Monschau: Monschauer Bürgermeister-Kandidaten im Dialog mit Erstwählern

Monschau: Monschauer Bürgermeister-Kandidaten im Dialog mit Erstwählern

Ob die Frage an die Bürgermeister-Kandidaten, wer denn von ihnen auf das seit knapp einem Jahr wieder verfügbare MON-Kennzeichen umgestiegen ist (es waren übrigens zwei von fünf) von nachhaltiger Bedeutung für die Wahlentscheidung ist, ist schwer vorstellbar. Aber auch diese Frage interessierte die Schüler, die an der Diskussion teilnahmen.

Montagvormittag stiegen sie für gut 90 Minuten in einen zunächst vorsichtigen, aber dann auch durchaus kritischen Dialog mit den fünf Bürgermeister-Kandidaten ein, die sich kommenden Sonntag bei der Kommunalwahl dem Wählervotum stellen.

Die Lokalredaktion Nordeifel hatte aus diesem Anlass am Montag zu einem Diskussionsforum mit Erstwählern in die Aula des St.-Michael-Gymnasiums geladen. Rund 300 Schüler, die fast alle am 25. Mai erstmals die Gelegenheit haben, ihre Stimme abzugeben, waren von Uta Frantzen, Politiklehrerin in der Oberstufe, auf die etwas andere Schulstunde eingestimmt worden.

Die Redakteure Peter Stollenwerk und Heiner Schepp führten gemeinsam mit Schülersprecherin Jil Moeris durch die Diskussionsrunde. Die Distanz der auf dem Podium befindlichen Kandidaten zum tiefer sitzenden Publikum dürfte anfangs vielleicht auch den Fragebedarf ein wenig gehemmt haben. In der Vorbereitung sei es „viel kritischer“ zugegangen, merkte Uta Frantzen an.

Den Fragen stellten sich die amtierende Bürgermeisterin der Stadt Monschau, Margareta Ritter (52), CDU; Gregor Mathar (60), SPD; Werner Krickel (58), Grüne; Kurt Victor (53), FDP und Renate Reinartz (50) als parteilose Kandidatin.

Die Kurzvorstellung der Bewerber, verbunden mit der Frage, was sie jeweils für das Bürgermeisteramt qualifiziere, eröffnete Margareta Ritter. Sie betonte, dass die CDU in den vergangenen Jahren bewiesen habe, dass man „verantwortlich Politik für die Stadt gestaltet“ habe. Gregor Mathar will sich für eine „lebens- und liebenswerte Stadt“ einsetzen. Werner Krickel wünscht sich eine engere Kooperation mit den Nachbarkommunen.

Kurt Victor bedauerte, dass die Mehrheit bei zwei großen Themen, Schwimmbad und Sekundarschule, die Chance zur Kooperation mit der Nachbarkommune Simmerath verschenkt habe, und Renate Reinartz wünschte sich sehnlichst eine verstärkte und bessere Bürgerbeteiligung bei wichtigen Entscheidungen für die Stadt. Als parteilose Bewerberin könne sie nach Sachlage entscheiden.

Was wären das für die Schüler, wenn nicht die Frage nach besseren Busverbindungen gleich zu Anfang gestellt würde? Hier gelobten die Kandidaten Verbesserung. Der im Bau befindliche neue Bushof am Himo solle die Verbindungen nach Aachen schneller machen und auch die Anschlussbusse sollen zum Fahrplanwechsel 2015 besser abgestimmt werden, kündigte die Bürgermeisterin an.

„Was wird eigentlich aus der alten Realschule?“, fragte ein Schüler mit leicht nostalgischer Note, sich gleichzeitig wundernd, dass vor nicht allzu langer Zeit noch so viel Geld in das Gebäude investiert worden sei, das ab 2018 leersteht.

Auf Dauer werde Monschau mit dem Gymnasium nur noch eine öffentliche weiterführende Schule (neben der privaten Mädchenrealschule St. Ursula) behalten, räumte Margareta Ritter ein. Ein Teil des Kompromisses bei der Neuordnung der Schullandschaft in der Nordeifel sei die Vereinbarung gewesen, es in Monschau und Simmerath bei je einer weiterführenden Schule zu belassen (in Simmerath ist die Sekundarschule in Kooperation mit der Gemeinde Hürtgenwald gestartet). Nun gelte es, für die Realschule eine sinnvolle Folgenutzung zu finden.

„Es ging darum, mit der Nachbarkommune einen Kompromiss zu finden“, betonte auch Werner Krickel, und manchmal entspricht das Ergebnis eben nur einer Vier minus.“

Kompromissfähigkeit stellte auch Gregor Mathar als politische Qualität heraus, aber bei der Sekundarschule „hätte auch ein gemeinsames Modell mit Monschau und Simmerath funktionieren können.“

In die gleiche Richtung zielte dann auch die Frage, warum es mit der Nachbarkommune denn nicht zum Bau eines gemeinsames Schwimmbades gekommen sei. Eine wirkliche schlüssige und befriedigende Antwort, warum der Dialog nicht zustande kam, gab es aber nicht. Das bestärkte wiederum Renate Reinartz in ihrer Auffassung, „dass die Bürger mehr eingebunden werden müssen“, eine Forderung, die auch Werner Krickel unterstützte: „Es ist eine klare Tendenz zu immer mehr Bürgerbeteiligung zu erkennen. Wir brauchen mehr runde Tische und mehr Ideenwerkstätten.“

Margareta Ritter sah beim Thema Mitbestimmung aber auch die Tendenz, dass es sich dabei oft nur um eine Momentaufnahme handele, je nach Interessenlage der direkt Betroffenen. Dies habe man beispielsweise bei der Schulwerkstatt zum Thema Grundschulen deutlich gesehen.

Strukturelle Verbesserungen und die Verkehrsanbindung für die Region ist auch für die Schüler ein großes Thema. „Das geht es um Leben und Tod für die Eifel“, hieß es.

Hier gingen die Meinungen der Kandidaten aber auseinander. Eine Vierspurigkeit der Monschauer Straße sei unrealistisch, wollte Margareta Ritter keine falschen Wahlversprechen machen, während Gregor Mathar in diesem Zusammenhang wieder die Alt-Forderung der SPD nach einer Ortsumgehung Imgenbroich aufleben ließ. Werner Krickel sah die Verkehrsverbindung nach Aachen als „durchaus leistungsfähig“. Es gelte aber, Lösungen für die Problempunkte im Berufsverkehr zu finden. Kurt Victor sah in Kreisverkehren und wechselnder Dreispurigkeit die effektivste Lösung, während Renate Reinartz die beste Lösung darin sah, „mehr Arbeitsplätze nach Monschau zu holen“.

Als unverzichtbaren Beitrag in diesem Zusammenhang sah die Bürgermeisterin eine Kooperation mit der Aachener Hochschullandschaft. So könne es gelingen, jungen Leuten aus der Region qualifizierte Arbeitsplätze zu bieten.

Dass Renate Reinartz für sich reklamierte, wesentlichen Anteil daran zu besitzen, dass sich die Kommunalpolitik in Monschau mit dem schnellen Internet befasst habe, wies Margareta Ritter zurück. Bereits vor vier Jahren habe der Stadtrat die Ausschreibung beschlossen. In Höfen und Kalterherberg sei der Ausbau erfolgt, nun folgten Konzen und Imgenbroich.

Am Schluss eines Dialoges von guter Qualität dürften dann wohl alle den Appell der Amtsinhaberin an die Schülerschaft unterstrichen haben: „Wichtig ist, dass Ihr alle wählen geht.“