) des luxemburgischen Komponisten Marion Michels. Bereits da wurde klar erkennbar, dass die harte Probenarbeit von Erfolg gekrönt war. Das gesamte Ensemble trug deutlich den Stempel von Leiterin Gabriele Scheidweiler-Pleines, die mit gekonnter, gefühlvoller Taktführung, mit großer Hingabe und Können, diese besondere Andacht zu einem vorösterlichen Höhepunkt werden ließ.

„Stabat Mater“ von Pergolesi, bestehend aus zwölf Sätzen, die Vertonung des gleichnamigen mittelalterlichen Gedichtes für Alt, Sopran, Streicher und Kirchenchor, ist das bekannteste Werk des italienischen Komponisten. Es entstand nur wenige Wochen vor seinem Tod im Jahr 1736. Zum Auftakt das „Stabat mater dolorosa“ und endend mit dem „Quando corpus morietur.“ Ob Solo oder im Duett, die beiden Sängerinnen glänzten mit ihren klaren, schönen Stimmen, gefühlvoll klingend - ein gesanglicher Höhepunkt, vervollständigt durch den Chor (Damen) und das grandiose Orchester.

Der Männerchor gefiel mit „Ubi Caritas“ (Wo Güte und Liebe, da ist Gott) von Ola Gjeilo in Latein, ein Antiphon, ursprünglich aus der Liturgie des Gründonnerstags, vermutlich während der Fußwaschung gesungen, heute eher zur Gabenbereitung. In englischer Sprache glänzte der Lammersdorfer Klangkörper mit „And Can It Be“ (Und kann es sein?), einer modernen Choral-Hymne von Dan Forrest, die subtile Zitate der ursprünglichen „Hymn Tune“ enthält.

An diesem besinnlich, stillen Nachmittag wurde den Besuchern im Weit des Gotteshaus durch ganz besondere Musik die Bedeutung des Karfreitags intensiv näher gebracht. Der starke und verdiente Applaus am Ende einer wohl nicht alltäglichen Andacht machte deutlich, dass es allen gefallen hatte und man die hervorragenden Leistungen der Mitwirkenden entsprechend zu würdigen wusste.

Mehr von Aachener Nachrichten