Neophyten werden verbrannt: Keine Chance dem Riesenbärenklau in der Eifel

Neophyten werden verbrannt : Keine Chance dem Riesenbärenklau in der Eifel

Während die Natur bei frischen Temperaturen noch zögernd grünt und sprießt, hat die Stadt Monschau wieder mit dem Kampf gegen Pflanzen begonnen, die in der Eifel nichts zu suchen haben.

Der Riesenbärenklau, das Drüsige Springkraut und der Japanische Staudenknöterich werden nicht nur den Neophyten, also den nicht auf natürlichem Wege zu uns gelangten Pflanzenarten zugeordnet, sondern zählen auch zu den sogenannten invasiven Arten. Damit bezeichnet man rund drei Dutzend zu bekämpfende Tier- und Pflanzenarten, die mit ihrer Ausbreitung Lebensräume, Arten oder Ökosysteme beeinträchtigen und daher der biologischen Vielfalt schaden können.

Die drei Eindringlinge treten auch an unterschiedlichen Orten in der Nordeifel auf. Entlang der Vennbahn werden seit einigen Jahren in Roetgen, Simmerath und Monschau Vorkommen des Riesenbärenklaus gesichtet und bekämpft. Im Bachbett der Rur in der Altstadt Monschau breitet sich der Japanische Staudenknöterich aus. Auch die Herkulesstaude ist hier zu finden. Das Drüsige Springkraut vermehrt sich zum Beispiel entlang des kleinen Laufenbachtales und der Eschbachstraße bis in die Rur und verbreitet sich von dort aus Rur abwärts bis auf Simmerather Gebiet. Auch im Belgenbachtal, Kluckbachtal, Holderbachtal und Tiefenbachtal begleitet das Drüsige Springkraut zunehmend die Bachläufe und verdrängt die heimischen Pflanzen.

Schäden für die Gesundheit

Neben ökologischen Schäden können durch diese Pflanzenarten auch bauliche und gesundheitliche Schäden hervorgerufen werden. Der Riesenbärenklau verursacht bei Berührung Verbrennungen der Haut, sowohl beim Menschen, als auch bei Haustieren. Der Japanische Staudenknöterich dringt mit seinen Ausläufer-Wurzeln (Rhizome) in Fundamente, Mauern und Asphalt ein und destabilisiert die Ufer von Bächen und Flüssen, was hohe Instandsetzungskosten zur Folge hat.

Vor eineinhalb Jahren ist daher in Deutschland ein Gesetz in Kraft getreten, welches öffentliche und auch private Grundstücksbesitzer betrifft und die Zucht, die Haltung oder das Anpflanzen bestimmter Arten verbietet. Die Beseitigung kann von der Unteren Naturschutzbehörde angeordnet werden. Die Kosten der Beseitigung können dem Verursacher auferlegt werden.

Die Ausbeute einer Stunde: Die ausgerupften Pflanzen werden mit einem Transporter nach Mützenich gefahren und nach Zwischenlagerung der fachgerechten Entsorgung in der Müllverbrennungsanlage zugeführt. Foto: Heiner Schepp

Zur Entwicklung einer gemeinsamen Strategie zur Eindämmung der Neophyten haben die Stadt Monschau, die Gemeinde Simmerath, die Gemeinde Roetgen und die Biologische Station der Städteregion Aachen zusammen mit der Städteregion als Untere Naturschutzbehörde im vergangenen Jahr einen runden Tisch gebildet. Unter Koordination der Biologischen Station sollen die Kommunen im Rahmen ihrer Wege- und Grünflächenpflege Neophyten entfernen.

Mit dieser Aufgabe hat man nun auch wieder in der Stadt Monschau begonnen. „Zwei Unternehmen haben die Aufgabe übernommen, den Japanischen Staudenknöterich im Stadtgebiet zu beseitigen“, berichtete Odrun Schäfer vom Amt für Wirtschaftsförderung und Tourismus diese Woche. Zwei Mitarbeiter der Firma Garten- und Landschaftsbau Steffens aus Mützenich arbeiteten sich vom Burgau aus durch das Rurbett, wo der Knöterich bereits fleißig wächst.

An anderen Brennpunkten haben Mitarbeiter der Höfener Gartenbaufirma Backes dem Japanischen Staudenknöterich den Kampf angesagt. Im feuchten Bachbett der Rur lassen sich die bereits mannshohen Pflanzen recht gut samt Wurzel ausrupfen und müssen anschließend in geschlossenen Behältern und Containern der Verbrennung zugeführt werden.

Beim Einsatz gegen den Knöterich entdeckten die Arbeiter auch den ein oder anderen noch jungen Riesenbärenklau. Für dessen Beseitigung sind sie jedoch nicht mit entsprechendem Werkzeug ausgestattet, da der Bärenklau aufwendig und unter größten Schutzmaßnahmen der Arbeiter ausgegraben werden muss. „Diese Aufgabe übernimmt hier die Untere Naturschutzbehörde der Städteregion Aachen“, erläuterte Odrun Schäfer.

Gemeinsame Sache machen das „Life“-Projekt „Patches & Corridors“ der Biologischen Station und die Kommunen dann wieder ab Ende Juni, wenn das Springkraut mit seinen hübschen lila Blüten an vielen Stellen wuchert, aber kaum zu kontrollieren ist. „Auch das Springkraut muss wegen seiner buchstäblich weit springenden Samen in der Müllverbrennungsanlage entsorgt werden“, erläutert Maike Guschal, die bei der Biologischen Station unter anderem für das Neophytenmanagement zuständig ist. Deshalb müsse man das Springkraut auch nach Entfernung im heimischen Garten dringend in den Hausmüll entsorgen und keinesfalls auf dem Komposthaufen.

Überprüfen Sie Ihren Garten!

Stichwort heimischer Garten: Dringend bitten die Kommunen und die Bio-Station die Bevölkerung darum, bei der Beseitigung der Eindringlinge auch auf privatem Grund und Boden mitzuhelfen, ihre Grundstücke auf Vorkommen von Neophyten zu überprüfen und im Einzelfall die Beseitigung mit der Biologischen Station abzustimmen

Problematisch sind in diesem Zusammenhang illegale Grünabfälle. Die Ausbreitung vor allem des Japanischen Staudenknöterichs wurde durch das Entsorgen von Gartenabfällen in der freien Natur gefördert. Für Bürger der Stadt Monschau ist die Entsorgung von neophytenfreien Grünabfällen in Grüncontainern an wechselnden Orten möglich. Außerdem können neophytenfreie Grünabfälle beim ELC-Süd in Imgenbroich im Gewerbegebiet entsorgt werden. Den Bürgern der Gemeinde Simmerath steht in Rollesbroich, Völlesbruchstraße, bei der Firma Simmerather Recycling GmbH eine kommunal geförderte Grünschnittannahmestelle zur Verfügung.

(hes)