Marcel Muß und Christina Wilder: Mit dem Fahrrad durch 28 Länder

In 427 Tagen durch 28 Länder : Nach 17.000 Kilometern sind Eifeler Radfahrer zurück in der Heimat

Nach 17.000 Kilometern durch 28 Länder erreichten Marcel Muß (35) aus Imgenbroich und Christina Wilden (24) aus Schmidt am Samstag die deutsche Grenze und sind zurück von ihrer Weltreise auf dem Drahtesel.

Wo die ereignisreiche Reise begann, endete sie auch: In Monschau auf dem Marktplatz trafen sie aus den Niederlanden kommend ein und wurden von Freunden, Familie und vielen anderen, die die Reise verfolgten, empfangen.

Vor sieben Jahren fasste Muß den Entschluss, die Welt mit dem Fahrrad zu erkunden und am 18. Februar 2018 ging die lange Reise los. Nach einem Jahr Vorbereitung trat er gemeinsam mit seiner Partnerin kräftig in die Pedale. Sie starteten mit jeweils 30 Kilogramm Gepäck und maßangefertigten Rädern. Der Weg führte unter dem Motto „Grenzenlos – gemeinsam stark“ entlang der Seidenstraße bis nach Singapur und zurück.

Neben der persönlichen Erfahrung diente die Reise auch einem guten Zweck. Im Rahmen der Aktion „Amnesty in Bewegung“ sammelten die beiden Abenteurer Spenden für die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Das Paar konnte einen Scheck von 2640 Euro an die Organisation übergeben. Außerdem ging Wildens Tante bei der Ankunft ihrer Nichte in Monschau mit dem Fahrradhelm durch die Menschenmenge und sammelte zusätzlich noch einmal 264 Euro.

Der gelernte Restaurantfachmann und die Erzieherin starteten am Marktplatz in Monschau, wo Freunde und Familie sie verabschiedeten. Zunächst ging es bei Minusgraden drei Wochen lang quer durch Deutschland bis nach München. Dann verließen sie zum ersten Mal die Landesgrenzen und erreichten Österreich.

Über den Brenner ging es nach Italien, und sie ließen die Alpen hinter sich – eine Härteprüfung laut Muß. Es folgten Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien, Mazedonien, Griechenland und schließlich die Türkei. Da hatten sie bereits 4200 Kilometer zurückgelegt.

Marcel Muß und Christina Wilden auf dem Pamir Highway in Tadschikistan – einer der Höhepunkte ihrer langen Reise. Foto: Marcel Muß

Venedig empfanden sie als touristisch überlaufen, die Albaner als außerordentlich gastfreundlich, den Verkehr in Istanbul als „wahnsinnig“. Ende Juni ging es mit dem Nachtzug von Georgien weiter nach Vorderasien. In Aserbaidschan erwarteten sie über 50 Grad Celsius, und so nahmen sie die Einladung der Einheimischen zu Eis und Limonade dankbar an. Nun hatten sie Europa gänzlich hinter sich gelassen.

Schließlich erreichten Muß und Wilden den Iran. Hier sollten sich zunächst die Wege des Paares trennen, denn Christina flog nach Deutschland zum Junggesellinnenabschied ihrer Schwester. Mitte Juli erreichte Muß laut eigener Aussage seinen Tiefpunkt: „Ich habe mit Magen-Darm zu kämpfen und die Temperaturen machen mir derart zu schaffen, dass ich nicht weiß, wie es weitergehen soll“, schrieb er. Statt nach Shiraz weiterzufahren, entschied er sich, seine Partnerin früher als geplant nach Deutschland zu begleiten und gemeinsam eine kurze Auszeit vom Radfahren zu nehmen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die beiden Eifeler bereits 7.000 Kilometer im Sattel geschafft.

Nächstes Ziel mit neuer Energie nach der Pause Anfang August war der Pamir Highway zwischen Tadschikistan und Kirgistan, die zweithöchst gelegene befestigte Straße der Welt. Schlechte Straßenverhältnisse, malerische Gebirgszüge und bakterielle Infekte begleiteten sie auf ihrem Weg. Der Highway war für sie einer der Höhepunkte der Reise.

Schließlich erreichten sie China: „Für uns ist das Land ein wirklicher Kulturschock, denn nichts ist vergleichbar mit dem uns Bekannten“, berichtete Muß. Anfang Oktober ging es Richtung Südchina vorbei an dem weltweit größten in Stein gemeißelten Buddha, an etlichen Wasserfällen und beeindruckenden Pflanzen- und Blumenarten. Sie begegneten einer giftigen Schlange, eine Spionage-App legte ihr Handy lahm und Wilden prellte sich bei einem Sturz das Steißbein. Das Land verließen sie mit gemischten Gefühlen. Weiter ging es Richtung Laos, und Ende November konnte das Paar das Erreichen des Spendenziels von 2500 Euro verkünden. Weihnachten verbrachten sie in Kambodscha, wo sie Angkor Wat besuchten – die größte Tempelanlage der Welt. Thailand hinterließ Anfang 2019 mit paradiesischen Stränden und bestem Wetter einen bleibenden Eindruck.

Nach knapp 14.000 Kilometern erreichten sie ihr Ziel: Singapur – und das an ihrem gemeinsamen Geburtstag, dem 2. Februar. Doch sie waren noch nicht bereit, ihr gemeinsames Abenteuer und die wohl längste Reise ihres Lebens zu beenden.

Durch atemberaubende Landschaften wie in Tadschikistan sind die beiden mit ihren Drahteseln gefahren. Foto: Marcel Muß

Zurück führte die Reise über Athen, Rom, die Toskana und Mailand. Ende März hatten die beiden Radfahrer bereits 25 Länder bereist und 16.000 Kilometer hinter sich gelassen. Amsterdam bildete den vorerst letzten Halt. Entlang der üppig ausgebauten Fahrradwege ließen sie die turbulenten Verkehrsverhältnisse in Asien Revue passieren und genossen die Sicherheit auf den niederländischen Wegen.

Nach 17.000 Kilometern trafen Marcel Muß und Christina Wilden schließlich am Samstagabend in Monschau auf dem Marktplatz ein. „Entgegen aller skeptischen und kritischen Stimmen haben wir selbst in den Ländern positive Erfahrungen gemacht, die in Deutschland als gefährlich beschrieben werden. Es gab viele Begegnungen und die haben unseren Blickwinkel auf die Welt und auch auf unser eigenes Leben verändert. Wir dürfen uns sehr glücklich schätzen, in so einem guten Umfeld zu leben“, zieht Muß eine Bilanz der langen Reise.

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