Kirchenchor Imgenbroich verabschiedet sich nach 150 Jahren

Mit bewegendem Gottestdienst : Kirchenchor Imgenbroich verabschiedet sich nach 150 Jahren

Dass auch einem Abschied ein Zauber innewohnen kann, erlebten zahlreiche Gottesdienstbesucher am Sonntag in der Pfarrkirche in Imgenbroich. Nach 150 durchaus mit Höhen und Tiefen durchlebten Jahren beendete der dortige Kirchenchor seine segensreiche und weithin geschätzte Aktivität.

Schon zwei Jahre lag allerdings der letzte Auftritt zurück; der altersbedingte zahlenmäßige Rückgang bei den Chorsängern ließ ein weiteres musikalisches Wirken nicht mehr zu. Aber es schien den letzten Aktiven des Chores doch sinnvoll, erst mit dem absehbaren runden Datum, dem 150-jährigen Jubiläum, die Geschichte des Chores abzuschließen. So konnte der Rückblick auf eine ganze Epoche Gelegenheit geben zum Dank für das, was mit Gottes Hilfe geleistet werden konnte.

Der markante Anlass lenkte den Blick aber auch auf dasjenige, was in der Kirche und in der Kirchenmusik in der Zukunft bevorsteht. Der Zelebrant des Festgottesdienstes, Pfarrer Herbert Kaefer aus Gemünd, legte in seiner Predigt den Akzent daher auf die grundsätzliche Stellung der Musik innerhalb des Glaubens. Sie kann, wie er darlegte, oft eher zum Herzen des Menschen vordringen als der Verstand. Mit einem Zitat des großen Musikers Leonard Bernstein regte er sogar den Gedanken an, dass das göttliche „Es werde Licht“ zu Beginn der Weltschöpfung weniger ein bloßes Wort als vielmehr ein Gesang gewesen sei. Und so werde der Gesang und die Musik in der Kirche und auch in der Gemeinde Imgenbroich sicherlich niemals verstummen.

Wie zum Beweis dessen setzten zwei befreundete Chöre im Festgottesdienst den beendeten Gesang des Imgenbroicher Chores fort: der Chor „Maranatha“ unter der Leitung von Ralf Dederichs und der Konzener Kirchenchor unter Helmut David, bei dem auch einige Sänger aus Imgenbroich weiterhin aktiv sind.

Der Sprecher des Imgenbroicher Chores, Bruno Welter, hatte zu Beginn alle Gottesdienstbesucher herzlich willkommen geheißen, darunter viele Vertreter der Nachbarchöre, der Ortsvereine, sowie besonders Pfarrer Friedrich Hack aus Höfen und die Monschauer Bürgermeisterin Margareta Ritter.

Dank an die Mitwirkenden nach dem Gottesdienst in der Kirche. Foto: Josef Schreier

Nach dem spirituell besonders bewegenden Gottesdienst dankten die verbliebenen Imgenbroicher Sänger allen Mitwirkenden. Nach dem Zelebranten, Pfarrer Kaefer, und den Vertretern der beteiligten Chöre fiel der Dank an den jahrzehntelangen ehemaligen Dirigenten des verstummten Chores, dem Imgenbroicher „Urgestein“ Willy Mertgens besonders herzlich aus. Dem Ehrenvorsitzenden und zuvor langjährigen Vorsitzenden des Chores, Günter Michaux, war es ein Anliegen, Bruno Welter als dem „Nachlassverwalter“ herzlich dafür zu danken, den Chor bis zu diesem inspirierenden Schlusspunkt geführt zu haben.

Wie sehr der Chor ein Herzensanliegen der ganzen Imgenbroicher Gemeinde gewesen war, ließ sich dann an der lebensfrohen und ungezwungenen Begegnung ablesen, die sich dem Gottesdienst in der Kirche anschloss. Sicherlich hatte der ehrwürdige Kirchenraum eine solch lebendige und auch lautstarke Gemeinschaft bis dahin kaum einmal erlebt. Dem Gottesdienst war die letzte „Generalversammlung des sich verabschiedenden Chores im Imgenbroicher Pfarrheim vorangegangen.

Die letzten acht Mitglieder wickelten die notwendigen Formalien ab und beendeten damit ein 150 Jahre währendes markantes Kapitel der Imgenbroicher Geschichte. Der verbliebene Rest der Vereinskasse soll zu gleichen Teilen dem Imgenbroicher Pfarreirat, der dortigen Pfarrcaritas sowie dem Kirchenchor Konzen zugutekommen.

(js)
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