Monschauer Talsperre immer noch auf Tiefststand

Wasserverband Perlenbach: Trockenheit bleibt das große Thema

Die Perlenbachtalsperre hat Ende Oktober mit einem Pegelstand von 456,88 Meter über Normalnull einen neuen historischen Tiefststand erreicht. Seit Mitte letzter Woche bezieht der Verband wieder Rohwasser über die Notversorgung aus der Dreilägerbachtalsperre.

Die seit fast einem halben Jahr anhaltende Trockenheit bleibt für den Wasserversorgungszweckverband Perlenbach das dominierende Thema. Der nach wie vor ausbleibende Niederschlag führte dazu, dass der Monschauer Wasserversorger seit Mitte letzter Woche sein Trinkwasser wieder komplett aus der Dreilägerbachtalsperre Roetgen bezieht.

In der Sitzung des Betriebsausschusses des Wasserversorgungszweckverbandes Perlenbach im Verwaltungsgebäude in Imgenbroich informierte Betriebsleiter Derk Buchsteiner über die aktuelle Versorgungssituation. Der Trinkwassersee ist nur noch zu rund einem Viertel gefüllt. Wie viele andere auch, so wartet auch der Perlenbachverband nach wie vor auf „abflusswirksamen Niederschlag“, wie Buchsteiner es formulierte. Weil der Regen aber ausbleibt, hatte der Verband bereits am 6. September die für den Fall der Trockenheit bereitstehende Notwasserversorgungsleitung von der Trinkwasseraufbereitungsanlage Roetgen aktiviert. 2001 wurde diese 400-Milimeter starke Leitung gebaut, und im Extrem-Trockenjahr 2003 erstmals in Betrieb genommen. Seitdem musste auf die sechs Kilometer lange Notleitung nicht mehr zurückgegriffen werden. Da die Perlenbachtalsperre seit ihrem Bau im Jahr 1956 jetzt im November 2018 ihren bisher tiefsten Stand hat, werden die 19.000 Haushalte und knapp 50.000 Verbraucher im gesamten Versorgungsgebiet vom Talsperrenverbund Dreilägerbachtalsperre, Kalltalsperre und Obersee versorgt. Am Dienstagabend wurde die Komplettversorgung wieder aufgehoben. Seitdem wird der Tagesbedarf des Wasserwerks von rund 10.000 Kubikmeter Trinkwasser zu zwei Dritteln aus Roetgen und zu einem Drittel aus der Perlenbachtalsperre geliefert.

Bisher hat der Verband insgesamt 260.000 Kubikmeter Trinkwasser vom Nachbarwasserwerk aus Roetgen bezogen. Wenn die Trockenheit in dieser Form bis Ende November anhalte, „dann drohen uns Ertragsverluste“, machte Derk Buchsteiner deutlich. Der Betriebsleiter kalkuliert bereits mit einem Verlust in Höhe von 88.000 Euro beim Wasserverkauf. Eine Erhöhung des Wasserpreises würde dieses negative Ergebnis aber nicht zur Folge haben.

Keine Lösung, der Wassernot zu begegnen, ist es aus der Sicht des Betriebsleiter, ehemalige Quellen in Heimbach und Hausen wieder in Betrieb zu nehmen, wie es Heimbachs Bürgermeister Peter Cremer vorschlug. Abgesehen davon, dass es inzwischen an den notwendigen Wasserrechten fehle, die Menge das Problem nicht lösen könne und der Zugang schwierig sei, müsse auch eine Aufbereitung sichergestellt werden, da die Wasserqualität nicht die Voraussetzungen erfülle, entgegnete Buchsteiner.

„Wie viel muss es regnen, damit wir uns wieder komplett selbst versorgen können?“ fragte in der Betriebsausschusssitzung Marc Topp (Simmerath). Derk Buchsteiner sah dafür einen „satten, dreitägigen Landregen“ als erforderlich an. Das würde rund 300.000 Kubikmeter Zufluss bringen und die Versorgung für mindestens einen Monat sichern. Zugute komme dem Verband, „dass wir über ein sehr großes Einzugsgebiet verfügen“. Ganz sorgenfrei aber ist auch die Aufbereitungsanlage in Roetgen nicht, denn bereits seit Anfang Juli, berichtete Buchsteiner, werde der Obersee aus dem Urftsee zugespeist, um ein Absinken des Pegels zu verhindern. Man sei aber zuversichtlich, „auch über einen trockenen Winter zu kommen“. Der Obersee umfasst mit einem Volumen von 20 Millionen Kubikmeter etwa das 20-fache Stauvolumen der kleinen Perlenbachtalsperre.

Abschließend brachte der Betriebsleiter noch ein anderes Thema zur Sprache. Sollten in Zukunft häufiger Trockenperioden auftreten, dann müsse man auch darüber reden, inwieweit der Verband von seiner Verpflichtung entbunden werden könnte, den Unterlauf des Perlenbachs dauerhaft mit Wasser zu versorgen. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestpflichtabgabe in den Perlenbach beträgt derzeit 40 Liter pro Sekunde.

Mit zwei erfreulichen Feststellungen wurde die Sitzung beschlossen: Betriebsleiter Derk Buchsteiner hielt fest, dass die Technik der Wasseraufbereitungsanlage die schwierige Situation bislang gut gemeistert habe, und Verbandsvorsteher Karl-Heinz Hermanns, der Simmerather Bürgermeister, gab bekannt, dass seine Wetter-App für kommenden Samstag nennenswerten Niederschlag vorhersage. Die regionalen Eifeler Wetterdienste stimmen dieser Einschätzung zu – wenn auch etwas verhaltener.

(P. St.)
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