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Montjoie Musicale mit Kit Armstrong in neue Saison gestartet

Montjoie Musicale in neue Saison gestartet : Kit Armstrong schafft ein mutiges Ereignis

Es war ein Ereignis und ein Erfolg, und das, obwohl der junge, gerade 27-jährige amerikanische Pianist in seinem Programm auf die ganz großen Zugpferde der Klavierliteratur verzichtete und eine Folge von Stücken präsentierte, die nicht schon auf das erste Anhören auf Zustimmung und Beifall spekulierten.

Dem Publikum wurde also, anders gesagt, durchaus einiges abverlangt.

Das begann schon mit der einleitenden Suite KV 399 von Mozart, die den üblichen Erwartungen an diesen Komponisten sicher nicht entspricht, sondern sich bewusst auf die barocken Vorbilder Händel und Bach beruft. Dazu passte es gut, dass Kit Armstrong anschließend direkt auf Johann Sebastian Bach zurückgriff und eine kleine Folge der Bach’schen Choralvorspiele darbot. Vielleicht wäre es eine gute Idee gewesen, diese tatsächlich auch auf der neu restaurierten Orgel der Stadtkirche zu präsentieren, zumal ja Armstrong neuerdings auch als Organist auftritt. Wie er in einem kurzen Zwischenruf kundtat, wäre er dem auch nicht abgeneigt gewesen – allerdings wusste er im Vorfeld offenbar gar nicht, dass sein Auftritt in Monschau in einer Kirche stattfinden sollte; so war das eine kleine verpasste Chance.

Dennoch war die Darbietung dieser Choralvorspiele auch auf dem Klavier sehr bewegend, wenn auch an der einen oder anderen Stelle (wie schon bei Mozart) zu spüren war, dass der moderne Flügel mit seiner donnernden Dynamik eben nicht das Instrument war, für das die alten Meister komponiert hatten. Es fiel zudem auf, dass dem jungen Künstler gerade die ernsten und intimen Stücke offenbar besonders am Herzen liegen: So war das Vorspiel BWV 721 zum Choral „Erbarm dich mein, o Herre Gott“ besonders intensiv.

Auch bei Beethoven suchte Kit Armstrong ein Werk heraus, das im Bewusstsein der Musikbeflissenen nicht gerade an erster Stelle steht; und auch dieses Werk, die Sonate Fis-Dur op. 78, ist eben durch eine intime und eher besinnliche Faktur gekennzeichnet, die das übliche Bild des „Titanen“ Beethoven korrigiert oder wenigstens sinnleitend vervollständigt. Immerhin ist diese Sonate Therese von Brunsvik gewidmet, einer jungen adligen Dame, die für Beethoven möglicherweise mehr als nur eine sehr geschätzte Schülerin war. Diese verschwiegenen Hintergründe schien Kit Armstrong in seiner Interpretation durchaus anklingen lassen zu wollen.

Ein völlig anderes Terrain betrat Armstrong nach der Pause mit Franz Liszts Sonate h-moll. Ein hochvirtuoses Werk, aber auch beim Monschauer Publikum blieb bei aller Bewunderung der Leistung des Interpreten eine gewisse Ratlosigkeit zurück. Ob der Hinweis des Moderators und Organisators Florian Koltun, das Thema der Sonate sei die Faust-Gestalt, hilfreich war? Es ist dies ein Versuch, die gleichsam ziellose Struktur dieses Werkes, in dem verschiedene divergente Themen ohne erkennbares Resultat miteinander kämpfen, in ein Bild zu bringen. Die überaus besonnene und strukturierte Darbietung des problematischen Werks durch Armstrong nahm letztlich doch für es ein.

Das Schlusswerk des Hauptprogramms, Mozarts c-moll-Fantasie KV 475, legte noch einmal den Akzent auf das Nachdenkliche und Besinnliche, bevor es dann – nach überaus lebhaftem Applaus – als Zugabe noch eine echte Überraschung gab, nämlich eine Fantasie des niederländischen frühbarocken Meisters J. P. Sweelinck. Dass ein junger Pianist wie Kit Armstrong sich gerade für ihn einsetzt, ist sehr bemerkenswert. Für die neue Saison der „Montjoie Musicale“ insgesamt ein sehr gelungener Auftakt.

(js)