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Parkhaus für Monschau: „Man wird die Burg wieder sehen“

Parkhaus für Monschau : „Man wird die Burg wieder sehen“

Das Parkhaus an der Laufenstraße in Monschau geht in die Realisierungsphase. Stadt und Bank sind sich nun einig. Ein entsprechender Bauantrag kann also gestellt werden.

Das Erlebnis des Chronisten mit dem Parkhaus Seidenfabrik vor einigen Jahren ist nachhaltig. Vor lauter Freude an einem Wochenende einen freien Parkplatz gefunden zu haben, übersieht er glatt das Gebotsschild, nur vorwärts einzuparken, und rangiert gewohnterweise vorsichtig rückwärts in die enge Parklücke. Es kommt, wie es kommen muss. Die überstehende Zwischenetage stoppt das Gefährt an der Heckklappe, die Scheibe ist kaputt, der Besuch in Monschau verdorben.

Dem Vernehmen nach ist das weder ein Einzelfall, noch das einzige Manko des im Rahmen der Altstadtsanierung 1984 errichteten Baus. Damals noch der letzte Schrei, ist der Stahlbeton sanierungsbedürftig, rostiges Wasser tropft herab, die Parkstände sind zu eng und die 87 Stellplätze zu wenig an diesem Eingang in die prosperierende Tourismusstadt. Es muss etwas passieren.

Alternativen untersucht

„Wir haben alle möglichen Alternativen untersucht“, sagt Margareta Ritter. Darunter auch eine Überbauung der Busschleife. Die 3,2 Millionen Euro dafür hätte sich Monschau aber nicht leisten können, erzählt die Bürgermeisterin. Als alles auf einen Abriss und einen normalen Parkplatz hinauslief, ist die Truppe um Ortsvorsteher Georg Kaulen auf die Barrikaden gegangen. Solch eine ebenerdige Lösung wäre weder dem Bedarf noch dem Stadtbild gerecht geworden.

Auf dem bisherigen Kundenparkplatz der Sparkasse an der Laufenstraße entsteht das neue Parkhaus, der 1967 eingeweihte Verwaltungsbau des Geldinstitutes wird abgerissen. Foto: Jürgen Lange

Als glücklich erweist sich in diesen Tagen der Umstand, dass die Sparkasse ihre Organisationsstruktur schärft. Die Eifelkommunen werden mit dem Aachener Süden in einer Direktion zusammengefasst. Ihr Sitz ist der Neubau an der Roetgener Bundesstraße. „Das hat alleine schon an energetischem Aufwand große Kostenvorteile für uns gebracht“, sagt Andreas Kreitz.

Weitere Effekte werden folgen, wenn der 1967 auf Wachstum ausgelegte „Neubau“ für die ehemalige Direktion Monschau hinter dem einstigen Kloster der Ursulinen abgerissen wird. Gemeinsam mit der derzeitigen Parkplatzanlage für Kunden und vermieteten Stellplätzen im Untergeschoss entsteht dort ein komplett neues Parkhaus mit zwei Geschossen.

Insgesamt 130 Stellplätze entstehen. 20 auf dem Gelände und 110 im Parkhaus. Die obere Etage wird wie heute von der oberen Laufenstraße angefahren, die untere an der Sparkasse. Schranken werden die Zufahrt regeln. Die Parkgebühren sollen dem üblichen Monschau-Tarif entsprechen, sprich aktuell je angefangene Stunde 2 Euro bei einer Tagesgebühr von 7 Euro. Zudem bietet punktuell die Brötchentaste für die erste halbe Stunde kostenfreies Parken.

Die Sparkasse baut nach den Plänen von Peter Kutsch (NPB-Architekten), und von dem Geldinstituts langfristig pachten wird die Stadt Monschau das Parkhaus, das voraussichtlich von der Apag rund um die Uhr betrieben werden soll.

„Wir haben jetzt ein Jahr lang verhandelt, an solchen und weiteren Details gefeilt“, bekennen Ritter und Kreitz. Es ist eine Partnerschaft von öffentlicher und privater Hand, bei der beide Seiten profitieren. Oder anders gesagt, wird die Symbiose an dem Standort mit einem weiteren Kapitel fortgesetzt. Seit Jahren ist die Stadtbücherei direkter Nachbar der Geschäftsstelle, mit der die Sparkasse auch weiterhin in der Altstadt präsent sein wird. Bedingt durch den Umbau wird man zeitweise auf Container ausweichen müssen, die gegenüber am Bücherschrank aufgestellt werden sollen.

Die Stadtbücherei selbst wird in die Elwin-Christoffel-Realschule ausweichen. Allerdings verbleiben den Bibliothekaren noch einige Wochen, in denen sie die Bücher und Medien in Umzugskartons packen können. Erst im kommenden Frühjahr wird mit dem Abriss des „Neubaus“ das Projekt so richtig in Gang kommen. „Bewusst“, sagt Margareta Ritter. Theoretisch hätte man zwar den Abriss schon im Herbst erledigen können, den Neubau jedoch nicht vor dem Frühjahr beginnen können. Und wie auch immer die (Vor-)Weihnachtszeit in Monschau begangen werden kann, eine Baustelle dort, wo noch eine Handvoll Stellplätze genutzt werden können, soll in Corona-Zeiten vermieden werden.

