Revolutionäre Wasserfilter aus der Eifel

Revolutionäre Wasserfilter aus der Eifel : Ein kleines Wunder ist in Planung

Es geht um nicht weniger als ein kleines technisches Wunder. Um eine Anlage, die aus schlammiger Brühe klares Wasser macht – mehr noch: nahezu reines Wasser.

Es geht mithin um die Lösung eines der drängendsten Probleme der Menschheit, an dem ein kleines Team einer jungen Firma in einer unscheinbaren Halle am Monschauer Handwerkerzentrum (Himo) arbeitet. Dort perfektionieren die Spezialisten der Membran- und Automatisierungstechnik ein Verfahren, das herkömmlichen Kläranlagen „um den Faktor 1000 überlegen ist“, wie der Geschäftsführer Dr. Klaus Vossenkaul erklärt.

Das Ziel ist die industrielle Produktion von Membranfiltern, deren Poren kleiner sind als Krankheitserreger, Bakterien, antibiotikaresistente Keime oder Mikroplastik. Fünf Jahre lang hat er zuvor mit seinem Geschäftspartner Dirk Volmering in Roetgen in aller Stille entwickelt und so die Grundlage für ein neues Unternehmen gelegt, das im Juni zum Sieger beim Businessplanwettbewerb „AC² – die Wachstumsinitiative“ gekürt wurde: die Membion GmbH. Mit der Ruhe wird es in Imgenbroich bald vorbei sein. Vossenkaul weiß, welchen Schatz Membion in der Eifel hütet. Und er kennt das Risiko aus eigener Erfahrung.

Der 54-Jährige ist Anfang der 2000er Jahre eher unfreiwillig zum Akteur in einem ganz realen Wirtschaftskrimi geworden. Mit einem Promotionskollegen und einem seiner Diplomanden von der RWTH Aachen gründete der Ingenieur 2001 in Aachen gemeinsam die Puron AG. Sein Ziel war schon damals die Entwicklung eines revolutionären Filtersystems. Dieses besteht im Kern aus dünnen, gebündelten Filterröhrchen, die mit Hilfe von Luftblasen kontinuierlich umspült und damit frei von Schlamm gehalten werden. Was das System von bereits bestehenden unterschied, war die strömungstechnisch günstige Fixierung der Membranröhrchen wie bei Seegras nur an deren Unterseite kombiniert mit einer zentralen Belüftungsdüse, was es so noch nicht gab.

Das sorgte für Aufsehen: Die Puron AG bestückte in der Folge die größte Membran-Kläranlage Belgiens, war nominiert für den Deutschen Gründerpreis und erhielt prompt ein Übernahmeangebot des Marktführers aus Kanada, das Puron jedoch ablehnte. Doch die Kanadier gaben sich so schnell nicht geschlagen: Mit Hilfe eines angezettelten Patentstreits attackierten sie das kleine Aachener Startup. „Es war der Versuch einer klassischen feindlichen Übernahme“, sagt Vossenkaul. Der Eifeler merkte schnell, von welchem Kaliber seine Gegner waren. „Wir waren deutlich im Nachteil. Zumal uns bald klar war, dass sie einen Maulwurf im Aufsichtsrat hatten.“ Vossenkaul und seinen Kollegen blieb keine andere Wahl, als das Unternehmen schließlich 2004 an den US-Konzern Koch zu verkaufen, bei dem er in der Folge noch fünf Jahre als Mitglied des Managements und Leiter der Entwicklungsabteilung fungierte, bis er das Unternehmen verließ.

