Monschau: Monschauer Altstadt soll weiter belebt werden

Monschau : Monschauer Altstadt soll weiter belebt werden

Tagsüber herrscht meist reges Leben in der Monschauer Altstadt. Trotzdem trüben leerstehende Geschäfte und sanierungsbedürftige Gebäude das Bild. Auch in den Abendstunden ist die Stadt mal mehr, mal weniger belebt.

Die Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Monschau hat deswegen schon sichtbare Maßnahmen ergriffen und macht sich für die Weiterentwicklung der Altstadt stark — nicht nur für die Optik und die Infrastruktur, sondern auch für das Wohnen in Monschau, den Tourismus und das historische Flair.

Leider sind nicht alle Gewerbetreibenden und Immobilienbesitzer in Monschau engagiert, sagt Rolf Kaulard, 1. Vorsitzender der ISG. „Von den rund 120 Betrieben hier in Monschau unterstützen uns nur knapp 30 Prozent“, sagt er. Manchen sei es völlig egal, ob hier etwas auf die Beine gestellt werde oder nicht. Hauptsache, ihr Geschäft laufe.

Eine Kluft zwischen den Geschäftsleuten, die schon seit Jahrzehnten unüberwindbar scheint. „Bei vielen herrscht einfach eine andere Mentalität. Es gibt immer Leute, die sich aus solchen Aktionen raustun, obwohl wir alle vom Tourismus profitieren“, sagt auch Hans-Benno Kaulard, Schatzmeister der ISG. Man müsse einfach verstärkt versuchen, die anderen mit ins Boot zu holen.

„Ein weiteres Problem ist auch, dass hier viele in Rente gehen und es dann kaum Nachfolger gibt“, sagt Rolf Kaulard. Positiv sei aber der trotzdem zunehmende Tourismus. Es gebe zahlreiche Ferienwohnungen, deren Inhaber auch dauerhaft in der Altstadt ansässig blieben. „Und auch die Hotels sind zu den Stoßzeiten nahezu ausgebucht“, sagt Vorstandsmitglied Lutz Schell, der auch Inhaber des Hotel Horchem ist.

Ziel: mehr Firmen und Büros

Eine länger laufende Maßnahme, die die ISG treffen will, ist das Ansiedeln von mehr Firmen und Büros in der Altstadt, um so neue Arbeitsplätze und Dienstleistungen zu integrieren. Aber trotzdem müssten auch der alte Schatz der Altstadt und die Historie behütet werden.

Auch die Verlegung von Glasfaserleitungen für schnelles Internet im historischen Stadtkern ist ein wichtiges Anliegen der ISG. „Bei hoher Netzbelastung geht die Internetverbindung ständig in die Knie. Gutes Internet ist einfach wichtig — für Hotels, Firmen und Familien. Und das fehlt hier“, sagt der 2. Vorsitzende Bernd Maaßen. Der Immobilien- und Standortgemeinschaft ist bewusst, dass das eine große Herausforderung ist. Auch weil man genau überlegen müsse, wie man das ganze Vorhaben technisch umsetzen könne, ohne die ganze Altstadt aufbaggern zu müssen.

Nach den Sommerferien will die ISG die Anwohner und Gewerbetreibenden fragen, wie groß der Bedarf nach Glasfaserleitungen in der Altstadt ist. „Wir rechnen mit sehr viel Zustimmung. Gewerbe und Firmen brauchen einfach schnelles Internet. Hotelgäste bewerten ihren Aufenthalt hier in Monschau immer mit ‚sehr gut‘. Der einzige Kritikpunkt, der stets genannt wird: schlechtes Internet“, sagt Schell. Eine Informationsbroschüre über den Glasfaserausbau ist derzeit in Planung.

Laut Stephan Giese von der Deutschen Glasfaser (DG) in Heinsberg spreche prinzipiell nichts gegen einen Ausbau. Allerdings sei man in der Stadt Monschau bislang nur mit einer Nachfragebündelung in Konzen und Imgenbroich beauftragt. Sobald 40 Prozent der Haushalte, die in einem Ausbaugebiet liegen, sich für einen Vertrag mit der DG entscheiden, beginnt man mit dem Ausbau. In der Altstadt habe es eine solche Nachfragebündelung noch nicht gegeben, und das sei auch erstmal nicht in Planung.

