„Danse en Ville“ mit acht Kompagnien aus sieben Ländern

Tanzfestival findet zum 15. Mal statt : „Danse en Ville“ mit acht Kompagnien aus sieben Ländern

Dass innerhalb von Minuten Menschen aus dem nahegelegenen Altstadtkern Monschaus zum Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion (KuK) strömen, um begeistert die Quelle von Musik und Applaus auszukundschaften, ist eine Erfahrung aus dem Vorjahr.

Auch da ist der offizielle Startschuss für das euregionale Festival „Tanzende Stadt – Danse en Ville“ im und am KuK gefallen. Mit ganz neuem Programm, aber gleicher Intention wiederholt das Spektakel sich diesen August.

Wieder fordert die deutsch-belgische Compagnie Irene K. als Gastgeber und Veranstalter mit Tänzerinnen und Tänzern aus Armenien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Portugal und Singapur die Menschen in der ganzen Euregio und als Erstes in Monschau dazu auf, ihren Blick für ihre Umgebung und darstellende Kunst zu ändern. Sie ist nicht elitär, sondern mittendrin: Das ist Botschaft des Festivals, das zum 15. Mal stattfindet und gleich zwei Mal Station in der Städteregion Aachen macht.

Am Samstag, 24. August, eröffnet ab 15 Uhr das Festival im KuK. Traditionell ist mindestens eine Performance unmittelbar in die Ausstellungsräumlichkeiten des KuK an der Austraße 9 in Monschau integriert, aber auch der Vorplatz und die direkte Umgebung des Hauses an der Rur werden bespielt. Gerade an den Wochenenden zieht es zahlreiche Ausflügler aus aller Welt in den Eifel-Ort, und der Marktplatz ist nur zwei gemütliche Gehminuten vom KuK entfernt, so dass kaum verwunderlich ist, wie schnell sich die Besucher am und im KuK drängen, um die Tanzenden zu sehen – bei freiem Eintritt.

Gleiches gilt für das KuK selbst, das zu dem Zeitpunkt gleich Ausstellungen zeigt: „Howard Greenberg Gallery: From Archive to History“ zeigt auf Parterre und der ersten Etage knapp 120 Arbeiten von 60 Fotografinnen und Fotografen und zeichnet damit die Chronik der Fotografie im 20. Jahrhundert nach. Im sogenannten Kabinett auf der zweiten Etage ist derweil die Wanderausstellung „Europa in Bildern erzählt“ zu Gast, die mit mehr als 50 Fotografien aus dem Archiv von Magnum Photos die Entwicklung Europas als Friedensbündnis von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart illustriert. Die Atmosphäre im KuK verträgt sich bestens mit den Performances der „Tanzenden Stadt“.

Im und rund ums Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen treten diesmal neben den der einladenden Compagnie Irene K. (Deutschland/Belgien) Rima Pipoyan (Armenien) und Les Vikings (Belgien) auf. Die 1988 in Jerewan geborene Rima Pipoyan, die bei „Olympiaden für armenischen Tanz“ bereits mehrfach Gold- und Silbermedaillen gewann, setzt sich in zwei Performances namens „Woman before decision making“ und „Self-portrait“ tänzerisch mit dem Frau-Sein, der weiblichen Emotionalität und Selbstbildern auseinander. Les Vikings sind Sara Olmo und Victor Launay, die seit Gründung ihrer Kompagnie im Jahr 2014 mehrere literarische Werke unter anderem von Federico Garcia Lorca und Ernest Hemingway als Inspiration für raumadaptive Tanzchoreografien nutzten. Nach Monschau kommen sie mit „L’Aveuglement“, was so viel wie „Blindheit“ bedeutet. Es ist im Französischen auch der Titel eines Romans von José Saramago, der im Deutschen 1995 als „Stadt der Blinden“ erschien.

An diesen angelehnt ist die Duo-Performance, in der es um einen Mann geht, der nicht sehen kann, dem eine Frau, die sehen kann, aber ihre Augen leiht – oder ihn mit ihrer Sicht manipuliert. Der Tanz macht die Dynamik sichtbar, die zwischen beiden entsteht. Schließlich gibt sich in Monschau auch die Compagnie Irene K. selbst die Ehre. Insgesamt sechs Tänzerinnen und Tänzer lassen drei Performances entstehen mit den Titeln „Empreintes“ („Fußspuren“), „Mains d’Or“ („Hände aus Gold“) und „A donde?“ („Wohin?“). „Hauptziel unseres 2005 gegründeten Festivals ist, den Tanz – insbesondere den zeitgenössischen – einem breiten Publikum in der Region zugänglich zu machen“, erklärt die künstlerische Leiterin Irène Borguet-Kalbusch stellvertretend für ihr ganzes Team. „Wir wollen mit der Tradition brechen, Tanz im Theater aufzuführen und verlagern die Bühne auf die Straße. Anders als üblich, geht der Tänzer hier auf das Publikum zu.“

So entsteht eine besondere Atmosphäre, in der das Publikum mit gutem Grund das Gefühl hat, Teil der Performance zu sein. Was oftmals auch so ist, kann doch jeder zum Impulsgeber werden, und über Blicke und Nahezu-Berührungen entsteht ohnehin eine Verbindung. Dieses Konzept unterstützt das KuK von Anfang an, weswegen die Tour in den meisten Fällen auch dort startet. Wobei von klassischer Tour nicht die Rede sein kann: Jedes Programm ist auf den jeweiligen Ort abgestimmt, jede Aufführung ist anders. Was nicht allein daran liegt, dass die insgesamt acht Kompagnien sich immer wieder neu abwechseln und ergänzen.

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