Gebäude am Holzmarkt in Monschau wird umfangreich saniert

Investitionen in der Altstadt : Vom Sorgenkind zum Schmuckstück

Investoren rennovieren Stück für Stück die leerstehenden und in die Jahre gekommenen Bauten in der Altstadt in Monschau. Die Ecke Holzmarkt/Kirchstraße wird sowohl für Touristen als auch für Anwohner immer beliebter.

Die Ecke Holzmarkt/Kirchstraße in Monschau war lange Zeit ein Sorgenkind der Stadt. Viele Häuser standen leer und drohten zu verfallen. Inzwischen ist aber Bewegung in die Sache gekommen, und das Sorgenkind mausert sich allmählich zu einem Schmuckstück, das man gerne vorzeigt. Die meisten Häuser sind inzwischen verkauft und werden instand gesetzt, oder sie sind es bereits.

Das Haus Holzmarkt 9 haben Jochen Willms und Werner Maaßen im Frühjahr 2017 gekauft. Ein Wasserschaden, der sich von der obersten Etage bis in den Keller zog, hatte das Haus völlig unbewohnbar gemacht. Niemand wollte es haben. Nach einer Bestandsaufnahme mit Architekt Wolfgang Kaever wurde das Gebäude völlig entkernt, ein Plan erstellt und der Markt erkundet. Die Investoren stellten fest, dass Gruppenreisen offenbar im Kommen sind und Gäste auch im Urlaub gerne wie zu Hause – oder besser – wohnen möchten. „Daran haben wir uns orientiert und eine Wohnzimmer-Wohlfühlatmosphäre geschaffen. Damit liegen wir offensichtlich nicht falsch“, sagt Werner Maaßen.

Zwei Jahre lang dauerten die Umbauarbeiten, bevor im Juni die Eröffnung gefeiert wurde. Auf den Einklang mit dem Denkmalschutz wurde Wert gelegt und im Hintergrund gleichzeitig modernste Technik verbaut. Nachhaltigkeit spielte dabei eine besondere Rolle, und es wurde eine Verbindung zwischen traditionellem Charme und modernem Flair geschaffen. Aber auch im Außenbereich ist viel passiert. Der verwilderte Garten und die Fassade wurden ebenfalls aufwendig neugestaltet.

So sah es vor der Sanierung im Haus Holzmarkt 9 aus: Ein Wasserschaden hatte das Gebäude völlig unbewohnbar gemacht. Foto: Yvonne Kirch

Jetzt bietet die auf den Namen „Stadthaus“ getaufte Immobilie auf mehreren Etagen Platz für bis zu 22 Personen, die dort nicht nur übernachten, sondern auch Seminare, Tagungen oder Workshops veranstalten können. Nicht zuletzt sollen auch Paare angesprochen werden, die in Monschau heiraten wollen. Für Gelegenheiten wie einen Sektempfang kann auch das mit Küche, Toiletten und Garderobe ausgestatte Erdgeschoss des Stadthauses gebucht werden.

Und so sieht der gleiche Raum nach der Sanierung aus: Die Umbauarbeiten im Holzmarkt 9 dauerten zwei Jahre lang. Foto: Yvonne Kirch

Maaßen ist sicher, dass sich die Investition von mehr als eine Million Euro mit der Zeit rentieren wird. Das „Investitionsklima“ habe sich, geändert und es tue sich was in der Altstadt, meint er und blickt durchaus optimistisch auf die Situation. Dies liege auch an der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Monschau, die im Jahr 2016 mit dem Ziel gegründet wurde, für eine neue Aufbruchsstimmung zu sorgen. „Die ISG hat was ins Rollen gebracht. Es gibt einige Leute, die hier etwas bewegen“, sagt Maaßen, der zum Vorstand der Gemeinschaft gehört.

Ein großes Manko sei aber nach wie vor, dass das Internet in der Altstadt nicht das schnellste sei. Viele potenzielle Investoren schrecke auch der Denkmalschutz ab. In seinen Augen ist das aber kein Problem. „Wenn man auf die Behörde zugeht, kann man gut mit denen zusammenarbeiten.“ Seiner Meinung nach muss bei der Sanierung alter Gebäude auch nicht immer der Tourismus im Vordergrund stehen. „Wenn die Ansprüche an zeitgemäßes Wohnen erfüllt werden, dann ist für die Leute auch das Wohnen in Monschau attraktiv“, sagt er. „Das ist hier jahrzehntelang vernachlässigt worden. Man muss sich auch an die großen Objekte herantrauen“, meint Maaßen.

