Ausstellung: Dorfidylle auf alten Bildpostkarten in Monschau

Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte : Dorfidylle auf alten Bildpostkarten in Monschau

Als Franz Wilhelm Hermanns im Jahr 1980 damit begann, alte Bildpostkarten des Monschauer Landes zu sammeln, entdeckte er bei einer Sammlerbörse im Festsaal Gürzenich in Köln eine Farb-Lithografie mit einem Motiv aus Mützenich.

Der Preis von 40 D-Mark für die damals rund 80 Jahre alte Karte erschien ihm recht hoch, so dass er nicht zugriff. Heute bedauert er diese Entscheidung, auch weil diese Karte danach auf dem Sammlermarkt nirgendwo mehr auftauchte. Dafür besitzt Hermanns aber inzwischen viele tausend andere Postkarten mit Darstellungen von Ortschaften des Monschauer Landes, darunter zahlreiche seltene Exemplare.

Seine Privatsammlung bildet auch den wesentlichen Bestandteil einer Ausstellung des Geschichtsverein des Monschauer Landes und des Stadtarchivs Monschau, die noch bis zum 13. Oktober 2019 in den Räumen des Hauses der Stadtgeschichte am Monschauer Holzmarkt zu sehen ist. Zum Ausstellungs-Team gehören weiterhin Dr. Toni Offermann und Hans Gerd Lauscher vom Geschichtsverein sowie Dr. Bernd Läufer vom Stadtarchiv.

Die Ausstellung unter dem Titel „Das Monschauer Land auf alten Bildpostkarten – 130 Jahre Ansichtskarten im Landkreis Monschau“ präsentiert rund 300 Ansichtskarten und Darstellungen des Monschauer Landes. Fast alle Karten sind auf dem Postweg gelaufen. Aus nicht weniger als 35 Dörfern und Weilern des ehemaligen Landkreises Monschau finden sich hier Ansichten von circa 1889 bis in die 1950er Jahre. Jedes Eifeldorf, von Alzen bis Zweifall, verfügte erstaunlicherweise über eigene Postkarten.

Eine von vielen Raritäten in der Ausstellung: Ein rund 120 Jahre alter, reichhaltig illustrierter „Gruß aus Steckenborn“ als Lithografie. Foto: Peter Stollenwerk

Die Reproduktionen der Originale im A-4-Format bringen die Motive dem Betrachter noch ein Stück näher, als sie auf den oft kleinteilig gestalteten Karten zu sehen sind. 20 Originale alter Lithografien (Steindrucke) sowie kompakte Sammlungen zu Themen wie Gaststätten, Bahnhöfe, Kirchen, Krankenhäuser, Mühlen, Fabriken und Molkereien, Kuriosa etc. vervollständigen die Ausstellung, die den Besucher mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit nimmt. Die teilweise weit über 100 Jahre alten Fotografien geben im Vergleich zur Gegenwart ein heute oft kaum noch erkennbares Bild vieler Ortschaften wieder, zumal die in vielen Motiven dargestellte Idylle dem marktgeschulten Blick des Fotografen entsprach und daher die Aufnahmen auch nicht den Anspruch erheben können, eine Abbild der damaligen Lebenswirklichkeit darzustellen sondern die ländliche Idylle in den Blickpunkt rücken.

Bei der Ausstellungseröffnung am frühen Freitagabend lobte Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter (an diesem Tag übrigens exakt zehn Jahre im Amt), die „mit sehr viel Liebe zum Detail“ konzipierte Ausstellung, womit der Geschichtsverein einmal mehr seine Rolle als wichtiger Beobachter der lokalen Geschichte unterstreiche. Gabriele Harzheim, die Vorsitzende des Geschichtsvereins, ging vor allem auf den Aspekt ein, dass die heute vor dem Verschwinden stehenden Postkarten in der Geschichtsforschung als oft wichtige Bildquellen dienen können, wie auch die darauf notierten schriftlichen Nachrichten in manchen Fällen weit mehr als persönliche Dokumente seien, sondern ebenfalls Quellen der Zeitgeschichte darstellten.

Sammler Franz Wilhelm Hermanns, Ehrenmitglied des Geschichtsvereins des Monschauer Landes, hatte herausgefunden, dass nachweislich vor 130 Jahren in Monschau die erste Bildpostkarte in Druck ging, wie einer Zeitungsanzeige zu entnehmen war. Gegenstände und Anzeigen, die inhaltlichen Themen und einzelnen Postkarten zugeordnet, sind zudem in der Ausstellung zu finden. Anfangs, erläuterte Hermann, seien nur Lithografien im Umlauf gewesen, ehe später Fotomotive die Überhand gewonnen hätten und eine regelrechte Bilderflut auslösten. Angesichts der Fülle an Material kann sich die Präsentation daher auch nur auf eine exemplarische Auswahl beschränken.

Um die ganze Ausstellung in ihrer Komplexität und Aussagekraft zu erfassen, müsste man sich eigentlich jede Karte detailliert betrachten, denn die Ausstellung bietet immer wieder Überraschendes, wie zum Beispiel die Vitrine mit Ansichten verschwundener Ortschaften wie Kallbrück, Reinartzhof, Jägersweiler, Wahlerscheid oder der legendären Fischerhütte, ein Ausflugslokal an der Rur oberhalb von Dreistegen.

Vor über 100 Jahren als Postkartenmotiv aufgelegt: Die Gaststätte „Zur Post“ (Rosarius) in Kesternich. Foto: Peter Stollenwerk

Auch mit Retuschen arbeiteten die Fotografen bereits vor mehr als 100 Jahren. Da wehen auf einer motivgleichen Postkarte je nach politischer Gesamtlage gleich drei unterschiedliche Fahnen – da hing der Fotograf im wahrsten Sinne des Wortes sein Fähnchen nach dem Wind. Von einem Ausflug an die Höfener Mühle schickte der Kirchenchor Monschau eine Postkarte an seinen erkrankten Dirigenten mit den Unterschriften aller Sänger.

Franz Wilhelm Hermanns ist nach wie vor leidenschaftlicher Sammler. Das älteste Stück aus seiner Sammlung ist aus dem Jahr 1891. Noch immer stöbert er auf Flohmärkten nach seltenen Ansichten des Monschauer Landes oder arbeitet sich durch Internetportale. Postkarten aus Monschau sind in Sammlerkreisen heiß begehrt, aber nicht alle Verkäufer wissen beispielsweise, dass Monschau bis zum Jahr 1918 noch Montjoie hieß. Mit diesem Wissensvorsprung lässt sich dann schon mal ein Schnäppchen machen.