Ausstellung im KuK: Fotografien mit sozialpolitischen Aussagen

Ausstellung im KuK : Fotografien mit sozialpolitischen Aussagen

„Die meisten meiner Bilder sind anteilnehmend, sanft, persönlich und leise. Sie haben die Tendenz, dem Betrachter selbst das Sehen zu überlassen. Sie neigen nicht dazu, zu predigen. Und sie neigen nicht dazu, sich als Kunst auszugeben.“ Das sagt der amerikanische Fotograf in aller Bescheidenheit über sein Werk.

150 Arbeiten des „picture man“ sind noch bis zum 23. Juni im Kunst- und Kulturzentrum (Kuk) der Städteregion Aachen in Monschau zu sehen. Davidson gilt als Pionier der sozialdokumentarischen Fotografie in den USA. Die Retrospektive des 1933 in Chicago geborenen Fotografen wurde am Sonntag im inzwischen so bezeichneten „Fotografie-Forum“ in der Altstadt auf drei Etagen vor rund 60 Gästen eröffnet.

Die Ausstellung wird begleitet von gleich mehreren Premieren. Erstmals in Deutschland wird das Werk von Bruce Davidson in dieser Komplexität gezeigt, und erstmals eröffnete Dr. Tim Grüttemeier, seit vier Monaten als neuer Städteregionsrat im Amt, die Ausstellung, wobei ihm das KuK als „kleines Museum für große Kunst“ längst ein Begriff sei.

Die Tatsache allerdings, dass im zurückliegenden Jahr rund 30.000 Kunstinteressierte das KuK besuchten, versetzte Grüttemeier in ungläubiges Erstaunen. Diese Popularität sei allein das Verdienst von KuK-Leiterin Dr. Nina-Mika Helfmeier, zollte der Städteregionsrat dem Engagement der Ausstellungskuratorin höchstes Lob.

Dass nach Wien, Bilbao und Rotterdam die Bruce Davidson-Ausstellung nun als letzte Station in Europa ausgerechnet in Monschau zu sehen sei, unterstreiche ihre Beharrlichkeit und Akribie. Grüttemeier sah auch für 2019 vom Ausstellungsprogramm des KuK und den insgesamt vier Fotografie-Ausstellungen „wertvolle Impulse“ ausgehen.

Große internationale Ausstellung

Bei seinem Rundgang durch die Ausstellung betonte Tim Grüttemeier einmal mehr, dass es ihn tief beeindrucke, zu sehen, dass Monschau inzwischen in einer Reihe mit Schauplätzen großer internationaler Fotoausstellungen stehe. Die Arbeiten von Bruce Davidson hinterließen nicht minder Eindruck beim Betrachter, auch wegen ihrer tiefgründigen sozialpolitischen Aussage: „Das ist wahre Kunst“, sagte Grüttemeier, gerade in Anbetracht der erdrückenden schnell produzierten Bilderflut in der heutigen Zeit. Die Ausstellung ist auch ein Ergebnis der bewährten Zusammenarbeit zwischen dem KuK und der Agentur Magnum Photos Paris. Agentur-Direktorin Andrea Holzherr blickte auf die inzwischen siebte gemeinsame Ausstellung mit Monschau zurück und nutzte die Gelegenheit, ein Kurzporträt der 1947 gegründeten Fotoagentur zu zeichnen.

Für KuK-Leiterin Nina-Mika Helfmeier war die Vernissage der zweiten Foto-Ausstellung in diesem Jahr ein großer Moment, hatte sie doch zwei Jahre unermüdliche Vorbereitung investiert, damit Arbeiten ihres „Lieblingsfotografen“ Bruce Davidson auch einmal in Monschau zu sehen sind. In ihrer Einführung bezeichnete sie Davidson als großartigen Zeitzeugen der amerikanischen Alltagswirklichkeit.

Die Aufnahmen seien nie entlarvend oder denunzierend, sondern geprägt von „Neugier, Empathie und Respekt“. Nina-Mika Helfmeier zeichnete detailliert die Projektphasen des Fotografen nach, der bereits als Zehnjähriger erstmals eine Kamera in die Hand nahm.

Schon die ersten Arbeiten – es handelt sich um das einfühlsame Porträts eines alternden Ehepaares – hätten gezeigt, dass Bruce Davidson als einfühlsamer und achtsamer Fotograf den Menschen vor der Kamera begegnen würde. Seine Porträts über einen kleinwüchsigen Clown, die Dokumentation über die „Brooklyn Gang“ oder auch seine Bildreihen vom Kampf des schwarzen Amerikas um Gleichberechtigung gehören heute zu den Ikonen klassischer Reportagefotografie in den 1950er- und 1960er Jahren.

Auch sein Langzeitprojekt „East 100th Street“ hat Wirkung hinterlassen. Bruce Davidson gab dem berüchtigten Viertel in New York ein Gesicht und Würde – trotz des fortschreitenden Verfalls. Nina Mika-Helfmeier erinnerte daran, dass diese Reportage eine gesellschaftspolitische Diskussion ausgelöst habe, die zu nachhaltigen Veränderungen in diesem einst sozialen Brennpunkt geführt habe.

Abschließend sagte die KuK-Leiterin, dass sie sich schriftlich bei Bruce Davidson bedankt habe, dass die Retrospektive auch den Weg nach Monschau gefunden habe. Dann nahmen zahlreiche Besucher die Gelegenheit wahr, den Schwarz-Weiß-Arbeiten ihre Aufmerksamkeit zu widmen, sich vom Atem des Zeitgeistes und der großartigen Fotografie des Bruce Davidson inspirieren zu lassen.

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