Warum der ehemalige Städteregionsrat für das "Projekt Pranger" warb

Kunstwerk in Monschau offiziell eingeweiht : Helmut Etschenberg am Pranger

Wer soll nun als Erste oder Erster Platz nehmen auf dem neuen Monschauer Pranger, der über Jahre hinweg für Diskussionen in der Stadt gesorgt hat? Bürgermeisterin Margareta Ritter winkt bereits im Vorfeld der Einweihung am Freitag vehement ab: „Ich bin grundsätzlich nicht Pranger-affin“, sagt die CDU-Politikerin lachend.

Immerhin: „Was lange währt, wird endlich gut“, meint die erste Bürgerin der Stadt augenzwinkernd in Richtung ihres Parteifreundes Helmut Etschenberg, der bereits in seiner Zeit als Monschauer Stadtdirektor nicht müde geworden war, für das „Projekt Pranger“ zu werben. Lange war der spätere Städteregionsrat vergebens mit der Idee hausieren gegangen.

„Ich habe schon Anfang der 80er Jahre davon geträumt, dass wir hier einen klassischen Schandpfahl errichten, an dem sich Touristen scheinbar gefesselt fotografieren können und diese Bilder um die Welt schicken“, sagt Etschenberg.

Für Ritter war das schon immer „eine Horrorvorstellung“, wie sie bei der Eröffnung sagt. „Man stelle sich das nur vor: Solche Bilder würden über Instagram unsere Stadt repräsentieren – furchtbar!“

Das Blatt wendete sich erst, als Etschenberg mit dem Vorsitzenden des Kunstvereins Haus Troistorff, Hajo Peters, einen Mitstreiter gewann, der in dem Pranger eher ein künstlerisches als ein historisches Projekt sah. Gemeinsam mit der Aachener Künstlerin Stephanie Binding entwickelten sie die Idee eines für alle Passanten erfahrbaren Kunstwerks, das als Gleichnis für den Pranger der Neuzeit zu verstehen ist: das Internet beziehungsweise die Sozialen Medien.

„Wenn man sich ansieht, welcher Ton dort auch in den Diskussionen zu diesem Kunstwerk herrscht, dann kann man das nur als Bestätigung für dieses Konzept sehen“, sagt Ritter, die den Beteiligten für ihr jahrelanges Engagement dankt: dem Kunstverein, der mithilfe der Sparkasse das Projekt finanzierte, sowie den beteiligten Künstlern und Handwerkern, darunter die Steinmetz Goffart GmbH.

„Wenn man sieht, was das Internet heute im negativen Sinne auch ausmacht, dann liegen wir mit dieser Installation absolut richtig“, meint Etschenberg. „Da wird angeprangert, was das Zeug hält.“ Er sei daher dankbar, dass dieses Kunstwerk nach all den Jahren einen würdigen Platz in der Stadt gefunden habe.

Als dann der Moment kommt, da Etschenberg Platz endlich nehmen darf, öffnet der Himmel seine Schleusen. Fest steht: Das Kunstwerk ist wasserfest.

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