"Fridays for Future"-Demonstration am Freitag in Monschau

Fridays for Future : Die Schülerbewegung ist in der Eifel angekommen

Die Aufregung steigt. Schließlich ist es für die jungen Leute aus der Nordeifel die erste Demonstration, die sie selbst organisiert haben und die am kommenden Freitag ab 10 Uhr durch die Monschauer Altstadt ziehen soll.

Marie Wilden (17) aus Rollesbroich, Tim Kleynen (18) aus Lammersdorf sowie Benjamin (18) und Florian Dick (15) aus Monschau gehören zum Organisationsteam der Fridays for Future-Ortsgruppe Monschau/Eifel und sind zurzeit intensiv mit den Vorbereitungen beschäftigt. Denn da gibt es eine Menge zu regeln und zu beachten, nicht zuletzt auch wegen der engen Straßen und Gassen in der Monschauer Altstadt.

75 Teilnehmer haben sie für die Demonstration angemeldet. „Wie viele am Freitag kommen werden, ist schwer einzuschätzen. Das ist ja auch unsere erste eigene Demo“, sagt Benjamin. Mit der Polizei haben sie mehrere Male Rücksprache gehalten. „Uns war nicht direkt bewusst, was man alles im Blick haben muss. Die Polizei war sehr nett und freundlich und hat uns bei allen Fragen weitergeholfen“, sagt er. „Wir werden da sein und die Veranstaltung begleiten. Wir gehen von einem friedlichen Verlauf aus und blicken sehr gelassen auf die Veranstaltung. In erster Linie sind wir dazu da, die Veranstaltung zu schützen“, sagt Petra Wienen, Sprecherin der Aachener Polizei.

Als die Fridays for Future-Bewegung im Frühjahr immer mehr Fahrt aufnahm, haben sich auch die Jugendlichen aus der Eifel Gedanken gemacht und überlegt, an den Demonstrationen in Aachen oder Köln teilzunehmen. „Da es hier relativ viele umwelt- und naturbewusste Leute gibt, sind wir dann auf die Idee gekommen, eine eigene Ortsgruppe zu gründen“, erklärt Benjamin .

Auch die Rückmeldungen anderer Jugendlicher hätten dafür gesprochen, ergänzt sein Bruder Florian. So fanden sich recht schnell rund zehn Personen zusammen, die am Ende der Osterferien die Ortsgruppe ins Leben riefen. „Hier auf dem Land kennt man sich ja. In der Schule waren die Demonstrationen natürlich auch Gesprächsthema, und so konnten wir weitere Mitstreiter gewinnen“, sagt Benjamin, der in diesem Jahr am St.-Michael-Gymnasium die Abiturprüfungen abgelegt hat.

In Aachen war es der Fridays for Future-Bewegung gelungen, Tausende Menschen zu mobilisieren: Die Demonstration in Monschau wird wohl einige Nummern kleiner ausfallen. Foto: Andreas Steindl

Das zentrale Thema der Demonstration in Monschau wird der Umgang mit Plastikmüll sein. „Das ist nämlich ein Thema, das auch für Monschau und die Eifel wichtig ist, etwa bei größeren Veranstaltungen und auch mit Blick auf den Tourismus“, erklärt Florian. „Wir wollen die Leute hier in der Eifel einbinden“, sagt Marie. Durch die räumliche Nähe würden vielleicht auch Hürden für die Teilnahme an einer Demonstration abgebaut, meint Benjamin. Wichtig ist ihnen dabei, den Menschen friedlich zu begegnen und konstruktiv zu sein, ins Gespräch zu kommen, zu informieren und aufzuklären. „Wir wollen niemanden vor den Kopf stoßen und auch das Festival auf der Burg nicht beeinträchtigen. Wir wollen keinen Streit“, unterstreicht Tim.

