Monschau-Festival: Till Brönner und Dieter Ilg machen den Anfang

Till Brönner und Dieter Ilg eröffnen das Monschau-Festival : Versunken dem Fluss der Musik gefolgt

Selten war die Burgbühne so spärlich mit Technik ausgestattet, und ebenso selten erlebten die Musikfreunde ein so außergewöhnliches Konzert wie es am Freitagabend zum Auftakt der 20. Festspiele auf der Burg Monschau der Fall war.

Der Jazzmusiker Till Brönner und sein musikalischer Partner Dieter Ilg eröffneten die Festspiele 2019 vor rund 900 Zuschauern auf den beiden nicht ganz ausverkauften beiden Tribünen. Jazz ist eben immer noch nicht massentauglich, selbst wenn zwei absolute Hochkaräter auf der Bühne stehen.

Im Zentrum des Konzertes stand das Album „Nightfall“, das Trompeter Till Brönner und Kontrabassist Dieter Ilg kürzlich in der Abgeschiedenheit von Schloss Elmau eingespielt haben. Herausgekommen ist dabei ein klanglich harmonisches Meisterwerk, das die Zuhörer von der ersten bis zur letzten Minute begeisterte. Bei der Auswahl der Stücke haben sich die Beiden keine Grenzen auferlegt. Jazz-Legende Charlie Parker lebt hier ebenso wieder auf wie die Beatles oder Songpoet Leonard Cohen. Das sorgt für eine enorme thematische Vielfalt, ohne dabei die musikalische Linie zu verlassen.

Es ist faszinierend zu hören, wie die beiden Musiker unter völligem Verzicht auf eine Rhythmusgruppe, nur mit Kontrabass und Trompete, einen Klangkosmos erzeugen, der ohne spektakuläre Soli funktioniert und doch manchmal wie ein kleines Orchester klingt. Die Sensibilität von Till Brönner und Dieter Ilg bestimmt die Choreografie des Konzertes. Die beiden Ausnahmekönner nehmen den Zuhörer mit in zum Teil unbekanntes musikalisches Gelände, wo sie mit ihrem genialen Zusammenspiel für totale Entspannung und höchsten Genuss sorgen, selbst in den kurzen experimentellen Passagen.

Zwei geniale Musiker im Zusammenspiel: Till Brönner (Trompete) und Dieter Ilg (Kontrabass) begeisterten mit einem ungewöhnlichen Jazz-Konzert die Zuschauer zum Auftakt des 20. Monschau-Festivals auf der Burg Monschau. Foto: Peter Stollenwerk

Ganz in Schwarz, mal abgesehen von den weißen Turnschuhen, versanken die beiden Musiker in tiefsinnigen musikalischen Dialogen. Dieter Ilg leistete regelrechte Knochenarbeit am Kontrabass, während Till Brönner sein warm-weiches Trompetenspiel und messerscharfe Phrasen darüber legte. Immer wieder wurden die Zuhörer mitgenommen in neue musikalische Sphären und ließen sich tragen auf dem Spannungsbogen von zwei Meistern ihres Fachs. „Sie müssen sich die Akkorde dazu denken“, ver­riet Till Brönner dem Publikum das Geheimnis des optimalen Hörens.

„In spätestens zehn Minuten haben sie dann vergessen, dass die Harmonie-Instrumente wie Gitarre oder Klavier fehlen.“ Ganz sicher war sich der Startrompeter aber nicht, ob das Publikum sich auf das Experiment einlassen würde. „Ich bin gespannt, ob Sie am Ende des Abends noch hier sitzen. Es wird noch richtig heftig“, scherzte er, aber niemand ergriff die Flucht sondern der Publikum folgte versunken dem Fluss der Musik. Die neue Lichttechnik beim Festival setzte zudem passend zum Abend das alte Burggemäuer gekonnt in Szene.

Till Brönner plauderte zwischendurch über Jazzmusik und sein Leben, und einmal übernahm auch Dieter Ilg die Moderation, als er die Gäste auf das geistliche Lied „Ach bleib mit Deiner Gnade“ einstimmte.

Die intensive und ergreifende Interpretation des Kirchenliedes sollte dann auch schon Schlusspunkt des Konzertes sein. Die beiden Musiker verneigten sich vor dem aufmerksamen Publikum unter Verzicht auf eine Zugabe. „Nach diesem Stück kann man nichts anders mehr spielen“, sagte Till Brönner, und niemand widersprach ihm, dass die Klangreise an diesem Punkt endete.

Gut gestimmt traten die Zuhörer nach einem frischen, aber dennoch angenehmen Sommerabend den Heimweg an, und wer sich beim Abstieg in die Stadt noch einmal zur Burg umdrehte, konnten einen Lichtgruß vom Monschau-Festival mitnehmen, der gekonnt auf die Mauern des Eselsturms projiziert worden war.

Mehr von Aachener Nachrichten