„Eifel Musicale“ in Monschau: Pianist Alexei Melnikow begeistert

„Eifel Musicale“ mit Pianist Alexei Melnikow : Ein bewegender Abend auf den Spuren der Romantik

Zweimal stand ein bezeichnendes Stichwort über den Kompositionen des samstagabendlichen Konzerts von Alexei Melnikow bei der „Eifel Musicale“ im Monschauer Aukloster: „Appassionata“. Auf Deutsch: mit innerer Bewegung und Leidenschaft.

Man läge nicht allzu falsch, würde man dies sogar das geheime Hauptthema der Kunstrichtung der „Romantik“ nennen, und zwar in all ihren Sparten, insbesondere aber Musik und Literatur. Der recht gut besuchte Konzertabend am Samstag im Monschauer Aukloster bot einen Streifzug durch die musikalische Romantik.

Alexei Melnikow, der junge russische Pianist, der den Abend bestritt, zeigte sich von Beginn an als ein überaus kompetenter, dabei aber doch sehr sachlicher Fürsprecher seiner romantischen Kollegen. Es schien fast, als ob er die Heftigkeit der Gefühle und Empfindungen der Komponisten gleichsam nur als Katalysator weiter trüge und dem Publikum ohne eigene Deutung offerierte.

Aber genau so wurde es ein überzeugender und bewegender Abend. Er begann mit einem Werk Robert Schumanns, das auf den ersten Blick einen etwas geheimnisumwitterten Titel trägt: „Kreisleriana“. Hierbei liegt eine gewisse Misslichkeit darin, dass wohl die wenigsten der heutigen Zuhörer einen Begriff davon haben können, dass Schumann hier auf einen seiner Lieblingsdichter, nämlich E.T.A. Hoffmann, anspielt.

Dieser hatte in verschiedenen seiner Werke einen Kapellmeister Johannes Kreisler (als eine Art verborgenes Porträt seiner selbst) auftreten lassen, der in seinen Ansichten und in seinem Lebensschicksal Wesen und Aufgabe der Kunst und der Musik in der modernen Welt verkörpern sollte. In der Kunst und vor allem der Musik wird bei den Romantikern nämlich jene innere Gewissheit und Überzeugungskraft vermutet, die bei den sonstigen gesellschaftlichen und ideologischen Mächten (einschließlich der Kirche) schmerzlich vermisst wird.

Darum spiegelt sich auch gerade in diesem Werk Schumanns seine eigene künstlerische Befindlichkeit und seine konkrete Lebenssituation zwar auf verborgene Weise, aber doch überaus deutlich wider, was in der Darbietung Alexei Melnikows gut zum Ausdruck kam. Ähnlich war es beim zweiten Komponisten des Abends, Franz Liszt. Er hat einen seiner Klavierzyklen mit einem etwas vertrackten Titel versehen: „Études d‘éxecution transcendante“ – also etwa: Etüden mit erweiterter, den Rahmen sprengender Ausführung.

Liszt will damit sagen, dass mit hergebrachten Methoden im Bereich der Kunst und des Sinnes nichts mehr zu erreichen ist. Wörtlich sagt er einmal: „Das Schöne wird erst dann wirklich, wenn es sich von seinen Fesseln befreit.“ Die zehnte Etüde unter dem genannten Obertitel trägt denn auch tatsächlich den Zusatz, der diese Überwindung der „Fesseln“ anzeigt: „appassionata“, - mit Leidenschaft, mit existentiellem Engagement. Dieses Werk bildete in Alexei Melnikows Konzert den Schluss des ersten Teils und wurde dann im zweiten von der berühmten Beethoven-Sonate fortgesetzt, die auch ebendiesen Titel trägt: „Appassionata“.

Wenn besonders Schumanns Werk in seinen unterschiedlichen, in ihrer Charakteristik oft abrupt abwechselnden Sätzen von Melnikow sehr abgewogen und ausgeglichen dargeboten wurde, so stellte man im zweiten Teil eine etwas explosivere Vorgehensweise des Interpreten fest. Mit dem Beethoven-Werk ging er auffallenderweise, historisch gesehen, nach rückwärts, vielleicht in der Absicht, damit den Bezug zum letzten Komponisten des Abends, nämlich Sergej Rachmaninov, besser herstellen zu können.

Das Abbild einer komplexen Persönlichkeit findet man in Rachmaninovs Musik ebenso wieder wie in den früheren Romantikern. In der Klaviersonate des russischen Komponisten könnte man möglicherweise die melodische Süffigkeit der Themen seiner großen Klavierkonzerte vermissen. Aber hier geht es auch eher um die intime Charakteristik eines angefochtenen Seelenzustands, die in der Anlage der dreisätzigen, aber ohne Pause durchzuspielenden Sonate gut zum Ausdruck kommt. Alexei Melnikow konnte mit seiner Interpretation dieses Werks seines Landsmanns das Publikum so sehr überzeugen, dass der enthusiastische Beifall ihn zu nicht weniger als drei Zugaben veranlasste, die sämtlich aus der russischen Musik stammten.

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