Durch viele positive Rückmeldungen, nicht nur von Schülern, fühlen sich die jungen Leute in ihrem Vorhaben bestärkt. Aber sie begegnen auch Vorurteilen und Kritik. Das erleben sie auch im privaten Umfeld in Diskussionen mit der Familie, mit Freunden und Bekannten. „Die Meinungen sind sehr gespalten. Manchmal werden wir auch mit anderen Gruppen in einen Topf geworfen, mit denen wir gar nichts zu tun haben und auch nichts zu tun haben wollen“, sagt Marie.

Ganz bewusst haben sie sich deshalb auch dafür entschieden, in den Ferien und nicht während der Schulzeit zu demonstrieren. Damit wollen sie zeigen, dass es ihnen nicht um eine willkommene Gelegenheit zum Schule schwänzen geht. „Wir wollen Komplikationen mit der Schule vermeiden und jedem die Gelegenheit geben, an der Demo teilzunehmen. Es geht uns nicht darum, die Schule zu schwänzen, sondern um das Thema“, betont Florian Dick.

Oft wird der Fridays for Future-Bewegung vorgeworfen, dass sie keine Lösungsansätze biete. Das wollen die jungen Menschen aus der Eifel aber nicht gelten lassen, gerade bei dem für die angekündigte Demo zentralen Thema Plastikmüll gebe es die durchaus. „Es besteht die Möglichkeit, Stoffbeutel statt Plastiktaschen zu verwenden, statt Plastikflaschen kann man auf Glas zurückgreifen oder Leitungswasser trinken, und bei Großveranstaltungen muss man auch nicht auf Einweggeschirr zurückgreifen“, sagt Florian und Marie betont: „Wir machen uns weiter Gedanken, wir wollen Lösungen bieten und die Menschen informieren.“ So sollen auf der Demonstration auch Sprecher zu Wort kommen, die über das Thema Plastikmüll und generell über die Fridays for Future-Bewegung berichten.

Nach dem Start am Rathaus wird die Demonstration über den Stehling zum Marktplatz ziehen, wo eine Kundgebung geplant ist. Von dort geht es dann an Richters Eck vorbei, über die Stadt- und Kirchstraße in Richtung Schlosskehr, wo sich die Demonstration auflösen wird.

„Wir würden uns freuen, wenn Kommunalpolitiker, Interessierte und Bürger dazustoßen, sich mit uns auszutauschen oder einfach nur mal vorbeischauen“, hat das Organisationsteam in den Sozialen Netzwerken in seiner Einladung zur Demo geschrieben, und Monschaus Bürgermeisterin hat schon zugesagt, zumindest am Anfang dabei zu sein. „Ich freue mich, dass auch unsere Jugend Interesse an der Fridays for Future-Bewegung zeigt und eine Demo organisiert. Wir wollen als Stadt Monschau die jungen Menschen hierbei gerne unterstützen. Gerne bin ich zu Beginn der Demo, die am Rathaus startet, dabei“, sagt sie.

Bei einer einmaligen Aktion soll es nicht bleiben. „Ob es wieder eine Demo sein wird, sehen wir nach der ersten Veranstaltung. Es gibt einige Projekte in der Region, an denen wir uns beteiligen wollen, zum Beispiel Aufräumaktionen in der Natur oder Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt“, erläutert Benjamin. Die Demonstration solle dabei helfen, auf die Gruppe und ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Wichtiger sei aber, an konkreten Projekten zu arbeiten und das auch zu zeigen. „Wir glauben, dass wir so gerade in dieser Region mehr Leute überzeugen können. In einer Großstadt ist das vielleicht noch eine andere Sache“, meint Benjamin.

Von Kritik und Unterstellungen wollen sie sich nicht unterkriegen lassen. „Es gibt immer jemand, der dagegen ist“, sagt Marie und Florian merkt an: Wenn man sich davon abhalten lassen würde, könnte man ja nichts erreichen. Auch wenn am Freitag vielleicht nicht so viele kommen, werden wir weitermachen. Jeder hat ja mal klein angefangen, das hat man ja auch bei anderen Demos gesehen.“