Lammersdorf: Mit dem Förster zurück zur Natur

Lammersdorf : Mit dem Förster zurück zur Natur

„In der Natur lässt sich nicht alles planen“, sagt Förster Jörg Melchior, und er weiß, wovon er redet. Seit dem Jahr 2005 ist der 51-Jährige in den Sommerferien mit Kindern und Erwachsenen in Wald und Feld unterwegs und schärft die Sinne der Menschen für die kleinen Wunder der Natur, und manchmal ist er auch selbst immer noch ein wenig überrascht, was die Natur so alles anstellt.

Bei Hunderten geführten Waldwanderungen spricht er über Pflanzen zum Essen und Heilen, über kleine und große Tiere im Wald oder auch über Wichtel, Baumgeister und andere Waldbewohner, denn für manche Kinder ist der Wald ein unbekanntes Gebiet.

Das gibt es nur bei den Walderlebnistagen: Im Wald werden Kräutertaschen aus zuvor gesammelten Zutaten selbst hergestellt. Foto: P. Stollenwerk

Diese Themen bilden auch im Jahr 2018 wieder Gerüst der Walderlebnistage, die die Gemeinde Simmerath in Kooperation mit dem Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde des Landesbetriebs Wald und Holz NRW bereits seit langer Zeit anbietet.

Naturführer aus Leidenschaft: Förster Jörg Melchior. Foto: P. Stollenwerk

„Nachfrage noch nie so stark“

In der ersten Sommerferienwoche startete die Reihe, und zum Ausklang der Ferien läuft derzeit Teil zwei der Veranstaltung, die nach wie vor ein Renner ist. „Die Nachfrage war noch nie so stark“, sagt Jörg Melchior, während sich die rund 30 Teilnehmer auf dem Schulhof der Kalltalschule in Lammersdorf zu einer Erlebniswanderung versammeln. Thema ist heute der Geschmack und die Heilwirkung von Pflanzen.

Insgesamt werden im Rahmen der Walderlebnistage 32 Veranstaltungen angeboten, keine ist bislang ausgefallen, und alles deutet auf einen neuen Rekord von über 600 Teilnehmern hin, wenn am Sonntag unter dem Motto „Der Wald abseits der Wege“ die Erlebnistage ausklingen. Noch aber können sich Kurzentschlossene anschließen (siehe Box).

Eine Reihe Teilnehmer, Einheimische wie Feriengäste, sind regelmäßig im Waldgebiet rund um Lammersdorf mit dabei. Viele haben auch das besondere Gruppenerlebnis bei den Walderkundungen schätzen gelernt. „Man sieht, dass der Wald eine positive Wirkung auf die Menschen ausübt“, weiß Jörg Melchior, und manchmal ist die Beziehung zur Natur innerhalb kurzer Zeit so ausgeprägt, dass Teilnehmer im Wald zurückbleiben und in Eigenregie das Programm fortsetzen. „Genau darum geht es“, sagt Melchior. „Die Kinder sollen Spaß haben und ein Gefühl für die Natur entwickeln.“ Dies funktioniert am besten, „wenn wir Erwachsenen das vorleben“, ergänzt der Förster.

„Pflanzen kann man sich besser merken, wenn man sie isst oder anfasst“, gibt Jörg Melchior den Kindern mit auf den Weg, aber zu viel will er jungen den Teilnehmern auch nicht abverlangen. „Es geht nicht darum, alles zu behalten, sondern nur darum, ein bisschen mitzunehmen.

Dann geht es hinunter ins Kelzerbachtal. Unterwegs macht der Förster bei den Kindern mächtig Eindruck, als er eine Brennnessel in die Hand nimmt ohne sich zu verbrennen. Es kommt eben nur auf den richtigen Umgang mit den Brennhaaren an der Pflanze an.

Natur macht auch Appetit

Am Wegesrand werden Beifuß, Breitwegerich und Kleeblätter gesammelt, denn unten am Bach wartet der Höhepunkt des Tages. Die Kräuter werden zerkleinert, Jörg Melchior bereitet den Feldkocher vor, und alle helfen dabei, mit Hilfe von Mehl, Wasser und Salz kleine Kräutertaschen zu brutzeln. Natur macht eben auch Appetit, und alle staunen, was man aus Allerweltskräutern alles machen kann. Die Würze und Intensität fehle ein wenig, ist sich die Gruppe einig. Das hängt mit dem extrem trockenen Sommer zusammen, der auch die Kräuter nicht recht zur Entfaltung kommen ließ. „Können wir das auch mal zu Hause machen?“, ruft ein Kind, doch Jörg Melchior warnt vor allzu großen Illusionen. Wenn man diese Kräutertaschen daheim herstelle, fehle eine wichtige Zutat, nämlich „die Prise Abenteuer“.

Kleine wie große Teilnehmer sind rundum begeistert von dieser etwas anderen Begegnung mit der Natur. So auch der zwölfjährige Fabian aus Lammersdorf, der sich neues Wissen angeeignet hat: „Ich habe gelernt, dass man viele Kräuter essen kann und auch, dass es Schmetterlinge gibt, die ihre Eier auf Disteln oder Brennnesseln ablegen.“

Am Ende der dreistündigen Erlebnistour hat jeder der Teilnehmer etwas dazugelernt, und Förster Jörg Melchior schließt den erlebnisreichen Vormittag mit einem Wort an die Eltern: „Mir machen sie eine Freude, wenn sie darauf achten, dass die Kinder nur eine begrenzte Zeit am Computer verbringen.“

(P. St.)
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