„Eifel Musicale“ in Monschau: Bratsche und Klavier zum Abschluss

„Eifel Musicale“ : Bratsche und Klavier zum Abschluss des Kraftakts

Im Nachhinein erwies sich die „Eifel Musicale“, das erste Kammermusikfestival in der Nordeifel, doch als rechter Kraftakt. Aus dem Resümee des Organisators Florian Koltun konnte man nach dem letzten Konzert am Sonntag im Aukloster heraushören, dass es schon einer besonderen Anstrengung bedurft hatte, diese Novität im Monschauer Land (und darüber hinaus) ins Werk zu setzen.

Und den überaus anerkennenden und aufmunternden Worten der Monschauer Bürgermeisterin Margareta Ritter war zu entnehmen, dass die Folge der nahezu dreißig Konzerte im letzten Vierteljahr auch für die Zuhörer und Konzertbesucher in der Region doch ab und zu eine terminliche Herausforderung bedeutete.

Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das konnte man an der positiven Resonanz der letzten Veranstaltung am Sonntag ablesen. Selbst wenn der überraschende Hochsommertag Anfang Juni den einen oder anderen potenziellen Konzertbesucher doch zu anderen Aktivitäten verleitet haben mochte, so sprach der musikalische Spätnachmittag mit dem Bratschisten Mikhail Zemtsov und dem Pianisten Alfredo Oyáguez Montero die immer noch recht zahlreichen Zuhörer sehr an. Dabei bewegte sich das Programm durchaus in der geistigen Spur des gesamten Festivals, insofern die musikalische Romantik im Großen und Ganzen der Leitfaden war, an dem sich die bunte Folge der Konzerte entlang bewegt hatte.

Insbesondere war es auch an diesem Nachmittag wieder Robert Schumann, der prominent zum Zuge kam. Vor allem durch das einzige Werk des Programms, das auch im Original für die anwesende Besetzung geschrieben wurde: für Viola und Klavier. Die Viola (oder Bratsche) hat in der Musikgeschichte lange Zeit nur als Begleitinstrument fungiert und steht auch heute noch in der Wahrnehmung der Musikfreunde doch etwas hinter anderen Soloinstrumenten wie Violine oder Cello zurück. So ist auch nicht sehr viel an Original-Sololiteratur für Bratsche vorhanden. Die Bratschisten behelfen sich daher oft damit, andere Werke zu nehmen, die für ihr Instrument bearbeitet wurden oder aber solche Bearbeitungen einfach selber herzustellen.

Robert Schumanns „Märchenbilder“, die der Komponist im Jahre 1851 original für die Viola geschrieben hatte, berufen in mehrfacher Weise die „Romantik“. Unmittelbar natürlich durch das Thema „Märchen“, das aber in der Sicht der Romantiker keineswegs die idyllische und harmlose Bedeutung hatte, wie dies heute weithin spontan vermutet wird. Dass damit sehr viele hintergründige und problematische Bezüge verborgen sind, konnte die überaus lebhafte und leidenschaftliche Interpretation von Mikhail Zemtsov ebenso verdeutlichen wie die temperamentvolle Klavierbegleitung von Alfredo Oyáguez Montero. Letzteren hatten die Monschauer Musikfreunde schon bei einem Konzert vor zwei Jahren erlebt und waren für die Wiederbegegnung sehr dankbar.

Die anderen Werke des Programms waren, wie erwähnt, Bearbeitungen, darunter auch der zweite Beitrag von Schumann, Adagio und Allegro op. 70, der vom gleichen Geist geprägt war wie das Originalwerk. Die weiteren dargebotenen Werke betraten teilweise das Gebiet der neueren Musik. Neben der kleinen Auswahl der „Préludes“ von Dimitrij Schostakowitsch, die zu Beginn des Konzerts zu hören war, beeindruckte vor allem das Schlussstück, der „Grand Tango“ von Astor Piazzolla in der eigenen Bearbeitung von Mikhail Zemtsov.

Dazwischen aber gab es, als das zweite „romantische“ Hauptwerk des Programms, die berühmte „Arpeggione-Sonate“ von Franz Schubert, die ursprünglich für ein heute vergessenes Instrument namens „Arpeggione“ geschrieben wurde, heute aber den Namen dieses Instruments in den unterschiedlichsten Bearbeitungen weiter trägt. Die Darbietung der beiden Künstler war ohne Fehl und Tadel.

Als Zugabe nach den wahren Beifallsstürmen nach dem Piazzolla-Tango brachte Mikhail Zemtsov ein nachdenkliches Werk seines Vaters Jewgenij zu Gehör, das dieser für seine Frau – ebenfalls Bratscherin – geschrieben hatte. Mit einigen verheißungsvollen Ausblicken auf die geplanten Konzerte der „Montjoie Musicale“ im Herbst ging dann ein musikalisch ereignisreicher Frühling in Monschau zu Ende.

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