Simmerath: Life-Projekt: Dem Springkraut geht es an den Kragen

Simmerath : Life-Projekt: Dem Springkraut geht es an den Kragen

„Patches & Corridors“ nennt sich das neue Life-Naturschutzprojekt, mit dessen Umsetzung in Kürze begonnen wird. Es erstreckt sich auf das Obere Rurtal unter Einbeziehung der Nebentäler auf dem Gebiet der Stadt Monschau und der Gemeinde Simmerath. Umgesetzt wird die Maßnahme von der Biologischen Station der Städteregion Aachen.

In der Sitzung des Simmerather Umwelt-, Forst- und Agrarausschusses erläuterte jetzt Bernhard Theißen, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Biologischen Station, die Eckpunkte des neuen Projektes, das sich über mehrere Jahre erstrecken wird. Das Budget beträgt 2,5 Millionen Euro; 60 Prozent finanziert allein die EU. Für das Jahr 2017 waren in ganz Deutschland überhaupt nur drei EU-Lifeprojekte vorgesehen; zwei davon gingen an die Städteregion, verkündete Theißen stolz.

Ein wichtiges Ziel des neuen Life-Projektes ist die Wiederherstellung von Auenwäldern und Mähwiesen, die einen wichtigen Lebensraum für den bedrohten Blauschillernden Feuerfalter darstellen.

Ein weiteres bedeutendes Ziel ist die Bekämpfung von standortuntypischen Pflanzen, die nach und nach eingeschleppt wurden. Das Drüsige Springkraut, der Riesenbärenklau und der Staudenknöterich sind hochgradig unerwünscht und sollen zurückgedrängt werden, bevor sie die Oberhand gewinnen.

Anschluss an Oberes Kalltal

Das Lifeprojekt „Patches & Corridors“ schließt sich nahtlos an die Vorgänger-Maßnahme im Oberen Kalltal an. Dieses Life-Projekt erstreckte sich über vier Jahre von 2012 bis 2016. Das Gesamtbudget belief sich auf 2,85 Millionen Euro und wurde zu 50 Prozent durch die EU gefördert. Der finanzielle Anteil der Städteregion betrug rund 420.000 Euro.

Auch hier stand die Wiederherstellung gefährdeter Lebensräume im Mittelpunkt, wie Bernhard Theißen erläuterte. An vielen Punkten wurde die Durchgängigkeit und Dynamik von natürlichen Bachläufen wieder hergestellt; ebenso wurden natürliche Wald- und Offenlandlebensräume entwickelt.

Die Wiederherstellung natürlicher Lebensräume wurde erforderlich, weil zu Beginn der 1960er Jahre damit begonnen wurde, in den Bachtälern ca. 150 Hektar zusätzliches Grünland zu schaffen. Die Folgen für die natürliche Vielfalt von Tieren und Pflanzen war katastrophal.

Mit dem Wegfall der kleinbäuerlichen Betriebe blieb das Feuchtgrünland später ungenutzt oder wurde mit Fichten aufgeforstet, ehe mit dem Lifeprojekt nun die früher gewachsenen Strukturen wieder hergestellt wurden. Fichtenbestände wurden in Auwald oder als Nassflächen umgewandelt und Brachland in mäßig genutztes Feuchtgrünland. Rund acht Hektar Fichten wurden entfernt.

Im Ausschuss fand das Projekt „Patches & Corridors“ allgemeine Zustimmung. Auch Gemeindeförster Dietmar Wunderlich lobte die gute Zusammenarbeit mit der Biologischen Station bei den Naturschutzmaßnahmen.

Ausschussmitglied Wolfgang Franzen wies darauf hin, dass das Augenmerk nicht nur standortfremden Pflanzen sondern auch der zunehmend problematischen Population von Waschbären gelten solle. Auch Bernhard Theißen sah in diesem Punkt Handlungsbedarf, „aber das Problem ist noch nicht überall angekommen“, stellte er fest.

(P. St.)