Sanierungsfall: Das 1984 errichtete Parkhaus Seidenfabrik entspricht nicht mehr heutigen Anforderungen. Die Modernisierung soll nach Fertigstellung des neuen Parkhauses beginnen. Foto: Jürgen Lange

Aber als sichtbares Zeichen, dass das Parkhaus-Projekt eingetütet ist und absehbar anlaufen soll, steht schon einmal ein überdimensionales Baustellenschild am Eingang der Altstadt. Im Oktober sollen zuerst der Abriss- und dann der Bauantrag im Rathaus eingehen. Mit dem großen Spatenstich darf dann für das kommende Frühjahr gerechnet werden.

Bei der Bauzeit kalkuliert die Bürgermeisterin allerdings ausgesprochen konservativ. Zum Monschau-Festival im Sommer 2022 soll der erste Parkkunde feierlich begrüßt werden können. Vielleicht geht es auch schneller, aber Bauarbeiten in historischer Umgebung bergen immer gewisse Unsicherheiten. Da plant auch Monschau vorsichtshalber einen kleinen Puffer mit ein. Aber spätestens mit der Fertigstellung „wird man die Burg wieder sehen können“, freut sich die Bürgermeisterin bereits auf die Rückkehr historischer Ausblicke.

Seidenfabrik und Burgau folgen

Gleichwohl hat die Stadt selbst noch ein paar Sonderwünsche in die Planung eingebracht, gesteht Ritter ein. Ein Keller entsteht, als Stuhllager und für Utensilien der Bücherei, der auch per Fahrstuhl erreichbar sein wird. Der Aufzug wiederum garantiert zudem eine barrierefreie Verbindung zwischen Parkhaus und dem Altbau an der Laufenstraße und somit des Klostersaals mit seinen vielfältigen Veranstaltungen. „Bis jetzt ist das immer noch mit Herausforderungen bei Seniorenveranstaltungen und Konzerten verbunden“, berichtet Andreas Kreitz aus dem alltäglichen Leben eines multifunktionalen Gebäudes.

Komfortabler für alle Beteiligten und energetisch sparsamer wird es mit dem neuen Parkhaus. Auf der Basis einer Investition von 2,2 Millionen Euro haben Monschau und Sparkasse ihren Pachtvertrag abgestimmt, der bei Fertigstellung anhand der tatsächlichen Kosten und der zusätzlich eingebrachten Wünsche Monschaus austariert werden soll.

Steht der neue Parkhaus, soll der nächste Schritt des Projektes folgen: die Sanierung des Objektes Seidenfabrik. „Das wird eine Aufgabe der nächsten Stadtrates sein“, sagt Georg Kaulen. Aber erste Gedanken zu Nutzungsmöglichkeiten nach einer Sanierung der Bausubstanz gibt es schon. Denkbar ist, dass das unterste Parkdeck eine separate Zufahrt erhält und exklusiv an Bewohner der Altstadt vermietet wird.

Vor dem Sparkassen-Bau fing Eifelmaler Paul Siebertz die historische Situation ein. Das nur wenigen bekannte Gemälde hängt im Büro von Gebietsdirektor Andreas Kreitz. Foto: Jürgen Lange

In jedem Fall sollen die Parkplätze breiter werden. Statt heute 80 könnten zukünftig noch 60 Stellplätze bewirtschaftet werden. Ein besonderes Anliegen für Kaulen wäre mehr Komfort und Sicherheit für Zweiradfahrer – solche mit Elektro- wie auch mit konventionellem Antrieb. Verschließbare Abstellflächen soll es geben, Stromanschluss und Schließfächer für Helme und andere Utensilien, die bei einem Bummel entlang der Rur ohnehin nur störend sein würden.

Während zum Feilen an den Details bis zu einem angestrebten Baubeginn nach dem Monschau-Festival 2022 noch reichlich Zeit bleibt, hat Margareta Ritter bereits das nächste Parkhaus im Visier. Denn nach Abschluss der Vorhaben an der Laufenstraße soll die Burgau folgen. Überlegt wird, die Ebenen um eine weitere Parkpalette aufzustocken. Kalkuliert wird angesichts aktueller touristischer Erfahrungen mit einem weiter wachsenden Parkdruck im Stadtkern. Alleine dort verbucht die Stadt im vergangenen Jahr 0,9 Millionen Euro an Gebühreneinnahmen.

„Es ist schon ein großes Glück, dass an mehreren Ecken die Altstadt mit kurzen Wegen von Parkhäusern aus zu erreichen ist“, würdigt Andreas Kreitz die städtischen Bemühungen. Seine Kollegen werden sich absehbar bemühen dürfen, aufgrund des Umbaus die große Schließfachanlage aus der historischen Geschäftsstelle zu demontieren. Sie soll nach der Renovierung nicht mehr ins Tal zurückkehren und wird nach Imgenbroich umziehen.

Neubau auf der Dorfgrenze

Aber selbst auf dieser Höhe des Stadtgebietes steht die Sparkasse vor einer weiteren Investitionen. An der Grenze von Imgenbroich und Konzen entsteht – besonders markant am Kreisverkehr – eine neue Präsenz des Geldinstitutes, das so einmal mehr seine regionale Ausrichtung unterstreicht.

Derweil dürften aus der Region und darüber hinaus viele Besucher zusätzlich von Monschau angelockt werden, wenn ein komfortables Angebot an Parkplätzen weiter ausgebaut worden ist.