Das Café International in Monschau feiert Jubiläum in Imgenbroich

25 Jahre Café International : Damit der Flüchtling einen Namen kriegt

Wer Montagnachmittags ins Pfarrheim Imgenbroich kommt, wird von purer Internationalität empfangen, denn hier öffnet regelmäßig einmal in der Woche das Café International.

Kinder aus Afrika wuseln jauchzend mit Bällen um ein paar Erwachsene, die sich sitzend an den Tischen im großen Saal im Erdgeschoss unterhalten. In dem Raum haben die Kinder Platz zum Toben und Spielen und werden in der Zeit von Ehrenamtlern betreut, während ihre Eltern zum Arzt müssen, im Deutschkurs lernen oder im ersten Stock bei den Mitarbeitern Hilfe mit Behördenanträgen bekommen.

Geht man die Treppe hoch, werden die hohen Kinderrufe abgelöst von tieferen Stimmen der Erwachsenen. Im großen Raum im ersten Stock tummeln sich vor allem die Älteren und unterhalten sich am großen Tisch, auf dem ein Samowar für Tee bereitsteht. In der Ecke spielen Jugendliche Billard. Verschiedene Sprachen erfüllen den Raum, manche Frauen tragen Kopftuch oder eine Art Mantel bis zur Taille, andere haben bunte Gewänder an. Das Café International ist farbenfroh und strotzt vor Leben.

Seit 25 Jahren gibt es die Einrichtung schon, am Montag, 1. Juli, wird das Jubiläum gefeiert. Das Ziel ist es von Anfang an, Flüchtlingen in ihrer neuen Lebensumgebung zu helfen und eine Stütze bei den vielen Hürden zu sein, die auf sie zukommen. Inge Theissen war von Anfang an dabei, sogar noch, bevor es das Café gab. Damals kümmerte sich noch der Monschauer Arbeitskreis für Asylbewerber um die Flüchtlinge, die während der Kriege auf dem Gebiet des damaligen Jugoslawien in die Eifel kamen. „Damals haben wir uns teilweise noch bei mir im Wohnzimmer getroffen“, sagt Theissen und erinnert sich. „Das war immer sehr nett, aber ging auch immer sehr lange bis in den Abend.“ Die Idee war, den Treffpunkt für Flüchtlinge weg vom privaten in den öffentlichen Raum zu holen.

Seit 1994 kommen geflüchtete Menschen nun immer Montagsnachmittags im Pfarrheim zusammen, damals noch im alten Pfarrheim, heute im neueren Gebäude an der Schulstraße 6.

Schon von Anfang an war das Café International mehr als nur ein Zusammenkommen bei Kaffee und Tee. „Wir hatten damals im Keller schon eine Kleiderkammer und wir waren die ersten, die kostenlose Deutschkurse in Kooperation mit der VHS angeboten haben“, sagt Theissen.

Die Probleme der Menschen, die aus fernen Ländern in die Eifel kommen, seien von Beginn an gleich, sagt Bruna Battistella-Allgaier vom Café International. „Die Menschen suchen einen Platz in der Gesellschaft, finden aufgrund ihrer Hautfarbe und Herkunft nur schwer eine Wohnung. Sie müssen erst die Sprache lernen und auch die kulturellen Unterschiede verstehen.“ Anträge auszufüllen sei ebenfalls eine der größten Herausforderungen für die Geflüchteten, bei denen die vielen Ehrenamtler helfen können. „Aber wir können auch nicht alle Probleme lösen“, sagt Battistella-Allgaier. „Viele hoffen, schnell einen Arbeitsplatz zu finden, um unabhängig leben zu können. Aber das geht häufig aufgrund des Bildungsgrades nicht.“

Die Ehrenamtlerin bemerkt aber einen Unterschied zu den Flüchtlingen, die bereits vor 25 Jahren ankamen. „Früher sind die Menschen beispielsweise aus dem Kosovo hierher gekommen und hatten ein Bild von Deutschland und wussten ungefähr, was sie erwartet“, sagt sie. „Heute kommen viele aus Afrika, die nur wissen, dass es in Deutschland keinen Krieg gibt.“

Seit rund zwei Jahren ist das Café als gemeinnütziger Verein organisiert, der die Aktivitäten trägt und auch Spenden entsprechend verwaltet, auf die der Verein angewiesen ist. Gerade in der Anfangszeit sei es schwieriger gewesen, Aufmerksamkeit zu bekommen, erinnert sich Battistella-Allgaier. „Als wir 2003 als Botschafter der Toleranz mit dem Bündnispreis für Engagement und Zivilcourage unter anderem vom damaligen Innenminister Otto Schily ausgezeichnet wurden, gab es viele Menschen, die an unserer Arbeit Interesse gezeigt haben. Seitdem geht es bergauf.“ Weitere Urkunden von der Stadt, der Kirche oder privaten Einrichtungen hängen an der Wand, wie eine Erinnerung, wofür das Café steht: Toleranz, Engagement und Zusammenhalt.

„Die Geflüchteten vertrauen uns“, sagt Theissen. „Es ist schön zu sehen, wie wir helfen können, daher mach ich das hier. Viele berichten davon, dass wir die Ersten sind, die sie freundlich und mit einem Lächeln begrüßen. Häufig werden viele nämlich einfach nicht gesehen.“ Es gehe darum, Berührungsängste abzubauen, den anderen verstehen zu lernen. „Wir müssen miteinander in Kontakt kommen, dazu ist auch das Café International da. Wenn der Flüchtling einen Namen hat, kann sich viel ändern und das Fremde wird zum Bekannten“, sagt Battistella-Allgaier.

Am Montag soll der Geburtstag, der eigentlich einen Monat früher war, und das 25-jährige Engagement gefeiert werden. Aufgrund des Ramadans wird nun erst am 1. Juli gefeiert. Ab 14 Uhr sind alle, die gerne mitfeiern möchten, auf den Imgenbroicher Sportplatz eingeladen. Es wird Spiele und Tänze geben und das Miteinander – bei Essen und Trinken – steht im Vordergrund, sowie es die vergangenen 25 Jahre war und auch mindestens die nächsten 25 bleiben soll.

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