Fronleichnamsprozession: Großes „Fest des Glaubens“ in Monschau

Traditionelle Fronleichnamsprozession : Großes „Fest des Glaubens“ in Monschau gefeiert

Rund 300 evangelische und katholische Christen aus dem gesamten Monschauer Land haben an Fronleichnam gemeinsam ein großes „Fest des Glaubens“ gefeiert und ihren Glauben auch auf die Straße getragen.

Damit stieß die neu belebte Tradition der gemeinsamen Fronleichnamsprozession in der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Monschau auf eine sehr gute Resonanz.

„Heute sind wir eingeladen zum Fest des Glaubens, sind wir alle eingeladen, unseren Glauben zu zeigen – hier in der Kirche und auch auf den festlich geschmückten Straßen und Plätzen sowie an den liebevoll gestalteten Außenaltären“, sagte der evangelische Pfarrer Jens-Peter Bentzin bei seiner Begrüßung in der vollbesetzten Aukirche. Der evangelische Pastor erinnerte an das Wort vom „wandernden Gottesvolk“, das unter vielfachen Gefährdungen und ungeachtet mancher Irrwege, Entbehrungen und Rückschläge mit Gottes Hilfe schließlich sein Ziel erreicht habe. „Und das ‚begehen‘ wir heute – im wörtlichen Sinne – am Fronleichnamstag“, so Bentzin.

In seiner bemerkenswerten Ansprache, die von den Gläubigen unmittelbar mit starkem Beifall quittiert wurde, bezog Bentzin ausdrücklich seinen katholischen Konzelebranten, Pfarrer Karl Schnitzler, und Gemeindereferentin Monika Breuer mit ein, als er sagte: „Wir sind froh und dankbar, dass uns dieses Fest heute aus allen Pfarren und Ortsteilen zusammenführt, aber auch und gerade aus der katholischen und evangelischen Kirche. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich“, stellte Bentzin fest und blickte zurück: „Nicht nur die Älteren unter uns haben Fronleichnam, ähnlich wie Karfreitag oder den Reformationstag, allzu oft als einen Tag erlebt, der eher trennt denn zusammenführt, wo man den eigenen Glauben in Abgrenzung zum vermeintlich anderen zeigt.“

Heute aber sei die Stadt festlich geschmückt, würden die Gemeinden – wie seit 45 Jahren schon – gemeinsam Pfarrfest feiern „und werden wir erleben, wie Geschichte voranschreitet und sich entfaltet“, sagte Jen-Peter Bentzin. Und die Prozession, die auch zur Evangelischen Stadtkirche führe, werde zeigen, „wie wenig, wenn überhaupt, uns noch voneinander trennt.“

Pastor Karl Schnitzler und Pfarrer Jens-Peter Bentzin riefen dazu auf, die Gemeinsamkeiten statt der Verschiedenheiten der katholischen und der evangelischen Christen nach außen zu tragen. Foto: Heiner Schepp

Als 2014 ein Teil des Erlöses des ökumenischen Pfarrfestes in die Anbringung der Inschrift am erneuerten Turm der Stadtkirche geflossen sei, habe man damit in Monschau ein deutliches Zeichen für die Ökumene setzen können. Auf diesem Weg gelte es weiterzugehen, „indem heute nicht das Trennende herausgestellt wird, sondern das bereits gemeinsam Gelebte, aber auch das gemeinsam theologisch Erreichte betont wird“, sagte Bentzin und versprach: „Wir werden dabei behutsam die Grenzen respektieren, die die Liturgie, das Kirchenrecht, aber auch das eigene religiöse Empfinden setzen.“ Denn noch habe man nicht die Möglichkeit, gemeinsam das Abendmahl, die Eucharistie am Tisch des Herrn zu feiern. „Das schmerzt.“

Pfarrer Karl Schnitzler lud deshalb später alle Gläubigen, gleich welcher Konfession, zur Kommunion ein und bat sie, mit der geöffneten Hand oder mit verkreuzten Armen vor der Brust zu zeigen, ob man den Leib Christie empfangen möchte oder nicht. „Beides verdient unseren Respekt“, sagte Pfarrer Schnitzler.

Nach der Messe in der Aukirche machte sich die eindrucksvolle Prozession auf den Weg durch die Altstadt, angeführt von den Kirchenchören, gefolgt von den beiden Pastören, die unter dem „Himmel“ die Monstranz mit dem Allerheiligsten unter Gebet und Gesang durch die Straßen trugen. Pfarrer Bentzin und Pastor Schnitzler waren umringt von gut 30 Erstkommunionkindern aus der gesamten GdG, von denen einige mit sichtlichem Stolz die Monstranz ein kurzes Stück des Weges tragen durften. Die Kinder hatten auch etliche Vorträge und Gedanken für die Feiern in der Kirche und an den Stationen vorbereitet. Der Musikverein Monschau und die große Schar der Gläubigen rundeten das imposante Bild der Prozession ab.

Überall in der Altstadt wiesen Flaggen, kleine Altäre und liebevoll gestalteter Blumenschmuck den Gläubigen den Weg der Prozession. Am Markt bewunderten die Kommunionkinder den kunstvoll gelegten Blumenteppich. Foto: Heiner Schepp

An drei Stationen wurden Abschnitte aus dem Evangelium vorgetragen, Fürbitten gesprochen und wurde der sakramentale Segen in alle Himmelsrichtungen, über den Ort und die Flur erteilt. Erste Station war das Maria-Hilf-Stift, wo die Kinder des angeschlossenen Kindergartens Liedvorträge vorbereitet hatten. Auch an der zweiten Station, der Stadtkirche, gab der Chor der Evangelischen Kirchengemeinde der Feier einen würdigen Rahmen. Letzte „statio“ und Schlusspunkt war schließlich der Markplatz, wo die Gläubigen unter einem großen Tuch mit der Aufschrift „Fronleichnam 2019 – Unseren Glauben zeigen“ nach der rund dreistündigen Feier den Schlusssegen empfingen.

Monika Breuer dankte abschließend „all den vielen Menschen, die diese Feier heute initiiert, unterstützt, organisiert und auch besucht haben“. Fronleichnam 2019 in Monschau sei mehr als „nur“ ein kirchliches Hochfest gewesen, meinte die Gemeindereferentin, „es war ein Neuanfang, der Hoffnung für die Zukunft macht!“

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