„Lea“ beim Monschau-Festival

„Lea“ beim Monschau-Festival : Erster Auftritt in der Region macht Lust auf mehr

Da war sie also, die „Newcomerin“, die „Singer-Songwriterin“: „Lea“ trat am Donnerstagabend im Rahmen des Monschau-Festivals auf. In ihrer sympathischen Selbstmoderation zeigte sie sich sichtlich angetan vom Monschauer Ambiente auf der Burg, wenn auch die ganze Region hier im Grenzland für sie und ihr Team offenbar im wahrsten Sinne Neuland war.

Die geringe Bekanntheit der jungen Künstlerin hierzulande wurde von den Organisatoren im Vorfeld mit Sorge beurteilt. Zu vernehmen war, dass erst ein spezielles Sponsoring der Sparkasse die Veranstaltung im Vorfeld garantiert hatte. Aber die Resonanz des Publikums war dann doch – auch zahlenmäßig – ganz beachtlich, obwohl die Anfrage der Sängerin, ob schon jemand mal bei einer anderen Show von ihr dabei gewesen war, nur von ganz wenigen hochgestreckten Händen beantwortet wurde.

Aber das zum Teil ganz junge Publikum ging dennoch lebhaft mit. Einige junge Damen trauten sich sogar, der Einladung Leas, ins Mikrofon mitzusingen, Folge zu leisten. Und siehe da: die Texte waren durchaus präsent, wenn auch natürlich ohnehin sehr eingängig. Das führt gleich zu der ersten großen Stärke von Leas Songs: die Texte haben allein schon literarisch oft einen bemerkenswerten Reiz.

Sie beschreiben menschlich-private Situationen mit Eindringlichkeit und Behutsamkeit. Die daher eher leise Charakteristik dieser Stücke, die auf den Plattenaufnahmen von Lea großen Eindruck macht, ging freilich durch die – bei Pop-Konzerten offenbar unabdingbare – Lautstärke der Begleitband (oder vielleicht eher der Verstärkeranlage?) ein wenig verloren. Ebenso war die Lichtregie für sich genommen außerordentlich eindrucksvoll, lenkte aber doch im Grunde vom Eigentlichen ab. Immerhin zeigten einige Moderationen in die richtige Richtung, als Lea von den biographischen Hintergründen einiger der Songs erzählte.

So etwa, als nach dem ersten großen Liebeskummer Familie und Freunde das junge Mädchen wieder aufrichteten und sich als personaler „Rückenwind“ erwiesen. Daraus entstand das gleichnamige Lied, das dann auch sehr bewegend vorgetragen wurde. Ein anderes Stück ist der älteren Schwester gewidmet, wo sich die beiden Schwestern gleichsam versprechen, „mehr Wege, die zusammenführen“, zu suchen. Und das Motto solle sein: „weniger Vergangenheit, mehr Utopie“!

Bei den in dieser Hinsicht wichtigsten Stücken des Programms verzichtete Lea denn auch ganz auf die Begleitband und assistierte sich selbst auf dem Keyboard. Die Intensität des persönlichen Ausdrucks steigerte sich dadurch sofort erheblich. Bezeichnend, dass gerade der Song, bei dem es um das „Leiser-sein“ geht, auf diese Weise zu einem Höhepunkt des Abends wurde und auch von den erwähnten jungen Damen aus dem Publikum mit Hingabe und Begeisterung ins Mikrofon geflötet wurde: „Alle meine Freunde fragen, ob ich glücklich bin: Weil ich leiser bin, leiser, seit ich bei dir bin.“ Eine besondere literarische Finesse besteht bei diesem Text freilich darin, dass die so herauslesbare positive Botschaft im Zusammenhang einer gescheiterten Beziehung steht.

Das Hauptprogramm war nach anderthalb Stunden bedauerlicherweise schon zu Ende – man hätte gern noch sehr lange zugehört. Aber dann kam als Zugabe doch noch etwas ganz Besonderes. Ein Stück, das es – wie Lea erzählte – aus unklaren Gründen bis jetzt nicht auf die CDs geschafft hat und das sie daher immer als Zugabe nach ihren Konzerten spielt: die Ballade vom Igel und dem Stachelschwein.

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte unter dem Motto „zusammen ist man weniger allein“. Hinreißend, auch musikalisch, das Fazit dazu: „Ich finde, das ist verrückt, ich wünsche ganz viel Glück.“ Ebensolches Glück darf man auch Lea für ihre weitere Karriere wünschen. Schön wäre es, sie bald einmal wieder in der Region zu sehen und zu hören. Vielleicht ist diese für sie dann nicht mehr nur Neuland.

Mehr von Aachener Nachrichten