Kalterherberg: Zehn neue Lehrlinge bei Spedition Hermanns & Kreutz

Auszubildende wollen durchstarten : Nachwuchsmangel gibt es hier nicht

In das Speditionsunternehmen Hermanns & Kreutz kommt nun viel Bewegung. Zehn neue Auszubildende füllen die ausgeschriebenen Stellen komplett aus. Nachwuchsmangel fehl am Platz. Die jungen Leute haben sich jetzt einen Überblick verschafft.

„Geht nicht, gibt es nicht“, lautet die Regel Nummer eins beim Speditions- und Transportunternehmen Hermanns & Kreutz aus Kalterherberg. Mit dieser forschen Unternehmens-Philosophie liegt der Betrieb offenbar nicht ganz falsch, hat er sich doch in den 31 Jahren seines Bestehens mit aktuell 280 Beschäftigten längst zum zweitgrößten Arbeitgeber im Stadtgebiet Monschau entwickelt.

Und auch in der Branche gilt das in der Eifel ansässige Unternehmen als gute Adresse. Während viele Betriebe in Gewerbe und Handwerk händeringend nach Auszubildenden suchen, konnte Hermanns & Kreutz pünktlich zum Beginn des neues Ausbildungsjahres am 1. August die zehn ausgeschriebenen Plätze lückenlos besetzten. Am vergangenen Donnerstag verschaffte sich der Unternehmens-Nachwuchs einen Überblick auf dem weitläufigen Betriebsgelände an der Kuhlengasse.

Die jungen Leute wurden hier als Berufskraftfahrer, Mechatroniker oder als Fachkräfte für Lager und Logistik eingestellt. Rund 30 Auszubildende insgesamt sind ständig im Unternehmen beschäftigt, „und fast alle bleiben auch“, sagt Unternehmenschef Bernd Kreutz. „Wir haben uns einen guten Ruf als Ausbildungsbetrieb erworben“, erzählt der 53-jährige Unternehmensgründer. Außerdem gehe man „aktiv in die Schulen“, um die Berufsbilder im Speditionsgewerbe vorzustellen. Gerade beim Berufskraftfahrer gilt es immer noch, mit überkommenen Vorurteilen aufzuräumen.

Die Attraktivität des Jobs für Berufskraftfahrer bei Hermanns & Kreutz wird noch durch ein besonders Angebot schmackhaft gemacht. Schon nach knapp zwei Monaten verdienen die neu eingestellten Berufskraftfahrer mit 800 bis 1000 Euro weit mehr als die branchenübliche Ausbildungsvergütung. Dank der betriebseigenen Fahrschule sind die Auszubildenden deutlich früher am Start. „Das spricht sich herum“, weiß Kreutz, der aber auch noch einen anderen Grund sieht, warum das Unternehmen kaum Personalsorgen hat. „Bei uns werden die Auszubildenden wie Menschen behandelt“, sagt Kreutz, der damit bewusst einen Gegenpol zu den häufig rustikalen Umgangsformen in der Branche setzen möchte.

Auf drei Beinen steht das Unternehmen: Im Bereich Transportwesen sind Stahl, Papier, Kabel und Rindenmulch die wichtigsten Güter, die Tag für Tag kreuz und quer durch Europa gefahren werden. Im Bereich Liquid hat sich Hermanns & Kreutz inzwischen deutschlandweit zu einem der größten Transporteure von Frischmilch entwickelt. Zahlreiche Molkereien gehören zum Kundenkreis; von der zeitweiligen Konzentration auf ein globales Molkereiunternehmen hat das Unternehmen zwischenzeitlich wieder Abstand genommen.

Neu im Geschäft: Das Kalterherberger Speditionsunternehmen Hermanns & Kreutz ist seit einem Jahr auch im Holztransportgeschäft unterwegs. Foto: Peter Stollenwerk

Im vorigen Jahr kam als weitere Dienstleistung der Holztransport mit inzwischen fünf Lkw hinzu, eine Tätigkeit, die von den Fahrern besonderes Geschick verlangt. Für Bernd Kreutz war dieser Schritt nur logisch: „Wir leben schließlich in einer waldreichen Region.“ Überhaupt ist der Geschäftsführer ständig in Bewegung auf der Suche nach Möglichkeiten, „von den Standarddiensten auf der Straße“ wegzukommen und stattdessen ein individuelles Dienstleistungspaket anzubieten, auch um der vom inzwischen weltweit tätigen Frachtdienstvermittler „Uber Freight“ gefahrenen Strategie ein eigenes Konzept entgegenzusetzen. „Uber Freight“ verbindet Speditionen und deren gewerbliche Kunden.

Der neue Marktriese sagt von sich selbst, dass die Fracht online effizienter zu vermitteln sei und Leerfahrten reduziert werden könnten. „Da müssen wir hellwach sein“, sagt Bernd Kreutz über diese neue Entwicklung im Transportgewerbe. Aber das Eifeler Unternehmer hat bereits eine erste Reaktion gezeigt. Im Stadtgebiet Schleiden wurde eine 3000 Quadratmeter große Lagerfläche angemietet als europäisches Logistikzentrum für einen britischen Hersteller von Solarteilen. Hermanns & Kreutz pflegt hier seinen speziellen Umgang mit dem Thema Brexit: „Wir sind dann die einzig verbleibende EU-Bastion für den britischen Unternehmer“, sagt Bernd Kreutz mit einem leichten Schmunzeln. Die anhaltenden politischen Diskussionen um Dieselfahrverbote und Lkw-Maut sind im Kalterherberger Unternehmen selbstredend ein Dauerthema. „Grundsätzlich stehen wir zu unserer Verantwortung bei der Luftreinhaltung“, betont Kreutz, „aber dann muss man auch wissen, dass die Lebenshaltungskosten steigen werden.“ Konkret zeige sich diese Verantwortung beispielsweise in einer verstärkten Nutzung der Schiene.

So kooperiert das Unternehmen bei den zahlreichen Transporten nach München mit der Deutschen Bahn, indem in Köln die Lkw-Auflieger aufs Gleis gesetzt werden. „Die Kompetenz des Lkw ist die Verteilung vor Ort und nicht die Überwindung von Langstrecken,“ sagt Bernd Kreutz. Dieser in Fachkreisen so bezeichneten „letzten Meile“ müssten die Strategien der Zukunft gelten. Daher schimpft der Unternehmer auch nicht über die Lkw-Maut, „weil sie ein geeignetes politisches Instrument darstellt, um über neue Verteilwege nachzudenken und als Inspiration dienen kann, bessere Verknüpfungen zu organisieren“. Schließlich wird auch das Thema Integration im Kalterherberger Unternehmen angepackt.

Zwei Flüchtlinge befinden sich derzeit in der Ausbildung, und nicht weniger als 19 rumänische Kraftfahrer sind im Einsatz. „Das sind tolle Mitarbeiter“, sagt der Chef. Alle 14 Tage samstags findet im Betrieb in Kooperation mit der VHS Deutschunterricht statt. Ziel sei es, diese Mitarbeiter mit ihren Familien in der Region anzusiedeln, „um ihnen damit eine Alternative zur Perspektivlosigkeit im eigenen Land zu bieten“. Gerne stellt sich Bernd Kreutz den tagtäglichen betrieblichen Herausforderungen, aber schon jetzt freut er sich auf die Zeit, wenn die geplante Betriebsnachfolge an seine Kinder vollzogen ist „und ich wieder Lkw fahren kann“.

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