Fast die Hälfte geschafft: Mit dem Rad von Monschau nach Singapur

Fast die Hälfte geschafft : Mit dem Rad von Monschau nach Singapur

Als sie im Februar mit ihren Fahrrädern vom Monschauer Marktplatz aus in Richtung Singapur starteten, wussten Marcel Muß (34) aus Imgenbroich und Christina Wilden (23) aus Schmidt nicht, was sie erwartet. Inzwischen liegen rund 7000 Kilometer hinter ihnen, und sie sind um viele Erfahrungen reicher.

Über München, Innsbruck, Venedig, Kroatien, Montenegro, Albanien, Mazedonien, Griechenland, Türkei, Georgien und Aserbaidschan führte ihr Weg bis in den Iran. Auf ihrer Reise haben sie viele Menschen getroffen und wertvolle Gespräche geführt. „Das führt zu einem anderen Blick auf die Welt. Vieles relativiert sich, und man lernt die Dinge, die man hat, wieder mehr zu schätzen. Die Reise hat unseren Blick auf die Welt verändert und wird es weiterhin tun“, sagt Muß.

Die Hälfte ihrer Tour haben sie noch nicht ganz geschafft, die prägenden Erlebnisse in Deutschland, Österreich, Italien, Kroatien, Montenegro, Albanien, Mazedonien, Griechenland, Türkei, Georgien, Aserbaidschan und Iran sind Marcel Muß und Christina Wilden aber bereits nicht mehr zu nehmen. Foto: 2rad-mobilität.de

Überall freundlich aufgenommen

BU. Foto: 2rad-mobilität.de

Oft wurden sie vor den möglichen Gefahren dieser außergewöhnlichen Reise gewarnt, doch bislang haben sie andere Erfahrungen gemacht. Eines ist deshalb für sie klar: „Man muss die Welt mit eigenen Augen sehen, mit den Menschen ins Gespräch kommen und ihre Lebensweise kennenlernen“, unterstreicht Muß. Man müsse zwischen der Politik und den Menschen unterscheiden. Sie seien überall freundlich aufgenommen und vielfach mit Obst und Gebäck auf der Straße beschenkt worden. „Niemals hat man eine Gegenleistung erwartet. Das war immer selbstverständlich.“

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Die freundliche Art der Menschen im Iran und in Albanien hat sie besonders begeistert. Bei so viel Gastfreundschaft fiel es oftmals schwer, sich von den neu gewonnenen Freunden zu trennen. So kamen die beiden Eifeler manchmal nur langsam voran. Ihre Reise soll aber auch kein Wettbewerb sein, das haben sie schon vor der Abreise stets betont — frei nach dem Motto: „Der Weg ist das Ziel.“ Inzwischen haben sie viele Erinnerungen im Gepäck und festgestellt: „Die Landschaften vergisst man, die Menschen nicht.“

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Ohnehin stehen die Menschen und die Begegnungen im Fokus ihrer Reise ans andere Ende der Welt. Im Rahmen der Aktion „Amnesty in Bewegung“ sammeln sie über ihre Internetseite www.2rad-mobilität.de Spenden für die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Sie selbst haben für ihr Vorhaben das Motto „Grenzenlos — gemeinsam stark“ gewählt. 2500 Euro sollen so zusammenkommen, rund 2000 Euro sind es bereits. „Wir hoffen, dass wir den Rest jetzt auch noch schaffen“, sagen sie.

„Wer aber meint, die Reise bestünde nur aus Urlaub und Vergnügen, liegt falsch. Man muss sich immer wieder aufs Neue motivieren und mit widrigen Bedingungen zurechtkommen“, sagt Christina Wilden. Stürze und Pannen gehören ebenso dazu wie Probleme mit der Beschaffung von Visa. Vieles dauert oft länger. Um Geld bei einer Bank abheben zu können, mussten sie auch schon mal drei Stunden lang warten. „Aber da gewöhnt man sich auch dran“, sagt Wilden.

Die körperlichen und mentalen Herausforderungen seien teilweise wirklich hart gewesen, berichten die Eifeler. Das fängt bei den Temperaturen an, die von -9 Grad bei ihrer Abreise in Monschau bis zu 50 Grad in der Gegend um Teheran und Kaschan reichten. Außerdem sei die Reise auch eine Probe für die Partnerschaft, wenn man jeden Tag ständig 24 Stunden zusammen ist. „Das schweißt natürlich zusammen.“

Kurze Rückkehr

Nach einer kurzen Rückkehr in die Heimat anlässlich der Hochzeit von Christina Wildens Schwester haben sie sich wieder auf den Weg gemacht. Mit dem Flugzeug ging es über Moskau nach Duschanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan. Dort werden sie zwei Radfahrer aus Spanien und einen Landsmann treffen, um gemeinsam ein größeres Stück zurückzulegen. Mit dem Rad geht es dann weiter auf dem Pamir-Highway, wo steile Anstiege auf die Radfahrer warten, schließlich gehört er zu den höchsten Fernstraßen der Welt.

Bis zum Ziel in Singapur liegen jetzt noch mindestens 10.000 Kilometer vor Marcel Muß und Christina Wilden. Dann soll die Reise aber noch nicht zu Ende sein. Inzwischen sind die beiden Eifeler auf den Geschmack gekommen und wollen die Welt noch etwas weitererkunden. Wohin die Reise gehen soll, wollen sie sich noch offenhalten.