Höfen: Mit Herz und Seele ist der singende Hirte dabei

Höfen: Mit Herz und Seele ist der singende Hirte dabei

Es ist noch stockdunkel im Golddorf Höfen. An einem Wintertag im Dezember sieht man hier um fünf Uhr morgens keinen Menschen auf der Straße. In diesen Tagen gibt es allerdings eine Ausnahme. Eine im Ort wohl bekannte Gestalt mit langem Bart und wehendem Haar strebt mit gezielten Schritt der Pfarrkirche St. Michael zu.

Dann geht im Gotteshaus das Licht an, und Reiner Jakobs steht mittendrin in einer großen Baustelle rund um den Alter.

Es ist wieder Krippenzeit in der Höfener Kirche, und ab Samstag, 5. Dezember, möchte der singende Hirte pünktlich um 10 Uhr in seiner kleinen Höhle Platz nehmen und wieder mit einem Krippenspiel der ganz besonderen Art starten, das bereits zehntausende Menschen von nah und fern fasziniert hat.

Zum 15. Mal in Folge baut Reiner Jakobs mit einem fünfköpfigen Helferteam wieder seine Landschaftskrippe auf, die an den kommenden 58 Tagen erneut das Ziel zahlreicher Besucher und Bewunderer sein wird.

Täglich, egal ob Heiligabend oder Silvester, bezieht der singende Hirte dann in der Krippe Position, und begleitet von Gitarre Pan-Flöte oder Mundharmonika, singt er hier ohne Unterlass Weihnachtslieder und Volksweisen - selbstverständlich alles Live.

Exakt 464 Stunden wird Reiner Jakobs während der Weihnachtszeit in seiner umwerfenden Landschaftskrippe verbringen.

Für das Guiness-Buch der Rekorde hat er sich bisher nicht beworben, aber die Ausdehnung seiner Landschaftskrippe über 25 Meter Breite und bis zu acht Meter Höhe wie auch seine Ausdauer haben ohne Zweifel rekordverdächtige Ausmaße angenommen.

Das 68-jährige Multitalent Reiner Jakobs lässt nicht nach in seinem Engagement, die perfekte Landschaftskrippe in den Chorraum der Höfener Pfarrkirche zu bauen. Rund 10 Tage dauert der Aufbau, doch Reiner Jakobs zählt nicht gerne die Arbeitszeit: „Mir kommt es auf eine Stunde nicht an”, lacht er. Bald ist die Krippe fertig, und sein Erbauer weiß von Beginn an ganz genau wo jedes Detail seinen Platz haben wird.

„Dafür brauche ich keine Zeichnung.” Zufrieden schaut Reiner Jakobs auf das bald fertige Werk: „In diesem Jahr ist Krippe etwas grüner geworden”, weist er auf die kleinen Unterschiede hin. Eine Reihe prächtiger Edeltannen sorgt dafür; sie wurden von Privatleuten aus Höfen und Rohren für die Landschaftskrippe reserviert.

Dabei sucht Reiner Jakobs das ganz Jahr über geeignetes Baumaterial für seine Krippe; ganz zum Schluss wird das Moos gesammelt. Schon am vergangenen Sonntag warfen die ersten Neugierigen einen Blick in die Kirche. Eine größere Reisegruppe aus Köln, die mit fünf Bussen in der Eifel unterwegs war, bestaunte die Krippen-Baustelle, und Reiner Jakobs stimmte spontan ein Lied an.

Auch in dieser Weihnachtszeit dürften es rund 10.000 Besucher sein, die die gigantische Landschaftskrippe sehen wollen, die vielmehr ist als der Stall zu Bethlehem. Die Landschaftskrippe zeichnet praktisch ein komplettes Bild der Eifel, angefangen von heimischen Baumarten und Tieren bis zu einer originalgetreu nachgebauten Zimmermanns-Werkstatt. Rund 250 Tiere, vom Marder bis zum Falken, finden als Präparate Platz in der Krippe. In den Blick fallen auch die rund 50 von Reiner Jakobs selbstgebauten Schafe, die er stets in einem großen Anhänger von seinem Privathaus zur Krippe transportiert. „Das ist immer ein ganz besonderer Moment, wenn ich mit den Schafen durchs Dorf fahre,” schmunzelt er.

Warum nun dieser riesige Aufwand, der den Krippenbauer fast das ganze Jahr über beschäftigt? Reiner Jakobs ist im Einsatz für den Förderverein „Hilfe für krebskranke Kinder” beim Klinikum der RWTH Aachen. Die Besucher können freiwillig eine Geldspende geben, und kaum einer lässt sich zweimal bitten.

So kamen allein im vergangenen Jahr über 30.000 Euro zusammen. Rechnet man die Jahre zusammen, so sind es schon mehrere hunderttausend Euro, mit denen wertvolle Hilfe und Unterstützung für erkrankte Kinder und deren Familien geleistet wurde. Das ist für Reiner Jakobs eine Herzensangelegenheit.

Er übt sich dennoch lieber in Bescheidenheit, und möchte eigentlich kein großes Aufheben um seine Person. Den Komplimenten aber kann er sich nicht ganz entziehen. Auf hunderten Seiten im ausliegenden Gästebuch fassen Besucher ihre Eindrücke zusammen, und nicht selten steht hier lesen: „Das ist die schönste Krippe, die ich gesehen habe.”