Ein Testfilter im Einsatz: Die Möglichkeit zur Klärung von Wasser könnte mit der Technik aus der Eifel eine neue Stufe erreichen. Nicht nur in Bezug auf Mikroplastik ist dies weltweit relevant. Foto: Marco Rose

Mit einem zweijährigen Wettbewerbsverbot belegt, konzentrierte sich Vossenkaul zunächst auf den Ausbau eines Hauses, das er in Roetgen nahe dem Naturschutzgebiet erworben hatte. „Als ich dann den Kopf frei hatte, kamen mir Ideen, wie das zuvor entwickelte System noch verbessert werden könnte“, erzählt Vossenkaul. „Ein Puzzleteil kam zum anderen.“

Im Jahr 2012 gründete der Unternehmer schließlich die Membion GmbH und holte ein Jahr später mit Dirk Volmering einen alten Bekannten aus Puron-Zeiten mit ins Boot. „Es ging uns in dieser Zeit darum, Produkt und automatisierte Serienproduktion zu entwickeln sowie international Patente anzumelden und dabei möglichst unter dem Radar der Konkurrenz zu bleiben, um nicht erneut angreifbar zu werden.“ Um das Know-how zu schützen entwickelt das Team von Membion auch alle Details der Produktionsanlage im Haus bis hin zur Steuerungstechnik und Automatisierung des Prozesses.

Ein Produkt für den Weltmarkt

Denn diesmal will sich Vossenkaul die Butter nicht erneut vom Brot nehmen lassen. Der ehrgeizige Plan von Membion sieht vor, die Zahl der Mitarbeiter am Standort Imgenbroich bis 2022 auf 27 zu erhöhen und im kommenden Jahr eine Kooperation mit einem starken Vertriebspartner einzugehen. „Unser Produkt ist so interessant für den Weltmarkt, dass das eigentlich kein Problem sein dürfte“, sagt Vossenkaul selbstbewusst. In China, Brasilien oder Australien gebe es großen Nachholbedarf bei der Aufbereitung von Abwasser.

Neben der bestehenden Halle am Handwerkerzentrum haben die Gründer bereits eine weitere angemietet und dazu noch ein Grundstück erworben. „Wir haben bislang ein Produktionscluster aufgebaut – für sieben weitere wäre in Imgenbroich noch Platz.“ Gehen die Pläne auf, reicht das aber bei weitem nicht. Mittelfristig rechnet Vossenkaul daher damit, die Produktion in die Abnehmerländer – zum Beispiel nach China – zu verlagern. Dort wird bereits der Gewebeschlauch produziert, den Membion in Imgenbroich in einem eigens entwickelten Verfahren so beschichtet, dass daraus ein Ultrafilter wird. „Wir müssen langfristig dort produzieren, wo auch die Märkte sind. Etwas anderes ergibt wirtschaftlich keinen Sinn.“

Der Standort in der Eifel soll dennoch erhalten und in Kooperation mit der RWTH langfristig zu einem Entwicklungszentrum ausgebaut werden. Denn für Abwasser- und Filterspezialisten sei die Eifel ein idealer Standort, erklärt Vossenkaul. „Die Möglichkeiten für uns sind hier einfach genial.“ So testet das Unternehmen seine Technik derzeit in einem Pilotprojekt beim Wasserverband Eifel-Rur (WVER) im Klärwerk Konzen. Ersten Ergebnissen zufolge kann mit der neuen Technologie der Energiebedarf für die Belüftung der Membranfilter tatsächlich um bis zu 50 Prozent gesenkt werden – für die Branche ein Quantensprung.

Im Oktober geht dann gefördert mit Mitteln der „Deutschen Bundesstiftung Umwelt“ eine weitaus größere Demonstrationsanlage in Betrieb, die Teil des Klärwerks in Simmerath ist. „Dort können wir unsere Technik dann im realen Einsatz für mehr als 1000 Einwohner unter Beweis stellen.“ Es bleibt also spannend für das Team von Membion. „Man muss der Typ dafür sein“, sagt Vossenkaul im Hinblick auf den erneut bevorstehenden Vertragspoker. Zum Entspannen singt der Unternehmer dann a cappella mit dem „Lovely Mr. Singing Club“, seiner zweiten großen Leidenschaft.