Monschau: Lokalkolorit in Buchform im Monschauer Rathaus

Monschau: Lokalkolorit in Buchform im Monschauer Rathaus

„So eine Plattform gibt es sonst nirgendwo”, so Beatrix Reichardt, Leiterin der Stadtbücherei Monschau, über die Tausch- und Kaufbörse für Regionalliteratur, die am vergangenen Samstag im großen Sitzungssaal des Monschauer Rathauses stattfand.

Weit über fünfzig Besucher nahmen das Angebot wahr und stöberten in dem reichhaltigen Angebot der privaten Anbieter, des Geschichtsvereines des Monschauer Landes und der Stadtbücherei, die beiden letzteren Veranstalter der Börse, die seit 1988 mit nur wenigen Ausnahmen jährlich in der Altstadt Monschau stattfindet.

Die Interessenten, fast ausschließlich selbst Sammler und Heimatforscher hatten fast drei Stunden Zeit, um zu schmökern, zu tauschen, sich zu informieren und das eine oder andere gute Stück käuflich zu erwerben. Zum Angebot gehörten vornehmlich Bücher, darunter das begehrte Heimatjahrbuch, aber auch Kalender, Bilder und Ansichtskarten, Fotos und Erinnerungsstücke, wie zum Beispiel das einst in Monschau herausgegebene Notgeld, welches unter den Besuchern gleich regen Austausch untereinander auslöste. Das Notgeld zu 25, 50 und 75 Pfennig aus dem Jahr 1921, welches hier für 50 Cent bis zu zehn Euro zu haben war, habe man in „Ermangelung des Hartgeldes” herausgegeben, so ein Münzsammler aus Monschau. Und neben der Abbildung des Hallers oder der Burg, als Werbung für die Stadt noch „mächtig Lokalkolorit betrieben”, teils sogar auf Plattdeutsch.

Großer Beliebtheit erfreute sich auch das Heimatjahrbuch des Landkreises Monschau, von dem jeder Heimatforscher gern einen kompletten Satz hätte. „Einige sind sehr begehrt und rar”, erklärte Reichardt. So die Ausgabe aus dem Jahr 1961, die entweder nur in kleiner Auflage herausgegeben worden war oder aufgrund schlechter Bindung die Zeit schlicht nicht überdauert hat.

Ebenso interessant war all jene Literatur, die es im öffentlichen Handel nicht gibt oder jene die vergriffen ist. So gab es an jedem Stand die eine oder andere Rarität zu entdecken. Hier das Buch „Zwischen den Fronten”, ein Kriegstagebuch des Landkreises, dort, am Stand von Manfred Brandenburg, eine Presseschau der CDU-Kreispartei Monschau aus den Jahren 1945 bis 1971, herausgegeben durch den CDU-Stadtverband anlässlich der 50-Jahr-Feier der CDU-Stadt- und Gemeindeverbände Monschau, Simmerath, Roetgen mit Artikeln aus vergangenen Zeiten, viele von Kasper Vallot oder Pejo Weiss verfasst.

Neues Buch von Herbert Arens

An dem Stand des Geschichtsvereins ging das neu erschienene Buch „NS-Verfahren gegen katholisch Geistliche im Dekanat Monschau” von Dr. Herbert Arens weg wie warme Semmeln, eine mutige , 200-seitige Dokumentation, herausgegeben in der Schriftenreihe des Geschichtsvereins. Selbst darüber erstaunt bestätigte der Bibliothekar des Vereines, Bernhard Stein, „wir haben 20 Stück davon verkauft”. Erhältlich sei das Buch aber noch im Büro, im Hause des Stadtarchivs am Holzmarkt.

Im Lauf des Nachmittags gingen so manche Raritäten in andere Hände über, es wurde beraten, gefachsimpelt, bei Kaffee und Kuchen diskutiert und an die Anfangszeiten erinnert, als die Börse noch im Haus Troistorff stattgefunden hatte und dann in der Eingangshalle im Rathaus. Die kostenlose Veranstaltung in den großen Sitzungssaal zu verlegen erwies sich aufgrund der Größe und Stimmung als höchst positiv. „Hier ist eine angenehme und gemütliche Atmosphäre”, bestätigten auch Elisabeth Michaux und Ralf Kühle, die an ihrem Stand ein Sammelsurium von Büchern, Ansichtskarten und Antiquarischem anboten und verkauften, um Platz zu machen für Neues. „Kann, sein, dass es mir später leid tut, ein Stück verkauft zu haben”, berichtete Michaux, sie fände es aber schön, gar „aufregend” immer wieder etwas Neues zu finden. So auch der Vorstandsvorsitzende des Geschichtsvereins Franz Wilhelm Hermanns, der sowohl privater Sammler ist, als auch stets für den Verein nach Raritäten Ausschau hält. Man habe Schriften, die „300 bis 400 Jahre alt sind”, alles was das Monschauer Land beträfe und von Menschen dort publiziert wurde, und man suche immer weiter - eben auf solchen Tauschbörsen, auf Flohmärkten, Haushaltsauflösungen oder im Internet, wo es spezielle Foren für solche Bücher gäbe, allerdings nicht selten zu „astronomischen Preisen”.

Auf der Tausch- und Kaufbörse gingen die Exponate eher zu erschwinglichen Preisen von Hand zu Hand, und der Erlös wird für Neuanschaffungen investiert. So auch die Einnahmen der Cafeteria, deren Erlös, neben dem Verkauf von überschüssigen, oft doppelt vorhandenen Büchern des Standes von Reichardt in die Stadtbücherei fließt.

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