Werke von Günther Beckers in Monschauer Kirchen

Werke von Günther Beckers in Monschauer Kirchen : Sie geben dem Betrachter einige Rätsel auf

Seit einigen Tagen und noch bis Ende Oktober sind in Monschau in der Aukirche sowie in der Evangelischen Stadtkirche Bildwerke des Aachener Künstlers Günther Beckers zu sehen.

Diese Werke stehen in eigentümlichem Kontrast zur sonstigen Ausstattung der Kirchen und geben dem Betrachter, der vielleicht spontan und unvorbereitet damit konfrontiert wird, einige Rätsel auf. Zu bedauern ist freilich, dass im gesamten Kirchenraum – abgesehen von einem kleinen Flyer – keinerlei Hilfsmittel zu finden sind, die dem Besucher deutende Hinweise auf die Werke geben könnten.

Oder sollten die Betrachter gerade dies als einen inhaltlichen Hinweis ansehen? Diese Kunst jedenfalls steht – so rätselhaft sie auf den ersten Blick und ohne Erläuterung auch scheint – hier in Korrespondenz zu einem kirchlichen Raum, der schon als solcher mehr bedeutet als bloß Raum. Was dieses „Mehr“ sein könnte, das stellt die Kunst zur Debatte. Und dies gerade in dem Sinne, dass die Antwort offen ist.

Immerhin steht die Ausstellung unter einem bezeichnenden Titel. Oder, es sind eigentlich zwei. Einmal „Seelenfelder“ – das mag darauf hindeuten, dass hier eine Art der Wahrnehmung aufgerufen ist, die noch unterhalb des rational Definierbaren wirkt. Und im Untertitel ist von „Visionen des Paradieses“ und „der Sehnsucht“ die Rede. Das „Paradies“ mag wohl jene Art von „Heimat“ sein, in der noch niemand war und die doch als letztes Ziel jedem menschlichen Bemühen vorschwebt. Auch dies ist aber nicht in üblicher Weise beschreibbar.

Einige Anknüpfungspunkte werden sich von solchen Leitworten her dem geduldigen Betrachter an Beckers Werken wohl vermitteln lassen. Und einen Bildtitel verrät der Flyer immerhin: nämlich die „Verkündigung“ des Erzengels an Maria, – ein Doppelbild, das dem Hinweis nach von einem berühmten Bild des italienischen Renaissancemalers Fra Angelico inspiriert sei.

Aufgrund dieser Information wird zwar das Bildmotiv zugänglich, aber bei Beckers präsentiert sich dieses in der Weise, dass das scheinbar Wohlbekannte hier in die wuchtige Farbgeste eines herabstürzenden roten Farbkleckses verrätselt wird, dem eine nicht identifizierbare sitzende Gestalt offenbar ratlos gegenübersteht. Die offene Faktur dieses Werkes wird noch dadurch verstärkt, dass es zu den „Farbflügel-Bildern“ gehört. Deren Idee besteht darin, dass den beiden Tafeln eines Diptychons jeweils unterschiedliche schmale „Farbflügel“ zur Seite gestellt werden können, die das Bild selbst in immer wieder neue motivische und strukturelle Bezüge stellt. So soll der Betrachter letztlich in einen schöpferischen Dialog mit dem Werk hineingezogen werden.

Ähnlich geht es vielleicht mit einem anderen auffallenden Werk – einem Rundbild, das über dem Haupteingang der Aukirche in der Nähe der dort befindlichen Marienstatue zu sehen ist. Das Bild, das keine bestimmte Orientierung hat und verschieden gedreht werden kann, trägt den Titel „Kreuzigung“. Auch hier ist die Farbe Rot sinntragend – sinnreich ist es aber auch, dass wiederum der Betrachter aufgefordert wird, durch eigene Reflexion Thema und Erscheinung des Bildes in Korrespondenz zu bringen.

Es wäre sicher wünschenswert, wenn es gelänge, möglichst viele Besucher für einen solchen bildnerischen Dialog zu interessieren. Dafür ist noch bis zum 27. Oktober Gelegenheit, in der Aukirche wie auch in der Evangelischen Stadtkirche in Monschau.