Klavierduo zeigt bei Eifel Musicale in Monschau neue Romantik-Aspekte

Eifel Musicale etabliert sich : Doppelpack der Klavierkunst zeigt neue Aspekte der Romantik

Die Interessierten an klassischer Musik im Monschauer Land zeigen offenbar keinerlei Ermüdungserscheinungen. Auch das Konzert am Dienstag – man könnte meinen, in der Karwoche denkbar ungünstig angesetzt – zeigte einen sehr guten Publikumszuspruch und bot wiederum musikalisch Hochwertiges.

Zu Gast war diesmal das kroatisch-irische Klavierduo Robert Andres und Honor O’Shea – beide im Konservatorium auf der portugiesischen Insel Madeira tätig. Robert Andres ist darüber hinaus künstlerischer Leiter des Musikfestivals auf Madeira.

Das Programm des Abends passte sehr gut zum bisherigen Verlauf der „Eifel Musicale“. Wiederum war der Akzent auf die musikalische Romantik und deren Entwicklung gesetzt. Aber diesmal wurden doch einige neue Aspekte sichtbar.

Zu Beginn gab es ein Werk von Robert Schumann, die „Bilder aus Osten“, die von einem arabischen Literaturwerk angeregt sind, das damals erstmals ins Deutsche übersetzt wurde. Allerdings würde man orientalisch-exotische Klänge in diesem Werk vergebens erwarten. Das Stück ist vielmehr ein neuer Anlass für Schumann, seine eigene seelische Zwiespältigkeit in Szene zu setzen, wenn auch die beinahe revolutionäre Wucht seiner früheren Klavierwerke etwas gemildert erscheint. Allerdings sind seine beiden inneren Phantasiefiguren Florestan und Eusebius („Florestan der Wilde, Eusebius der Milde“) zu vernehmen. Beide Aspekte kamen in der Interpretation der beiden Künstler sehr gut zum Ausdruck.

Johannes Brahms schrieb einige Jahre nach dem tragischen Tod seines Freundes und Förderers Schumann eine Folge von Variationen zu einem Thema, das Schumann während seiner seelischen Erkrankung, die dann zum Tode führte, noch notierte hatte. Brahms, der Schumann und seiner Frau Clara auch persönlich sehr nahe stand, schrieb diese Variationen als eine Art „Requiem“ für seinen verstorbenen Freund. Das Widerspiel von Nähe und Abschied meint man in diesen Variationen gut heraus zuhören, wenn das eingängige Hauptthema immer weiter verschleiert wird und am Schluss doch wieder, wenn auch verändert, auftaucht.

Robert Andres und Honor O’Shea gaben eine formvollendete und abgerundete Interpretation des Werkes. Nach der Pause begannen die beiden Künstler mit einer etwas leichteren und eher populäreren musikalischen Kost, nämlich der ersten Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg. Ebenfalls noch leicht zugänglich war Claude Debussy‘s Marsch nach einer traditionellen schottischen Dudelsackmelodie. Etwas schwieriger wurde es dann mit Maurice Ravels „La Valse“. Die Musikliebhaber im Monschauer Land konnten dieses Werk in einer vierhändigen Fassung nun bereits zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit hören. Die Darbietung im Konzert am Dienstag brachte das Stück auf eine äußerst temperamentvolle Weise zum Erklingen, die den Aspekt der Destruktion des Wiener Walzers, um die es Ravel letztlich ging, beinahe in Vergessenheit geraten ließ.

Umso begeisterter war dann die Zustimmung des Publikums, die noch zwei Zugaben erbrachte, nämlich ein weiteres, und wiederum sehr populäres Stück aus Griegs Peer-Gynt-Musik sowie das sehr leise und sanfte Schlussstück aus Maurice Ravels Märchensuite von der „Mutter Gans“.

Robert Andres und Honor O’Shea überzeugten im Ganzen durch eine hohe Musikalität und eine unprätentiöse, aber umso intensivere persönliche Ausstrahlung. Florian Koltun als Organisator der „Eifel Musicale“ und wiederum versierter Moderator des Abends darf sich auch und gerade mit diesem Abend und seiner erfreulichen Publikumsresonanz auf dem richtigen Weg fühlen.

Mehr von Aachener Nachrichten