Großübung: Lebensretter der DLRG Nordrhein üben am Eiserbachsee

Großübung : Lebensretter der DLRG Nordrhein üben am Eiserbachsee

Am Wochenende wurde es noch einmal voll im Freibad am Rurberger Eiserbachsee. Doch ausnahmsweise waren einmal nicht die Badegäste aus nah und fern der Grund, sondern eine Großübung des Landesverbandes Nordrhein der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Auf dem Programm stand der „Tag des Wasserretters 2018“, der zum elften Mal stattfand.

„Wir wollen mit dieser Maßnahme die Jugendarbeit und den Nachwuchs fördern“, erklärte Michael Grohe, Pressesprecher des Landesverbandes. Der Tag des Wasseretters findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt, in diesem Jahr erstmals am Eiserbachsee. Die Teilnehmer, die ehrenamtlich tätig sind, kommen aus allen Teilen des Landes zusammen.

„Nach der Ankunft am Freitag hatten alle erstmal ihre Zelte aufgebaut, bevor sie am Samstag einen Plan mit verschiedenen Stationen zur Praxisübung bekamen“, sagte Grohe. Es gab 21 verschiedene Szenarien, die ausprobiert werden konnten. Dazu wurden die Teilnehmer in Gruppen aufgeteilt. Deutlich wurde bei den verschiedenen Stationen, wie vielfältig die Aufgaben der DLRG sind.

Neben den Kernaufgaben der Wasserrettung und des Katastrophenschutzes wurde den insgesamt 235 Teilnehmern, vornehmlich zwischen zwölf und 17 Jahren, ebenfalls die Höhenrettung, eine Unfallsimulation oder auch die Knotenkunde nähergebracht.

Während der vielen Praxisübungen wurde auch der Umgang mit Rettungsgeräten und Rettungsmitteln wie dem Wurfsack, dem Gurtretter oder der Rettungsboje trainiert.

Ein paar Stunden Schlaf

Spektakulär wurde es an der Station der Feuerwehr. Hier wurden eine Fettexplosion sowie die Explosion einer kleinen Gasflasche simuliert. Foto: M. Stollenwerk

Nach einem gemeinsamen Ausklang am Abend standen am Sonntag noch verschiedene Workshops auf dem Programm, teilte Grohe mit. Die Verpflegung wurde durch die vereinseigene Feldküche übernommen, in der einige der insgesamt 91 Helfer eingesetzt waren. Nach weiteren gemeinsamen Stunden standen dann ein paar Stunden Schlaf in den Mannschaftszelten an, die das Sportgelände des Rurberger SV in einen großen Campingplatz verwandelten.

Besonders freute sich Michael Grohe über die Teilnahme der Freiwilligen Feuerwehr und der Jugendfeuerwehr. „So bekommen die jungen Rettungsschwimmer, die ja erst in der Startphase ihrer Wasserretter-Karriere sind, auch einen Einblick in andere Bereiche des Rettungswesens.“ Ebenfalls positiv äußerte sich Simmeraths stellvertretender Bürgermeister Bernd Goffart zu der Veranstaltung: „Ich bin erfreut darüber, dass eine solche Veranstaltung in der Gemeinde Simmerath stattfindet und lade die Aktiven gerne ein, wiederzukommen.“

Unmittelbar am Rand des Eiserbachsees war Tobias Hentschel voller Tatendrang: „Wir simulieren heute den Deichbau im Bereich des Katastrophenschutzes durch die Befüllung und den Verbau von Sandsäcken und testen die Stabilität durch das Fluten des Deiches“, erklärte er. „Wir vermitteln den einzelnen Gruppen verschiedene Techniken des Deichbaus. Das Wichtigste ist eine stabile Eindämmung und die richtige Platzierung der Sandsäcke.“

Doch ebenso wichtig sei die Zusammenarbeit im Team. „Hier kann jeder herausfinden, was seine Stärken sind, so dass diese sinnvoll eingesetzt werden können“, so Hentschel. Am Ende kommt der spannende Test, und der Deich wird geflutet: Er hält.

