Melanie Müller ist nun Konrektorin der Sekundarschule in Simmerath

Lehrer Albert Rieger nach über 30 Dienstjahren verabschiedet : Eifeler Schullandschaft mitgeprägt

Albert Rieger ist vielen Menschen in der Nordeifel bestens bekannt. Über 30 Jahre lang hat er als Pädagoge an der Elwin-Christoffel-Realschule in Monschau gearbeitet und zuletzt gut fünf Jahre lang die Aufbauphase der Sekundarschule Nordeifel mitgeprägt.

Seit den Herbstferien ist er im Ruhestand, seine Aufgaben als Konrektor der jüngsten Eifeler Schule wurden an seine junge und doch schon langjährige Kollegin Melanie Müller übergeben.

Der Schulverband hatte beide Personalien jetzt zum Anlass genommen, zu einer kleinen Feierstunde ins Rathaus nach Simmerath einzuladen, wo Karl-Heinz Hermanns als Vorsitzender der Verbandsversammlung zunächst ein herzliches Dankeschön an den künftigen Ruheständler richtete. „Sie haben die große und sicherlich spannende Herausforderung angenommen, an maßgeblicher Stelle eine neue Schule mitaufzubauen. Dafür ein herzliches Dankeschön“, sagte Hermanns und wünschte Albert Rieger, dass er nun „das Leben ohne Schulstress genießen“ möge.

Jahrzehntelang verlässlich

Anfang 1989 wurde Albert Rieger (rechts) im Alter von 33 Jahren zum Stellvertreter von Horst Kinzel (links) bestimmt, der wenige Monate zuvor die Schulleitung an der Elwin-Christoffel-Realschule übernommen hatte. Foto: Archiv

Schulverbandsvorsteherin Margareta Ritter würdigte Albert Rieger als „jahrzehntelang verlässlichen Mann an zweiter Stelle der Elwin-Christoffel-Realschule“, die bis 2013 in Trägerschaft der Stadt Monschau stand. Auch Ritter lobte Albert Riegers Flexibilität bei der Neuaufstellung der Sekundarschule, die er wesentlich mitgeprägt habe.

In launigen Worten schilderte Albert Rieger dann, wie es ihn einst als Lehrer nach Monschau verschlagen habe. Er sei ein Ur-Aachener, erzählte der Ruheständler, „und nach meiner Referendarzeit am Niederrhein wollte ich eigentlich auch wieder zurück in die Heimat, um dort zu unterrichten“. Tatsächlich hatte er in der Kaiserstadt zwei Realschulen ausgeguckt, wo er sich als Lehrer beworben hatte, doch am Tag der Entscheidung über seine zukünftige Verwendung kam es anders: „Ich rief sehr aufgeregt von einer Telefonzelle aus bei der Bezirksregierung in Köln an, und sehr mitfühlend meinte die Mitarbeiterin am anderen Ende: ,Es klappt leider nicht mit Aachen, Herr Rieger’, um nach einer kurzen Pause fortzufahren: ,Aber ich hätte etwas in Monschau für sie’“, erinnerte sich der Pädagoge und gestand: „Monschau kannte ich als Aachener natürlich und fand es einfach nur toll.“ Schon bald rückte der Lehrer in die Schulleitung der beliebten Realschule auf, als starker zweiter Mann hinter Rektor Horst Kinzel.

Erfüllend und schmerzlich

Die Arbeit an der ECR habe ihn sehr erfüllt, blickte Rieger zurück, und umso schmerzhafter sei damals auch für ihn die Entscheidung gewesen, die Schule aufzulösen. „Das passte mir überhaupt nicht“, gab der Pädagoge zu, richtete aber damals sogleich den Blick nach vorne: „Ich wollte nicht das sinkende Schiff verlassen, sondern sah mich damals noch fit genug für einen Neuanfang und Neuaufbau“, erzählte Albert Rieger. Bei einem ersten Treffen lernte Albert Rieger am 1. Oktober 2012 seine künftige Chefin Ursula Mertens kennen, „und wir haben schon bei den ersten Gesprächen über Konzepte und Abläufe der neuen Schulform festgestellt, dass wir ein gutes Team waren“, erzählt Rieger. Über fünf Jahre haben er und Ursula Mertens die neue Schule gemeinsam mit einem engagierten Kollegium aufgebaut, und nun kommt der 63-Jährige „seiner“ Schulleiterin – etwas früher als geplant – quasi zuvor, denn Mertens verabschiedet sich erst nach dem laufenden Schuljahr in den Ruhestand. „Das ermöglicht uns aber einen flexiblen Übergang in der Schulleitung“, sah Karl-Heinz Hermanns nur Vorteile im zeitversetzten Wechsel.

