Monschau: Mit Ästhetik absurde Welt überwunden

Monschau: Mit Ästhetik absurde Welt überwunden

„Er hätte sich darüber gefreut”, war sich Brunhilde Esser, Nichte des 1990 verstorbenen Malers Vincent Weber, sicher, dessen Name jetzt der kleine Platz vor dem Seiteneingang des Auklosters zur Erinnerung und Huldigung an den damals umstrittenen Maler trägt.

Die offizielle Benennung des Platzes gegenüber dem Geburtshaus Vincent Webers, fand am vergangenen Samstag im Rahmen einer feierlichen Stunde und im Beisein aus knapp zwanzig Personen und vielen Monschauer Anwohnern und Zaungästen statt.

Nach einer musikalischen Ouvertüre mit „Ehre sei Gott”, von Clemens Siemers, gespielt von einer achtköpfigen Bläsertruppe der Musikvereinigung Montjoie, begrüßte der Ortsvorsteher von Monschau, Georg Kaulen, die Gäste, Familienmitglieder und Verwandte Webers und Mitglieder des Geschichtsvereins, des Stadtrates sowie viele dem Maler verbundene Menschen.

„Mangel an Präsenz”

In seiner Laudatio würdigte Dr. Elmar Neuß, ehemaliger Akademischer Oberrat der Universität Münster und Vorsitzender des Geschichtsvereins des Monschauer Landes, das vielfältige Werk des Künstlers, der in Monschau einst so wenig bekannt gewesen war, was an seinem „Mangel der Präsenz”, so Neuß, als auch „an seinem Charakter” gelegen haben mag. Er sei nicht ein Mensch gewesen, der in der ersten Reihe habe stehen wollen, sondern widmete sich ausschließlich seinem Werk, welches lange Zeit in Deutschland als entartet gegolten habe und ihn zu einer langen Auszeit im Ausland zwang, wo er auch seine wichtigsten Ausstellungen hatte.

Vincent Weber wurde im Jahre 1902 als Sohn des Besitzers eines Haushalts- und Eisenwarengeschäftes in Monschau geboren, eben genau in dem großen Fachwerkhaus gegenüber dem kleinen Platz, wo nun ein neues Straßenschild, auf die Initiation Werner Krämers und mit einstimmigen Votum des Stadtrates von Monschau genehmigt, aufgestellt und nun in einer „ehrenhaften und feierlichen Veranstaltung”, so auch Alterspräsidentin des Stadtrates, Marga Hartleb, und musikalisch begleitet mit der „Festmusik” von Purcell enthüllt wurde.

Nach dem Schulbesuch in Monschau und Aachen prägte die Begegnung mit Adolf Hölzel und seinen Studenten bei einem Studienaufenthalt in Monschau sein Leben nachhaltig. Im Jahre 1915 bis 1917 nahm er Zeichenunterricht bei August von Brandis in Aachen, bevor er in den kommenden Jahren Unterricht bei Adolf Hölzel in Stuttgart nahm, dessen Meisterschüler und Assistent er später wurde. Vier Jahre Studium am Staatlichen Bauhaus in Weimar folgten. Seine Lehrer waren nicht geringere als Johannes Itten, Paul Klee, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und viele andere und er schloss Freundschaft mit Lyonel Feininger und Werner Gilles.

Ausstellungsverbot der Nazis

Erste Studienaufenthalte führten ihn ins Ausland, nach Rom. Wanderjahre als freier Künstler folgten. Er lebte in Paris, Düsseldorf und Antwerpen, reiste nach Südfrankreich, nach Indien, China und Japan. Alles Stationen, die seine vielfältige Kunst, von der Zeichnung und freien Malerei über Lithographie und Holzschnitt bis zur Collage prägten. Schließlich wurde er Leiter der Fachabteilung für Malerei und Grafik an der Werkkunstschule für gestaltende Arbeit in Stettin bis eine Werkausstellung 1937 im Wallraf-Richartz-Museum Köln als entartet geschlossen wurde. Weber erhielt Ausstellungsverbot.

Die Wirren des Krieges führten ihn schließlich wieder nach Rom, wo er 1945 Leiter der Abteilung für Christliche Kunst an der Akademie San Paolo wurde. Im Jahre 1952 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde erst Leiter, schließlich Direktor der Werkkunstschule in Wiesbaden. Ab 1965 arbeitete er wieder als freischaffender Künstler und abermals zog es ihn in die Ferne, nach Argentinien, nach Brasilien, in die Sahara und abermals nach Südamerika. Vincent Weber starb 1990 in Frankfurt.

An seinem arbeitsamen Leben, das sich fast ausschließlich der Malerei widmete und an den vielen Studienreisen und Auslandsaufenthalten erklärt sich das umfangreiche Werk, das sich sowohl der Abstraktion als auch der Figuration widmet, stark vom Bauhaus geprägt. Er habe in seinem Werk den Versuch unternommen, mit einer Farbtheologie, die das „Positive, Hoffnungsvolle zum Prinzip erhebt”, so Dietrich Groos zu Webers Werk, die Schöpfung des Lichtes durch Verwandlung und Durchdringung mit Heiterkeit und Melancholie zu bewahren und mit seiner Ästhetik eine absurde Welt zu überwinden versucht.

”Er hat immer auf die Qualität seiner Arbeiten vertraut”, so Neuß und schloss sich dem Wunsch des Stadtrates an, eine Liste der wichtigen Personen zu erstellen, die in Monschau ebenfalls recht unbekannt geblieben seien und diese auf der Homepage der Stadt Monschau zu würdigen. So wenig der Maler sich auch in Monschau im Laufe seines Lebens aufhielt, „er kam doch immer wieder zu Besuch und war auch auf meiner Hochzeit”, erzählte Marlene Weber, „ein Mensch mit einem speziellen Humor, spritzig aber nie aufdringlich”.