Vera Schrouff wagt sich von Mützenich in die Dominikanische Republik

Von Mützenich in die Dominikanische Republik : Vera Schrouff wagt im Freiwilligendienst den Schritt in die weite Welt

Noch ist Vera Schrouff 17 Jahre alt, auf dem Papier also noch nicht erwachsen. Doch die Abiturientin aus Mützenich hat große Pläne: Im August fliegt sie für ein Jahr in die Dominikanische Republik, um Kindern aus sozialen Brennpunktvierteln mit Bildungs- und Sportprogrammen zu helfen.

Bis dahin wird sie auch volljährig sein. Das ist nämlich Voraussetzung für die Teilnahme am Freiwilligendienst. „Das Projekt wurde 2010 von Studenten ins Leben gerufen und wird von Einheimischen geleitet, die von deutschen Freiwilligen unterstützt werden“, erzählt Vera. Die Organisation, für die Vera im Einsatz sein wird, heißt Ecoselva und kooperiert mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (siehe Box).

Vor Ort wird Vera die Organisation bei den Bildungs- und Sportprogrammen in den Vierteln Caballona und Lechería unterstützen. Die Dominikanische Republik ist den meisten wegen der endlosen weißen Strände als Urlaubsziel bekannt. Abseits der touristischen Orte ist die Armut aber groß. Veras Aufgaben könnten zum Beispiel Hausaufgabenbetreuung und Trainingseinheiten sein. Genau weiß sie das aber noch nicht. Am Sonntag fährt sie auf ein Vorbereitungsseminar in Thüringen, an dem alle Freiwilligen teilnehmen, die ein Projekt in der Dominikanischen Republik besuchen. Dort hofft sie, mehr zu erfahren.

Das Projekt „Café con Leche“, in dem Vera beschäftigt ist, ist nicht das einzige in dem karibischen Land. Für Vera war allerdings schnell klar, dass sie genau dieses unterstützen möchte. „Es war mir wichtig, dass in dem Land Spanisch gesprochen wird und es mit Sport und Bildung zu tun hat“, sagt sie. Die Sprache hat Vera drei Jahre lang in der Schule gelernt, auch Serien guckt sie auf Spanisch, um sich an den Klang und die Aussprache zu gewöhnen.

Sportprogramme auf Fußball ausgelegt

Sport war für Vera ein wichtiger Faktor in der Entscheidungsfindung, im Abitur war Sport ihr viertes Prüfungsfach. Seit sie vier Jahre alt ist, spielt sie leidenschaftlich Fußball. Auch vor Ort sind die Sportprogramme vor allem auf Fußball ausgelegt, auch wenn Baseball eigentlich der Nationalsport ist. Zur Vorbereitung auf die Trainingseinheiten hat sich Vera ein Buch einer Freundin ausgeliehen, die zurzeit ihre Trainerlizenz macht. „Ich finde es echt schön, dass ich da sportlich mit Kindern zusammenarbeite. Das Projekt ist schon genau das, was ich mir vorgestellt habe“, sagt Vera.

Auf das Programm aufmerksam geworden ist sie im Rahmen der Berufsberatung an ihrer Schule. Zwar hat Vera schon einen genauen Plan, was nach dem Auslandsjahr ansteht, das war für die 17-Jährige aber kein Grund, die Teilnahme am Projekt sausen zu lassen. „Ich möchte Sport und Spanisch auf Lehramt studieren“, erzählt Vera, „aber es gab auch den Wunsch, ein Jahr ins Ausland zu gehen und Pause von Schule und Uni zu machen.“

Trotzdem hat die Abiturientin an alles gedacht: Für ihr Wunschstudium in Köln hat sie im Februar bereits den Sporttest an der Sporthochschule bestanden. Sofern sie den Studienplatz für das kommende Wintersemester bekommen würde, wäre diese Zusage auch für das kommende Jahr gültig. Damit umgeht sie den Bewerbungsstress aus dem Ausland.

So viel Weitsicht und Organisationstalent hat vor allem Mutter Astrid beeindruckt. „Angefangen hat es ursprünglich damit, dass sie zwischen Abi und Studium zwei Monate nach Spanien wollte, aber dann hat sie sich komplett allein um dieses Projekt gekümmert“, erzählt sie. Die Familie habe das direkt befürwortet, so jung könne man viele Erfahrungen sammeln. Als Mutter hat Astrid Schrouff natürlich trotzdem ein wenig Sorge mit Blick auf den 25. August, an dem sie ihrer Tochter dann für ein Jahr „Auf Wiedersehen“ sagen muss. „Im Dezember ist das ja noch ganz weit weg, so langsam hat man aber jetzt doch ein mulmiges Gefühl“, gibt sie zu.

Freiwilligendienst bringt Erfahrung

Sie sieht aber eindeutig den Nutzen, den das Projekt für ihre Tochter hat. Sie beruhigt sich selbst, wenn sie daran denkt, dass Vera theoretisch jederzeit zurückkommen könnte, wenn sie sich unwohl fühlt. „Aber es wird ihr gut tun, sich hier mal abzunabeln und allein was zu schaffen“, ist sich Astrid Schrouff sicher.

Wenn man Vera selbst fragt, worauf sie sich am meisten freut, sprudelt es nur so aus ihr heraus: „Auf die komplett andere Kultur, andere Menschen und einen anderen Alltag, die Traditionen und das Essen.“ Angst hat sie eigentlich keine. Höchstens davor, dass die ganzen neuen Eindrücke so überwältigend sind. Aber die 17-Jährige sieht das sehr reflektiert: „Es wird über das ganze Jahr hinweg bestimmt Höhen und Tiefen geben, aber dadurch sammelt man sehr viele Erfahrungen.“

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