Aus sehr ähnlichen Beweggründen wie Albert Rieger, nämlich mit der Begeisterung für etwas Neues, folgte die damalige Realschullehrerin Melanie Müller ihrem Konrektor von Monschau nach Simmerath. Nach vierjähriger Mitarbeit beim Aufbau der neuen Schule wurde sie mit Albert Riegers Ausscheiden als neue Konrektorin in die Schulleitung der Sekundarschule Nordeifel berufen und mit umfassenden Aufgaben am Standort Simmerath betraut. „Wir haben damit auch den ersten Teil eines Generationswechsels vollzogen“, meinte Karl-Heinz Hermanns mit Blick auf Ursula Mertens, die im nächsten Sommer in den Ruhestand gehen wird. „Sie hätten auch ortsnäher arbeiten können“, wandte sich Hermanns an Melanie Müller, die in Gemünd lebt, „aber sie haben sich bewusst für die Sekundarschule entschieden, weil sie dort etwas bewegen möchten“, sagte Hermanns und freute sich: „Was kann einer Schule Besseres passieren, als die Geschicke in die Hände junger, engagierter Pädagoginnen und Pädagogen zu legen?“

Ideen für die Entwicklung

Sie habe viele Ideen für die künftige Entwicklung der Sekundarschule, meinte Müller, und appellierte vor allem an die Eltern potenzieller zukünftiger Schülerinnen und Schüler: „Es wäre schön, wenn die Menschen in unserem Raum die Sekundarschule nicht als Notstopfen betrachten, sondern als echte Alternative für die bestmögliche Ausbildung ihrer Kinder“, sagte Müller. „Wir haben hier Kinder aller Begabungen – vom Schüler mit Förderbedarf, über den klassischen Haupt- oder Realschüler bis hin zu Kindern mit einer Eignung für das Gymnasium. Sie alle können in diesem nicht starren, nach oben offenen System ihren Weg gehen“, erläuterte die neue Konrektorin und versprach: „Auch wenn wir jetzt eine große Schule sind, haben wir jedes einzelne Kind im Blick und schauen jedes halbe Jahr, wo es jetzt steht.“

Das bestätigte auch der scheidende Konrektor: „Die Sekundarschule betreibt einen hohen Aufwand, um genau diese Individualität zu gewährleisten. Aber es ist machbar und wirkt“, stellte Albert Rieger fest und zog einen Vergleich: „Ein Aufstieg an unserer Schule, etwa vom Grund- in den Erweiterungskurs zu klettern, oder sogar nach der zehnten Klasse aufs Gymnasium zu wechseln, ist für jedes Kind eine tolle Erfahrung. Ein Abstieg, wie ihn immer mehr Schüler durchleben, die von einer höheren Schulform zu uns wechseln, frustriert dagegen und muss erst einmal hier aufgefangen werden.“

Alle Beteiligten – Schulträger, bisherige und künftige Schulleitung – eint der Wunsch, die Leistungen und Qualitäten der Schule künftig noch besser nach außen darzustellen. Begonnen hat man damit definitiv beim Tag der offenen Tür vor zwei Wochen in Simmerath (am Standort Kleinhau sind die Türen am 8. Dezember ab 10 Uhr geöffnet), wo das Interesse so groß war wie noch nie zuvor in bald sechs Jahren Sekundarschule. Und das gibt Hoffnung, dass auch an den Anmeldetagen vom 25. Februar bis 8. März 2019 reger Betrieb in der Sekundarschule herrschen wird.

(hes)
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