Neues Buch von Dr. Elmar Neuß: Das Monschauer Land im Mittelalter

Buch erschließt alte Quellentexte : Das Monschauer Land im Mittelalter

Der Begriff „Weistümer“ hat im heutigen allgemeinen Sprachgebrauch so gut wie keinen Platz mehr, für Historiker aber sind die Weistümer unerlässlich. Als Weistümer bezeichnet man ländliche Rechtstexte.

Es sind schriftliche Aufzeichnungen zu denjenigen Quellen, die Auskunft über Recht und Gewohnheit im ländlichen Raum, in Dörfern und Grundherrschaften geben. Auch im Monschauer Land mangelt es nicht an Weistümern, und einer der führenden Regionalhistoriker im Monschauer Land, Dr. Elmar Neuß, hat dieser Thematik jetzt eine umfassende Veröffentlichung gewidmet, der eine jahrzehntelange Forschung und Recherche vorausging.

Neuß, von 1984 bis 2017 Akademischer Oberrat an der Universität Münster und langjähriger Vorsitzender des Geschichtsvereins des Monschauer Landes, dessen stellvertretender Vorsitzender er heute ist, stellte jetzt im Stadtarchiv Monschau am Holzmarkt sein Buch mit dem Titel „Die Weistümer des Amtes Monschau und der Herrschaft Hetzingen“ vor.

Die vom Autor für die außergewöhnliche Publikationen verwendeten Quellentexte ermöglichen erstmals eine verlässliche Rekonstruktion mittelalterlicher Rodungs- und Siedlungsräume im Monschauer Land, die sich im umgebenden Wald bis heute abzeichnen. Im Kreis anerkannter Historiker aus dem Rheinland und weiterer Interessenten aus den Reihen des Geschichtsvereins stellte er seine Arbeit vor.

Elmar Neuß: „Die Weistümer sind äußerst ergiebige landeskundliche Quellentexte, weil sie kleinräumige Einblicke in die ländlichen Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse erlauben, insofern sie die örtlichen Rechtsgepflogenheiten dokumentieren.“ Neuß erinnerte daran, dass die Quellen in der örtlichen Historiographie zuletzt „sträflich vernachlässigt“ worden seien. Der „erste ernsthafte Geschichtsforscher“ des Monschauer Landes, Heinrich Pauly, Rektor der „höheren Knabenschule“ und Oberpfarrer in Monschau, habe in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts von den Weistümern ausgiebig Gebrauch gemacht. Daher sei es aus seiner Sicht geboten gewesen, dieses Material nach dem heutigen Standard vorzulegen.

Das Monschauer Land ist erst im Spätmittelalter (1435) als Amt zum Herzogtum Jülich gekommen. Als Gebietseinheit war es aus einem karolingischen Forstbezirk in der Nordeifel mit Sitz in Konzen hervorgegangen. Neuß: Die aus diesem Umkreis versammelten ländlichen Rechtsquellen vom 13. bis zum 18. Jahrhundert zeigten im Vergleich mit den Ackerbaugebieten des Niederrheins eine stärker geschlossene territoriale Entwicklung auf der Grundlage des Forst- und Roderechts.

Auf der Grundlage dieser Quellen könne eine neue, nach heutigen landesgeschichtlichen Gesichtspunkten gefertigte Darstellung der Geschichte des Monschauer Landes im Mittelalter angegangen werden. Mit Spannung dürften lokalhistorisch interessierte Geschichtsforscher auch einen Blick auf eine separat dem Buch beiliegende Karte werfen, die den Grenzverlauf des Zehntgebietes des Aachener Marienstiftes als Eigentümer der Konzener Kirche exakt rekonstruiert. Dieser Arbeit widmete sich der Vermessungsingenieur Hans Martin Hörnchen, der die auf der Grundlage eines Vermessungsprotokolls aus dem Jahr 1718 entstandene Karte vorstellte. Diese Puzzle- und Rechenarbeit ergab eine 50 Kilometer lange Grenze, die ein Gebiet von 68 Quadratkilometern umschließt.

Zu Beginn der ausgedehnten Buchpräsentation hatte Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter die Gäste im Stadtarchiv begrüßt und auf die hohe Bedeutung der Geschichte für Monschau herausgestellt. Diese Geschichte gelte es zu bewahren und als Verantwortung für die Zukunft zu betrachten. Herausgegeben wurde das Buch von der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde.

Deren Vorsitzender Dr. Frank M. Bischoff, stellte die Aufgaben der 1881 gegründeten Gesellschaft vor, die ihre wichtigste Aufgabe darin sehe, wichtige Quellen zur Geschichte des Rheinlandes zu erschließen. Dr. Martina Wiech vom Landesarchiv in NRW verwies auf einen umfangreichen Monschauer Bestand in ihrem Hause. Insgesamt verfüge die Einrichtung als eines der größten Archive Deutschlands über 90 Kilometer Akten aus 1200 Jahren rheinischer Geschichte.

Els Herrebout vom Staatsarchiv Eupen schlug eine historische Brücke von Monschau nach Eupen und porträtierte einen Landstrich, der längst nicht immer durch Staatsgrenzen getrennt war.

Die Gemeinsamkeiten fanden Ausdruck in der Tuchindustrie, einer gemeinsamen Handelskammer, und münden heute in der touristischen Kooperation. Abschließend gewährte Stadtarchivar Dr. Bernd Läufer noch einen Einblick in die Struktur des Stadtarchivs Monschau, ehe sich die Besucher dem neuen Buch, aber auch den in den zurückliegenden 25 Jahren inzwischen über 20 vom Gesichtsverein des Monschauer Landes herausgegebenen Publikationen zuwenden konnten.

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