1. Lokales
  2. Eifel
  3. Monschau

In Höfen, Kalterherberg und auf der Haag waren 80 Prozent zu schnell

Auswertung der Geschwindigkeitsanzeigen : Grimmiger Smiley stört in Monschau nicht sonderlich

Die Auswertung der Geschwindigkeitsanzeigen im Monschauer Gebiet hat gezeigt: 80 Prozent der Verkehrsteilnehmer waren zu schnell. Damit scheinen die Smileys kein Anreiz zu sein, langsamer zu fahren. Nun wird nach Alternativen gesucht.

Fuß vom Gas, und schon wird aus dem grimmigen roten Smiley ein freundlicher grüner. Die plakative Anzeige auf den allseits bekannten Tempomessanlagen ist aber für viele Autofahrer offenbar nicht Anreiz genug, langsamer zu fahren. Im Monschauer Stadtrat gab es deshalb nun Überlegungen, die Anzeigetafeln auch mit einer mobilen Kontrolle zu verbinden, „denn leider kann man zu schnelle Kraftfahrzeugführer nur über das Portmonee erziehen“, wie Werner Krickel (Grüne) feststellte.

In den vergangenen Jahren schaffte die Stadt Monschau insgesamt sieben dieser mobilen und solarbetriebenen Geschwindigkeitsanzeigen an, die in Abstimmung mit den Ortsvorstehern an neuralgischen Verkehrspunkten in den Ortschaften platziert werden. Die Geräte verfügen neben der visuellen Geschwindigkeitsanzeige auch über einen Datenspeicher, über den sich Informationen beispielsweise über die Verkehrsmenge oder gefahrene und durchschnittliche Geschwindigkeiten auslesen lassen. „Die wesentlichen Daten zu den einzelnen Messstellen werden dem Rat zukünftig regelmäßig zur Kenntnis gebracht“, hatte die Verwaltung angekündigt, das Thema auf die Tagesordnung des Rates gesetzt und nun erste Ergebnisse von sechs mehrwöchigen Messungen vorgelegt.

Dabei ergab die Auswertung, dass an drei Messstellen (Höfen: Alter Weg, Kalterherberg: Ortseingang und Monschau-Haag) mehr als 80 Prozent der erfassten Autofahrer zu schnell waren, im Wohngebiet Steinrötsch in Imgenbroich sich knapp 60 Prozent nicht an Tempo 30 hielten und auch in Konzen unweit des Kindergartens und in der Rohrener Riehelskuhl etwa ein Drittel der Fahrer etwas schneller als mit 30 km/h unterwegs war. „Die bereitgestellten Daten dienen dabei aber nur einem ersten Überblick und bedürfen vertiefend weiterer Interpretation und Betrachtung der jeweiligen örtlichen Gegebenheiten“, stellte Oliver Krings vom Ordnungsamt dazu fest.

So werde zum Beispiel in der Verkehrstheorie angenommen, dass auf Durchfahrtsstraßen rund zehn Prozent des täglichen Fahrzeugverkehrs auf die sogenannte „Spitzenstunde“ entfalle. Diese Annahme treffe auch auf die Messstellen Kalterherberg und Höfen zu; „die stundenweise Betrachtung für die Messstellen in Konzen und Auf der Haag würde wahrscheinlich durch den Kindergarten- bzw. Schulverkehr eine höhere Fahrzeugmenge in der Spitzenstunde im Verhältnis zur Gesamtzahl der Fahrzeuge pro Tag ergeben“, analysierte die Verwaltung.

Der grüne Smiley blieb besonders bei den Messungen in Höfen, Kalterherberg und auf der Haag in der Minderheit. Foto: Heiner Schepp

Auch dürfe unterstellt werden, dass ein gewisser Anteil an Geschwindigkeitsüberschreitungen am Ortseingang Kalterherberg unmittelbar am Beginn der Ortsdurchfahrt auf „ausrollende“ Fahrzeuge zurückzuführen sei und sich im weiteren Verlauf der Straße wahrscheinlich nennenswert verringere.

Zu berücksichtigen sei zudem, dass die Messgeräte nur den Verkehr aus einer Richtung erfassen könnten.

Im Rat gingen die Meinungen zur Auswertung der Geschwindigkeitsanzeigen auseinander. Während Werner Krickel von „teils erschreckenden Ergebnissen“ sprach und Höfens Ortsvorsteher Heinz Mertens entsetzt war über den negativen Höchstwert im Alter Weg (s. Box), warnte Manfred Schneider (CDU) vor Panik: „Die Zahlen sind sicherlich interessant, aber wir sollten die Kirche im Dorf lassen“, meinte der Ratsvertreter aus Kalterherberg. Die Überschreitungen in Höfen müssten vor dem Hintergrund von durchschnittlich vier Fahrzeugen in der Stunde gesehen werden, und in Kalterherberg liege die Geschwindigkeit zwar im Schnitt bei 60 km/h, dies jedoch direkt am Ortseingang.

Werner Krickel befürchtet dennoch, dass die Messergebnisse zur Gewöhnung führen, wenn nichts passiere. „Zumindest an den neuralgischen Punkten sollte zum Smiley auch mal der rote Blitz dazukommen“, regte Krickel an, mit Polizei oder Städteregion bezüglich Kontrollen zu sprechen. Sinn könne man in die Aktion „leider nur übers Portmonee reinbringen“, sagte Krickel und fügte augenzwinkernd hinzu: „... auch wenn das die Aseag auf der Haag wahrscheinlich viel Geld kosten wird.“ Auch für Heinz Mertens zeigen die Ergebnisse, „dass etwas passieren muss“.

Einig war man sich im Rat aber, dass die Messanlagen ihren Sinn voll und ganz erfüllen und weiterhin zum Einsatz kommen sollten.