Die Erstauflage von „Monschau jazzt!“ erweist sich als geglücktes Experiment

Neue Konzertreihe : Einmal quer durch die Stadt gejazzt

Typische Geräusche in der Altstadt Monschau sind das Rauschen der Rur, das Bimmeln der Stadtbahn und das Sprachengewirr der Gäste aus dem benachbarten Ausland. Am vergangenen Samstag aber kam noch ein weiteres, und aus früheren Zeiten eigentlich auch vertrautes Geräusch, hinzu: Aus verschiedenen Lokalitäten drang Jazz-Musik in die Gassen - von mittags bis Mitternacht.

„Monschau jazzt!“ lautet das Motto des prall gefüllten musikalischen Tages. Das dichte Programm mit zehn Gruppen an neun Orten sollte ein Versuch sein, das kulturelle Angebot in Monschau weiter zu verfeinern. Die Erstauflage dieses musikalischen Experimentes darf als geglücktes Unterfangen bezeichnet werden; im Laufe des Tages kamen immer mehr Besucher zu den musikalischen Hot-Spots.

Der Monschauer Konzertveranstalter und Initiator Florian Koltun, der in der Vergangenheit bereits musikalische Maßstäbe mit der Klassik-Reihe „Montjoie musicale“ gesetzt hat, brachte nun seine spartenübergreifenden Kontakte ins Spiel und gewann hochkarätige Jazz-Interpreten aus der Region für ein Gastspiel in Monschau. Dank vieler Sponsoren konnte das hochwertige Programm finanziert werden. „Unser Ziel ist es, die Monschauer Jazz-Szene wiederzubeleben“, erläutert Koltun. Als Vorbild dienten ihm dabei die Monschauer Jazz-Tage (2001-2007). Wichtig sei es aber zunächst einmal zu starten und neue musikalische Akzente in der Altstadt zu setzen. Eine Fortsetzung der Reihe sei geplant, sagte Koltun, der am Samstag rund 600 Besucher bei den zehn Konzerten zählte.

Das Duo Andrej Lakisov (Saxofon) und Ulugbek Palvanov (Klavier) begeisterte die Besucher in der Galerie MonART zum Auftakt der Reihe „Monschau jazzt!“. Foto: Peter Stollenwerk

Schlag auf Schlag wurde quer durch die Stadt gejazzt. Auftakt war bereits um die Mittagszeit in der Galerie MonART, wo das Duo Andrej Lakisov (Saxofon) und Ulugbek Palvanov (Klavier) den rund 30 Besuchern einen Vorgeschmack auf das zu erwartende Programm lieferte. Gleich nach dem ersten Stück mit dem Titel „Beat me“ war das Publikum restlos hingerissen. Die beiden Musiker kombinierten Spielwitz, Spielfreude, Originalität und Virtuosität zu einem mitreißenden Klangerlebnis. Auch Andrej Lakisov gefiel das musikalische Konzept: „Monschau ist so ein herrlicher Ort, der Musik atmen könnte. Ich staune, dass es hier noch keine Jazzszene gibt“, sagte der Saxofonist. An geeigneten Orten herrsche bestimmt kein Mangel. Das sieht auch Galerist Guido Braun nicht anders: „Mit diesem hervorragenden Konzept und hervorragenden Künstlern könnte die Reihe ein Erfolg auf Dauer werden.“

Weiter ging die musikalische Reise dann im Cafe Hüftgold, wo das aus Aachen stammende Quartett Klangfahrer Modern- und Fusion- Jazz für Kenner präsentierte. Jazz sei sicherlich keine massentaugliche Musik, „aber es ist zu wünschen, dass sich das Konzept in Monschau durchsetzen wird, sagt Gerd Breuer, Schlagzeuger des Ensembles. Das Lokal ist bis auf den letzten Platz gefüllt, und auch Inhaber Jörg Walentowski freut sich über die gelungene Premiere. „Für mich war von Anfang an klar, dass ich diese tolle Idee unterstützen würde“, sagt der Wirt, der hinzufügt, „dass solche Veranstaltungen in Monschau dringend gebraucht werden.“

Auch das junge Publikum kam bei „Monschau jazzt!“ auf seine Kosten. Im Klostersaal der Sparkasse boten die Musikpädagoginnen Lisa Klingenburg und Lisa Mersmann eine romantische Reise durch die Welt der Klänge an.

Hilfreich für die Besucher war auch ein informativ gestalteter Flyer als Wegweiser zu den Spielorten, denn für den Spontanbesucher in der Altstadt erschloss sich nicht auf den ersten Blick, dass Monschau an diesem Tag jazzt. Die mit Informationen überfrachteten Werbeaufsteller der „Eifel musicale“ vor den Lokalitäten erschlossen sich dem Besucher nicht unbedingt als Einladung, einfache Tafeln mit der Aufschrift „Heute Live-Jazz, Eintritt frei!“ hätten ihre Wirkung bestimmt nicht verfehlt.

Dicht gedrängt saßen die Musikfreunde auch im Restaurant Horchem, wo das Duo Sabine Kühlich und Laia Genc auf einzigartige Weise ihre persönliche Interpretation von Stücken des großartigen Jazzmusikers Dave Brubeck darbrachten. Im Restaurant Entre Nous begeisterte das Duo Nordhausen (Gitarre) und Stefan Michalke (Klavier) in ungewöhnlicher Besetzung, während sich später das Quartett Blue SwingSteam Perlen des Swings widmete und die Besucher mitriss. Das Sara Decker Trio zog im Lütticher Hof mit gut hörbarem Jazz die Gäste an, während es am Abend in der vollbesetzten evangelischen Stadtkirche ein wenig nostalgisch wurde, wo die Shabby Chics die Musik der 50er Jahre aufleben ließen.

Einige der Musiker, die an diesem Tag aktiv waren, fanden sich dann noch zu später Stunde im rappelvollen Braukeller ein, um mit einer Montjoie Jam Session den gelungenen Start von „Monschau jazzt!“ ausklingen zu lassen.

Auch wenn das Marketing noch ein wenig ausbaufähig sei, zog Florian Koltun am Ende eine positive Bilanz der Premiere. Im Laufe des Tages seien immer mehr Gäste zu den Spielorten gekommen; teilweise habe man sogar Besucher wegschicken müssen. Bei der nächstjährigen Veranstaltungen wolle man versuchen, die Gastronomie noch stärker einzubinden. „Es hat Spaß gemacht. Monschau und Jazz passen einfach zusammen“, ist Koltun von der Nachhaltigkeit des Konzeptes „Monschau jazzt!“ überzeugt.

(P. St.)