Einer, der in der Altstadt etwas bewegen und dort auch wohnen möchte, ist Sascha Schiffers. Er ist vor drei Jahren aus Krefeld nach Monschau gezogen und wohnt jetzt an der Eschbachstraße. „Ich habe mich hier umgesehen und konnte mir vorstellen, hier etwas aufzubauen“, sagt Schiffers, der lange Zeit in der Textilindustrie für namhafte Firmen als Produktmanager und Chefdesigner tätig war. Zurzeit saniert er an der Kirchstraße die Häuser mit den Nummern 2 und 4. In dem einen war früher das Rathaus untergebracht, das andere wurde in früheren Zeiten als Amtshaus genutzt, später diente es auch als Wohn- und Geschäftshaus einer Schreinerei. Ende des vergangenen Jahres wurde mit den Grundarbeiten begonnen. Das erste Haus soll im Frühjahr komplett fertig sein.

Sascha Schiffers saniert zurzeit an der Kirchstraße die Häuser mit den Nummern 2 und 4. Foto: Andreas Gabbert

In der Nummer 4 soll nun ein Atelierhaus entstehen, wo das Wohnen und Arbeiten in einem historischen Gemäuer möglich sein soll. Im Erdgeschoss sind eine Textilwerkstatt und eine Begegnungsstätte vorgesehen. Dort sollen Workshops für Firmen stattfinden. „Monschau hat so viel Tradition und so viel zu erzählen, gerade auch mit Blick auf die Textilindustrie. Das kann man gut miteinander verknüpfen“, sagt Schiffers.

Er glaubt daran, „dass Leute auch gerne in der Altstadt wohnen wollen“. Deshalb will er auch nicht auf klassische Ferienwohnungen setzen, sondern eher auf die genannten Workshops und auf Festvermietung. „Man muss aber was Vernünftiges daraus machen“, sagt er.

Ruth Breuer, die Chefin der Senfmühle, hat vor drei Jahren das Haus Kirchstraße 1 ersteigert. „Da haben meine Ururgroßeltern mit der Senfproduktion begonnen, deshalb hatte ich ein besonderes Interesse an diesem Objekt“, sagte sie. Inzwischen hat das Haus ein neues Dach, neue Fenster und eine neue Isolierung erhalten. Dort sind zwei Ferienwohnungen und als neue Attraktion ein sogenannter Escape-Room entstanden. „Bei einem Room-Escape, Escape-Room oder Secret-Room handelt es sich um eine Art Schnitzeljagd in einem Raum, also ein Spiel mit vielen Rätseln. Wir haben das Ganze Rätselraum genannt. Normalerweise ist es Ziel, innerhalb einer Stunde aus einem Raum auszubrechen. Bei uns geht es aber um eine andere Geschichte, bei der natürlich der Senf im Mittelpunkt steht“, erklärt Breuer. Auch das Haus direkt daneben gehört zur Senfmühle und wurde im gleichen Zeitraum ebenfalls saniert. Auch dort sollen Ferienwohnungen und eventuell ein weiterer Escape-Room entstehen.

Ruth Breuer, die Chefin der Senfmühle, hat vor drei Jahren das Haus Kirchstraße 1 ersteigert: Dort sind zwei Ferienwohnungen und als neue Attraktion ein sogenannter Escape-Room entstanden. Foto: Andreas Gabbert

Das Haus Holzmarkt 20, eines der ältesten in der Altstadt, haben die Architektin Sandra Stuppi-Bartsch und ihr Mann Oliver Bartsch aufwendig saniert. Zurzeit nutzen sie es noch selbst, nach dem Umzug in die Kirchstraße 18 soll es dann als Ferienhaus genutzt werden. Eigentlich hatte das Ehepaar aus Aachen nach einem Häuschen am Rursee Ausschau gehalten, als es zufällig auf die Immobilie in der Altstadt aufmerksam wurde. „Obwohl es in einem schlechten Zustand war, hat es uns bei der ersten Besichtigung mit seinem Charme und der Lage am Bach verzaubert“, erzählt Sandra Stuppi-Bartsch.

Die Architektin Sandra Stuppi-Bartsch und ihr Mann Oliver Bartsch haben das Haus Holzmarkt 20 saniert: Wo sich vorher drei kleine dunkle Räume befanden, wurden die Wände geöffnet und die alten Eichenbalken freigelegt. Foto: Andreas Gabbert

Nach dem Kauf im Jahr 2018 und einer Bestandsaufnahme nahm sie gleich Kontakt zur Bauaufsicht und zur Denkmalpflege auf. Auch sie berichtet von einer guten Zusammenarbeit. Besondere Herausforderungen bei dem Umbau seien insbesondere die Fassade, das Dach und die statische Konstruktion gewesen. Im Erdgeschoss, wo sich vorher drei kleine dunkle Räume befanden, wurden die Wände geöffnet und die alten Eichenbalken freigelegt. Heute befindet sich dort ein großer offener Wohnraum. Die Decken wurden erhöht, und auch das Dachgeschoss wurde ausgebaut, so dass das Haus mit drei Schlafzimmern auf rund 120 Quadratmetern Platz für sechs Personen bietet. „Wir fühlen uns hier in Monschau sehr wohl“, sagt Stuppi-Bartsch.

„Wir sind dankbar und froh über die Investitionsbereitschaft in Monschau“, sagt Bürgermeisterin Margareta Ritter.

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