„Mir haben bisher die Stationen der Ersten Hilfe und das ‚Run-Swim-Run‘ (100 Meter laufen, 200 Meter schwimmen, 100 Meter laufen in unter acht Minuten) am meisten Spaß gemacht“, sagte der 13-jährige Magnus aus Troisdorf, der seit zehn Jahren in der DLRG ist.

Auch die Höhenrettung zählt zu den Aufgaben der DLRG: Hier wird der Ernstfall bei der Bergung eines Verletzten simuliert. Foto: M. Stollenwerk

Rege Kommunikation herrschte auch am Stand von Szenario 19. Hier stand die Knotenkunde auf der Tagesordnung, die für Strömungsretter zum Sichern, Abschleppen und Festmachen von Booten von Bedeutung ist. Auch wenn zwischenzeitlich einige Äußerungen wie „Ich bekomme es einfach nicht hin“ zu vernehmen waren, funktionierte es am Ende der Lerneinheit bei allen Teilnehmern doch weitgehend reibungslos.

Großes Interesse herrschte auch an den Stationen der Freiwilligen Feuerwehr Steckenborn und der Jugendfeuerwehr Rurberg-Woffelsbach. „Ich bin schon seit über drei Jahren in der Jugendfeuerwehr, und es macht mir seit dem ersten Tag Spaß“, sagte der zwölfjährige Justin aus Woffelsbach, während er seinen Kollegen der DLRG das Löschen erklärte und diese es anschließend selber versuchen durften.

Nebenan wurde es spektakulär, denn die Freiwillige Feuerwehr Steckenborn brachte den interessierten Zuhörern nicht nur die Aufgaben der Feuerwehr näher, sondern demonstrierte eine Fettexplosion durch das Löschen von über 300 Grad heißem Fett mit Wasser sowie die Explosion einer kleinen Gasflasche.

Zahlreiche Einsätze

Nicht minder gering war der Andrang an den anderen Stationen, etwa bei der Erste Hilfe, den Tauchübungen und der Höhenrettung. Hier wurde die Bergung von Verletzten mittels Seil und Trage simuliert, und jede helfende Hand wurde benötigt.

Die Arbeit der DLRG spiegelt sich auch in Zahlen wider. 2017 ertranken 55 Menschen, jedoch standen dem gegenüber 106 Rettungen vor dem Ertrinken und zahlreiche andere Hilfeleistungen in fast 2,1 Millionen Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Der Tag des Wasseretters soll diese Bilanz weiter verbessern und den jungen Rettungsschwimmern die Möglichkeit geben, ihr Wissen praktisch abzurufen, bevor es zum Ernstfall kommt.

Michael Grohe zog eine positive Bilanz: „Bei der Organisation gab es gar keine Probleme, und es wurden uns keine zu hohen Auflagen gemacht, das war sehr schön und ist so nicht immer der Fall.“ Man sei sehr gut aufgenommen worden. „Für mich ist es immer großartig, nach den Übungen in die Gesichter der jungen Leute zu schauen und deren Begeisterung zu sehen“, sagte Grohe. „Wir hätten uns nur etwas mehr Wasser im See gewünscht.“

Beim Landesverband Nordrhein, der aktuell rund 68.000 Mitglieder zählt, macht man sich auch Gedanken über die Zukunft und den Nachwuchs: „Zurzeit haben wir glücklicherweise wenig Sorgen, aber das kann sich auch schnell ändern, denn es gibt immer mehr Freizeitangebote, und die Jugendlichen haben durch die langen Schultage oft weniger Zeit.“

Eine entscheidende Rolle spiele vor allem die Schwimmhallensituation, erläuterte Grohe. „Die Basis ist immer noch die Schwimmausbildung, und wenn sich die Anzahl der Schwimmhallen verringern sollte, kann dies durchaus auch Auswirkungen auf unsere Situation haben.“

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