Lit-Eifel und Montjoie Musicale im Zeichen von Beethoven

Gedanken und Musik : Lit-Eifel und Montjoie Musicale im Zeichen von Beethoven

Das nächste Jahr, 2020, wird kulturell ganz im Zeichen des 250. Geburtstags von Ludwig van Beethoven stehen. Schon im Vorblick darauf fanden sich die beiden Eifeler Kulturplattformen Lit-Eifel und Montjoie Musicale zusammen zu einem langen, aber äußerst spannenden und kurzweiligen musikalischen und literarischen Abend im Monschauer Aukloster.

Der Freiburger Schriftsteller und Essayist Karl-Heinz Ott stellte dabei sein neues Buch über Beethovens Sinfonien vor. Der junge Basler Pianist Dominic Chamot, unlängst noch in Geilenkirchen mit dem renommierten internationalen „Euregio Piano Award“ ausgezeichnet, bot zum Anfang und zum Schluss des Abends zwei wichtige Klavierwerke des Bonner und Wiener Meisters dar.

Der Beitrag von Karl-Heinz Ott beschränkte sich keineswegs etwa auf eine bloße Lesung aus seinem Buch. Im ersten Teil brachte er dem begeisterten Publikum einen nicht nur rhetorisch brillanten Einblick in die geistes- und musikgeschichtlichen Entwicklungen, die die Stellung Beethovens als musikalischen Revolutionär begründeten. Überaus prägnant arbeitete er heraus, wie im zu Ende gehenden 18. Jahrhundert die Bedeutung der Musik sich veränderte und als eine Kunstform sich präsentierte, der es auf ihre Weise um „Wahrheit“ - und nicht etwa nur, wie zuvor überwiegend, um Unterhaltung und religiöse Erbauung – ging.

Von daher wird erklärbar, dass Musik – und vor allem diejenige Beethovens – auf einmal provozieren und – wie Ott sagte - „nerven“ konnte. Musik trat auf diese Weise geradezu in Konkurrenz zur Religion, insofern es ihr in einer völlig neuartigen Ernsthaftigkeit um „das Absolute“ zu tun war. Dass es immer wieder auch (von Rousseau bis Tolstoi) durchaus tiefgreifende Kritik gab, die diese Entwicklung als eine unheilvolle ansah, wurde von Ott nicht verschwiegen.

Im zweiten Teil seiner Ausführungen griff er auf ein Kapitel seines neuen Buches „Rausch und Stille“ zurück und zeigte die Besonderheiten des letzten Satzes der berühmten Neunten Sinfonie von Beethoven auf, in dem der Komponist, der zuvor gerade die Bedeutung der reinen Instrumentalmusik hervorgehoben hatte, auf einmal wieder das Wort (in dem Fall Schillers Ode an die Freude) als Bedeutungsträger einsetzte. Die Brüche und Provokationen, welche diese weitreichende Neuheit Beethovens mit sich brachte, wurde von Ott wiederum sehr einleuchtend – und auch mit Beispielen am Klavier unterstützt – verdeutlicht.

Der Beitrag des jungen preisgekrönten Pianisten Dominic Chamot wurde vom Publikum ebenfalls begeistert applaudiert. Zu Beginn des Abends spielte er die sogenannten „Eroica-Variationen“ mit Verve und großer Durchhörbarkeit. Auch wenn der übliche Titel dieses Klavierwerks auf Beethovens 3. Sinfonie (die sogenannte „Eroica“) anspielt, in deren letztem Satz das Thema der Variationen in der Tat ebenfalls ertönt, so geht dieses Thema doch auf noch frühere Werke Beethovens zurück, unter anderem die Ballettmusik zu den „Geschöpfen des Prometheus“.

Am Schluss spielte Dominic Chamot noch ein weiteres bedeutendes Werk des Meisters, nämlich seine erste Klaviersonate op.2, Nr.1. Auch dies war eine herausragende Interpretation dieses Beethovenschen Pionierwerks, auch wenn man vielleicht an einigen Stellen ein wenig heraushörte, dass der Pianist allzu lange auf seinen zweiten Auftritt nach einem langen, anregenden, aber durchaus anstrengenden Abend im Zeichen Ludwig van Beethovens hatte warten müssen.

Das zahlreiche Publikum dankte den beiden Mitwirkenden überaus herzlich, ebenso tat dies Bürgermeisterin Margareta Ritter in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende der LitEifel.