Jan Josef Liefers und seine Band Radio Doria in Monschau auf der Burg

Monschau-Festival : Jan Josef Liefers auf der Burg sehr persönlich

Die meisten kennen ihn als den zynischen und überheblichen Gerichtsmediziner Professor Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne aus dem Tatort. Auf der Monschauer Burg erlebten weit über 1000 Besucher das Multitalent Jan Josef Liefers mit seiner Band „Radio Doria“ im Rahmen des Monschau-Festivals jetzt von einer ganz anderen und musikalischen Seite.

Zuvor hatte das Duo „Herbstbrüder“ aus Berlin das Publikum auf den Abend eingestimmt.

Mit zwei Koffern in der Hand und seinem neuen Album „Zwei Seiten“ im Gepäck betrat Liefers anschließend die Bühne, um die Besucher mitzunehmen auf eine sehr persönliche Reise.

Offensichtlich war ihm bewusst, dass die meisten Zuschauer wohl gekommen waren, um den Schauspieler aus der Nähe zu erleben und weniger, um seiner Musik zu lauschen. Das wurde deutlich, als er das Publikum fragte, wer denn die Band Radio Doria kennt, und weniger als die Hälfte der Zuschauer die Hand hob. Auf die Unterstützung eines textsicheren Publikums, dass die Lieder gerne mitsingt, konnte Radio Doria also weniger vertrauen.

Es sei nicht einfach gewesen, unterhaltsame Musik für das zweite Album von Radio Doria zu schreiben, erklärte Liefers. Schließlich sei es zu einer Zeit entstanden, als die Flüchtlingsfrage das Land gespalten habe. „Wir wollen aber lieber Brücken bauen als Gräben zu ziehen“, betonte er und erklärte, dass der Titel „Zwei Seiten“ auf einen Spruch seiner Großmutter zurückzuführen sei. Nichts sei so wie es scheine, es könne nicht schaden eine andere Perspektive einzunehmen, auch wenn man nachher noch der gleichen Meinung sei. „Man kommt nie dümmer zurück als vorher“, meinte er, bevor die Band das Titellied des Albums anstimmte.

Im Laufe des Abends gab Liefers immer wieder Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Songs und in sein Seelenleben. Er zeigte sich als ein sensibler und einfühlsamer Mensch, der mit der bekannten Filmfigur nur wenig gemeinsam hat. Er berichtete von seiner Zusammenarbeit mit Reinhard Mey, von seiner Kindheit in einem Plattenbau in Dresden und seiner Überzeugung, dass man die Dinge mit Liebe tun sollte, von der Begegnung mit einem Kriegsfotografen und seinen eigenen schrecklichen Eindrücken des Krieges in Syrien. Seine Großmutter zitierte er noch mehrfach und machte deutlich, dass er im Herz ein Kind geblieben ist, das voller Dankbarkeit und Optimismus auf sein Leben blickt. All dies fand sich dann auch in den eher seichten Pop-Songs mit Titeln wie „Nie egal“, „Sehnsucht Nr. 7“ und „Verlorene Kinder“ wieder.

Jan Josef Liefers sparte nicht mit Lob für die einmalige Kulisse auf der Burg und schwärmte von seinen Eindrücken der Altstadt und der Gastfreundschaft, die er erlebte hatte. „Was man sofort sieht, ist eine Art von Liebe, die den Besuchern entgegengebracht wird“, sagte er.

Nach rund zwei Stunden und mehr als einem Dutzend Songs voller Gefühl wurden Jan Josef Liefers und die Musiker Jens Nickel (Gitarre), Gunter Papperitz (Tasteninstrumente), Christian Adameit (Bass) und Timon Fenner (Schlagzeug) mit stehenden Ovationen verabschiedet.

In Zukunft werden die Besucher des Konzerts die Tatort-Krimis aus Münster wohl mit anderen Augen sehen, auf der Monschauer Burg haben sie den Menschen Jan Josef Liefers etwas besser kennengelernt.

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