Micha Kreitz und Bernd Goffart stimmen als Delegierte mit ab

Heute ist die Wahl des oder der neuen CDU-Bundesvorsitzenden: Eifeler Christdemokraten favorisieren Merz

Wenn heute beim CDU-Parteitag in Hamburg der oder die neue Vorsitzende gewählt wird, dann sind unter den 1001 Delegierten aus ganz Deutschland auch zwei „Wahlmänner“ aus der Nordeifel: Micha Kreitz aus Konzen und Bernd Goffart aus Kesternich.

Heute wählen 1001 CDU-Delegierte in Hamburg den neuen Parteichef – oder die neue Parteichefin – der CDU. Erst vor wenigen Wochen, am 29. Oktober 2018, verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass sie keine weitere Legislaturperiode als Kanzlerin anstrebt und bereits diesen Winter auch ihr Amt als Parteichefin der CDU abgeben wird. Schnell stand fest, dass drei Spitzenpolitiker um Merkels Nachfolge kämpfen werden: die Generealsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der ehemalige Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag Friedrich Merz. Die CDU-Verbände in der Nordeifel verfolgen die Wahl gespannt.

Micha Kreitz, Fraktionsvorsitzender der CDU im Monschauer Rathaus und Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Konzen, ist als einer der 1001 Delegierten nach Hamburg gereist, um an der Wahl, die neben dem CDU-Vorsitz auch über den nächsten Bundeskanzler der Bundesrepublik entscheiden könnte, teilzunehmen. Er hofft, dass Friedrich Merz in wenigen Stunden als neuer Vorsitzender der CDU feststehen wird: „Ich bin eindeutig für Merz. Das entspricht auch der Stimmung in Monschau. Ich habe mit einigen Ortsverbänden und der Standverbandsvorstand gesprochen. Unser Meinungsbild ist eindeutig: Niemand für Spahn und eine überdeutliche Mehrheit für Merz. Es wird aber knapp werden. Spahn ist chancenlos. Das Rennen werden sich Annegret Kramp-Karrenbauer und Merz liefern.“

Ein „Kopf an Kopf-Rennen zwischen AKK und Merz“ vermutet auch der Delegierte und Vorsitzende der CDU in Simmerath, Bernd Goffart. Auch er wird heute an der Wahl in Hamburg teilnehmen: „Ich bin sehr gespannt, wer es werden wird. Alle Kandidaten wären gute Vorsitzende. Jeder ist unterschiedlich und hat andere Ziele.“ Goffart reiste vor wenigen Wochen zur Regionalkonferenz nach Düsseldorf, um alle drei Kandidaten vor der eigentlichen Wahl kennenzulernen: „Ich wollte einen Vorabeindruck, bevor ich mich entscheide. Überrascht war ich von Jens Spahn. Er ist wesentlich besser als sein Ruf. Er hat keine Chance auf den Vorsitz, aber er ist ein Mann der Zukunft.“ Goffart empfindet die Wahl als „gelebte Demokratie“ und freut sich über die daraus entstandene Diskussion in der Partei.

Alexander Lenders, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Monschau, verfolgt interessiert die Wahl und vermutet ebenfalls, dass es zu einem Stechen zwischen Merz und Kramp-Karrenbauer kommen wird. Er findet, dass die „bescheidene und bürgernahe“ Generalsekretärin die Wahl gewinnen sollte: „Sie ist für mich eine Frau, die alle Flügel der Partei abdeckt und integrativ ist. Sie steht Frau Merkel nah und ist somit liberal, sie ist praktizierende Christin und somit für die Konservativen interessant und hat dazu eine christlich-soziale Einstellung. Dazu hat sie bereits im Saarland bewiesen, dass sie es kann.“ Lenders ist sich dazu sicher: „Jens Spahn wird es nicht, und das ist auch gut so.“

Ronald Borning, Roetgener CDU-Ratsmitglied und Mitglied des Städteregionstags, ist gespannt, wie die Wahl ausgehen wird: „In der Politik fehlen Köpfe. Friedrich Merz wäre ein solcher Kopf. Er würde die CDU demokratisch nach rechts rücken. Dadurch würde auch die SPD stärker werden. Eine starke Opposition braucht man auch.“ Allerdings könnte Borning auch „mit AKK gut leben“: „Sie ist eine sehr fähige Frau. Allerdings würde sie den Kurs von Merkel weiterfahren. Das könnte manche abschrecken. Ihr Sympathielevel ist allerdings sehr hoch.“ Auch das CDU-Ratsmiglied glaubt, dass eine Stichwahl die Entscheidung in Hamburg liefern wird: „Wir alle sind sehr gespannt. Am wichtigsten ist doch, dass die AfD nicht stärker wird. Man muss sich den Themen stellen, die die AfD hat, denen aber nicht nacheifern. Merz könnte das als neo-liberaler und kluger Kopf schaffen.“

Sollte die Wahl zwischen der ehemaligen Ministerpräsidentin des Saarlandes Kramp-Karrenbauer und dem heute als Lobbyist tätigen Merz tatsächlich „knapp“ werden, könnte es zu einer Stichwahl in der Hansestadt kommen. Sollte keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang 50 Prozent erreichen, würde ein zweiter Wahlgang über den zukünftigen politischen Kurs der CDU entscheiden. Auch die beiden Delegierten aus der Nordeifel werden heute geheim, hinter einer Wand aus Pappe an jedem einzelnen Platz, über den Nachfolger von Angela Merkel abstimmen. Im Jahr 2020 wird die CDU erneut über den Vorsitz ihrer Partei abstimmen.

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