Kreis Düren: Lieber die Wildsau rammen als gegen den Baum fahren

Kreis Düren: Lieber die Wildsau rammen als gegen den Baum fahren

„Mir ist ein Reh vors Auto gelaufen.” „Ich habe eine Wildsau gerammt.” Solche Anrufe gehen bei der Polizei täglich ein, das ganze Jahr über. Aber gerade jetzt im Herbst häufen sich die Zusammenstöße mit Rehen, Wildschweinen oder Füchsen.

Die meisten der 400 bis 500 Unfälle im Kreisgebiet gehen allerdings glimpflich aus - zumindest für die Autofahrer. Fast immer bleibt es bei Blechschäden, nur selten werden Menschen verletzt. Die Tiere jedoch sterben meist an der Unfallstelle, andere verenden verletzt im Wald.

Aber was tun, wenn plötzlich ein Reh vor dem Auto auftaucht? „Bloß nicht ausweichen”, rät Markus Schoeller, Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Und das raten auch die Beamten. Die Gefahr für den Menschen ist viel höher, wenn er bei einem Ausweichmanöver gegen einen Baum oder einen entgegenkommenden Pkw fährt. Also hilft nur bremsen (im Rückspiegel auf folgende Autos achten), das Lenkrad gut festhalten und das Fernlicht ausschalten.

Im Herbst häufen sich die Unfälle, weil Menschen und Tiere zur gleichen Zeit auf den Straßen unterwegs sind. Die Tiere auf der Suche nach Futter, die Menschen auf dem Heimweg nach Feierabend. „Außerdem steckt das Rotwild noch in der Brunftzeit, da sind die Tiere weniger vorsichtig”, weiß Schoeller.

Wildunfälle geschehen in allen Regionen: rund um den Tagebau Hambach und in den Eifelgemeinden Heimbach, Nideggen, Vossenack ebenso, wie auf dem auf freiem Feld bei Nörvenich. Gerade jetzt, da die Maisfelder abgeerntet werden, suchen die Tiere neue Rückzugsgebiete.

„Häufiger als man meint, erwischen Autofahrer Wildschweine”, sagt Jäger Schoeller. Auch wenn man diese am Straßenrand seltener erblickt als Rehe. „Wenn Schilder vor Wildwechsel warnen, dann stehen die da nicht ohne Grund”, sagt Polizeisprecher Ralf Meurer.

Die gefahrene Geschwindigkeit sei bei solchen Unfällen ganz entscheidend. „Also Tempo runter”, appelliert der Polizist. Denn in etwa 80 Prozent der Unfälle taucht das Wild nur 20 Meter und kürzer vor dem Fahrzeug auf. Wer dann zu schnell ist, hat keine Chance.

Wer dennoch ein Tier erwischt, darf es nicht etwa in den Kofferraum laden, um später Wildgulasch oder Hirschbraten zu kredenzen. „Das ist Wilderei und damit ein Straftatbestand”, erklärt Schoeller. Wer mit einem Tier zusammenstößt sollte allein schon aus Versicherungsgründen die Polizei rufen, damit diese die Kollision bestätigen kann.

Die Beamten verständigen dann den zuständigen Jagdpächter, der das Tier mitnimmt oder im Wald sucht, um es von seinem Leiden zu erlösen. Je nach Zustand des Tieres kann er es auch weiter verwenden.

Bei Unfällen mit kleineren Tieren, wie Eichhörnchen, Füchsen oder Katzen muss nicht die Polizei gerufen werden, wenn kein Schaden am Auto festgestellt werden kann. Wenn möglich sollten die Autofahrer das tote Tier jedoch an den Straßenrand legen. „Bei kleinen Tieren freuen sich dann die Bussarde und Habichte”, sagt Jäger Schoeller. Die hätten die Straße in den vergangenen Jahren ohnehin als neue Nahrungsquelle entdeckt.

Die Ausmaße eines Wildunfalles werden oftmals unterschätzt. Deswegen hat die Polizei ein interessantes Zahlenspiel parat: Ein 20 Kilogramm schweres Reh besitzt bei einer Kollision mit 100 km/h ein Aufschlaggewicht von fast einer halben Tonne.

Die Dunkelziffer der Wildunfälle, sagen Polizei und Kreisjägerschaft, liege noch deutlich höher als die gemeldeten 400 bis 500 Unfälle im Jahr. Wenn am Auto kein Schaden zu sehen sei, würden viele Fahrer den Zusammenstoß einfach nicht melden.

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