„Das liegt aber nicht an der Beschaffenheit des historischen Stadtkerns und den vielen Baudenkmälern. Die Altstadt wird genauso behandelt wie jede andere Stadt. Wir hangeln uns aber von Stadt zu Stadt und arbeiten uns von Netz zu Netz“, sagt Giese.

Rohre schon gute Voraussetzung

Man habe sich sowohl Monschau als auch Kalterherberg, Höfen und Mützenich angeschaut. Alle Orte könnten zukünftige Projekte werden. Die Einwohner von Kalterherberg müssten allerdings am meisten Geduld aufbringen, da sie am weitesten von den derzeitigen Projekten entfernt sind. Aber klar müsse auch sein, „dass, wenn die Kosten für die Verlegung der Glasfaserleitungen in Monschau zu hoch sind und es sich für die DG nicht rentiert, es dann auch eine Absage geben kann“, sagt Giese.

Das werde dann aber geprüft, wenn es soweit sei. Aufgrund von Kanalbauarbeiten im Frühjahr sind in der Altstadt schon Leerrohre verlegt worden, in die später gegebenenfalls Glasfaserleitungen eingezogen werden könnten. Das ist laut Giese eine gute Voraussetzung.

„Gerade die Pflege der Altstadt ist in den letzten Jahrzehnten vernachlässigt worden“, sagt Hans-Benno Kaulard. Zusammen mit dem Land NRW hat die Stadt Monschau einen Verfügungsfonds eingerichtet, um damit Maßnahmen zur Aufwertung der Altstadt zu ergreifen. Mit Hilfe dieses Fonds wurden 2017 vom Verein etwa 130 Blumenkästen und -kübel aus Metall für rund 21.000 Euro angeschafft, die jetzt das Stadtbild verschönern. „Es ist erfreulich, dass viele Bürger und Geschäftsleute sich freiwillig um die Pflege des Blumenschmucks kümmern und so ihr Engagement zeigen“, sagt Hans-Benno Kaulard.

Auch das Bodendenkmal Rahmenberg drohte Opfer von Verfall zu werden. Maaßen hatte hier im März 2017 angefangen, rund 300 Meter Zaun unterhalb der Hallerruine zu errichten. Der bis dahin noch verwilderte Bewuchs an den terrassierten Steilhängen wird jetzt von Ziegen kurz und „in Schuss gehalten“, sagt Maaßen.

Eigendynamik in der Stadt

Durch viele kleine Einzelmaßnahmen komme so eine gewisse Eigendynamik in die Stadt. „Es ist aber wichtig, dass noch mehr Leute zusammen an einem Strang ziehen“, sagt Hans-Benno Kaulard. Gerade in den Abendstunden könne es schon vorkommen, dass man bei Restaurants und Geschäften vor verschlossenen Türen stehe. „Das ist ein Problem hier, weil einige Betreiber eine sehr liberale Einstellung zu den Öffnungszeiten haben“, erklärt Lutz Schell. Wenn man Kernöffnungszeiten einführen würde, könne man diesem Problem ganz einfach entgegenwirken.

Auch für junge Familien wolle man die Altstadt attraktiver machen. „Aber man muss das Flair hier halt einfach mögen und auch als junge Generation haben wollen“, sagt Maaßen.

Der Eindruck, dass viele Gebäude und Geschäfte im historischen Stadtkern ungenutzt seien, trüge. Nur etwa fünf bis sechs Gebäude stünden derzeit leer. Dadurch, dass aber die Außenpflege teilweise vernachlässigt werde, könne man durchaus meinen, dass viele Gebäude brachlägen. Hinzu kämen besagte instabile Öffnungszeiten. „Dem muss man entgegenwirken“, sagt Rolf Kaulard.

Der ISG werden aus dem Verfügungsfond von Land und Stadt jährlich etwa 25.000 Euro bereitgestellt — die Hälfte der Kosten muss die ISG tragen, unter anderem tut sie das mit Hilfe von Mitgliedsbeiträgen und weiteren Spenden. „Wir würden uns mehr Unterstützung von den anderen Geschäftsleuten in der Altstadt wünschen. Wir profitieren alle vom Tourismus“, sagt Rolf Kaulard.

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