Nordeifel: Landwirte in Hitze-Not: Schon die Wintervorräte an Kühe verfüttert

Nordeifel : Landwirte in Hitze-Not: Schon die Wintervorräte an Kühe verfüttert

Auch den Landwirten in der Eifel macht die anhaltende Trockenheit zu schaffen, denn auf den Feldern und Wiesen sieht es nicht besser aus als in den heimischen Gärten. Sie erscheinen oftmals eher braun als grün, und das Gras wächst nicht. Bio-Landwirt Markus Legge aus Imgenbroich kann sich nur an eine einzige ähnliche Situation erinnern.

„Das war 1976, und ich war noch ein Kind. Damals wurde alles verfüttert, was Halme hatte“, sagt Legge. Die letzten Reste des Winterfutters aus dem vergangenen Jahr hat er längst an seine rund 115 Kühe verteilt, die auf den Wiesen zwischen Imgenbroich und Menzerath nur noch wenig Futter finden.

Dort oben „Auf der Höhe“ weht ein leichter Wind, und Hecken und Bäume bieten zumindest etwas Schutz vor der Sonne. Einige Kühe haben die Köpfe am Boden. „Das heißt, sie finden noch etwas Grün. Durch den Morgentau sprießt noch ein bisschen. Das ist aber nur ein Dessert, zum Sattwerden reicht das nicht“, sagt Legge.

Ungewohntes Bild

„Deshalb müssen viele Landwirte schon auf das Winterfutter zurückgreifen oder Futter teuer einkaufen“, erklärt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW. Es ist ein ungewohntes Bild: Statt das Gras von den Feldern ins Silo zu bringen, bringt Legge das Gras, das für den kommenden Winter im Silo gelagert werden sollte, nun zu den Kühen auf die Wiese.

„Das Gras wird nicht einfach auf einen Haufen gekippt. Das wäre Verschwendung, weil die Tiere es dann verschmutzen würden. Außerdem gewöhnen sich die Kühe sonst an die Lieferung und verlernen, nach Gras zu suchen“, erklärt der Landwirt.

Andere Landwirte holen ihre Tiere zum Melken in den Stall und füttern sie dort. „Bei meinem System geht das nicht. Ich kann ja jetzt nicht wieder alles abbauen“, sagt Legge und zeigt auf die beiden Unterstände, wo die Kühe von einem Roboter gemolken werden.

Noch seien seine Tiere zufrieden. „Sonst würden die mehr am Zaun rumstehen und blöken. Außerdem sieht man das auch an der Milchleistung“, erklärt Legge.

Preise fallen

Die anhaltende Trockenheit führt auch dazu, dass einige Landwirte überlegen, ihre Tiere früher als geplant zum Schlachter zu bringen. Das wiederum treibt die Preise in den Keller. Auch Legge hat die „unproduktivsten Kühe“ schon zum Metzger gebracht. „Die standen ohnehin auf der Liste, und zu der Zeit war der Preis noch in Ordnung. Jetzt fällt er“, sagt der Landwirt.

„Die Bauern brauchen Regen, Futter und mancher von ihnen auch Bargeld“, berichtet Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer. Sie würden aber kein Geld vom Staat, sondern ein steuerliches Ausgleichsmodell und bessere Milchpreise benötigen, erläutert der Sprecher der Landwirtschaftskammer.

Vielfach seien die finanziellen Rücklagen in Folge der Milchkrise vor zwei Jahren aufgebraucht. In den vergangenen zehn Jahren habe rund jeder dritte Milchviehhalter in NRW die Viehhaltung aufgegeben, sagt Rüb. „Die Trockenheit macht es nicht besser.“

Für viele Landwirte steigt mit der anhaltenden Trockenheit nicht nur die finanzielle Belastung, auch die Arbeit nimmt zu, schließlich müssen die Tiere nicht nur mit Futter, sondern auch mit genügend Wasser versorgt werden. Legge befindet sich da noch in einer vergleichsweise komfortablen Situation, denn auf seinen Wiesen gibt es eine feste Tränke, die durch einen Brunnen mit Wasser versorgt wird. „Da kommt noch Wasser“, sagt er.

Kritik an Landwirten

Der Bio-Landwirt hofft jetzt zumindest noch auf einen schönen Herbst, damit die Kühe möglichst lange draußen bleiben können, und um vielleicht noch einen Grasschnitt hinzubekommen. „Wenn es in den nächsten Tagen genügend regnen sollte, könnte das noch klappen. Aber wenn die Wiesen braun werden, brauchen sie zu lange zur Erholung. Dann sehe ich kaum noch Chancen“, sagt Legge.

Jetzt wo die Sorgen und Nöte der Landwirte durch die Trockenheit wieder verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, wächst auch die Kritik an der Art und Weise, wie Landwirtschaft hierzulande betrieben wird. Das kommt bei den Landwirten gar nicht gut an.

Besonders ärgerlich seien Vorwürfe in Richtung der Landwirte, die Misere sei selbst verursacht, weil die Kühe den Klimawandel durch den Ausstoß von Methan beschleunigen würden. „Zu sagen, die Kühe müssen weg, damit es wieder regnet, ist Unfug. Die Eifel, so wie wir sie kennen und schätzen, gibt es nur mit Bauern und Kühen“, hält Bernhard Rüb als Sprecher der Landwirtschaftskammer fest.

Legge blickt indes schon etwas zynisch auf die Situation: „Die Situation hat zumindest den Vorteil, dass man mit dem Traktor auf den Wiesen nichts kaputt fahren kann, und dass die Kühe sauber bleiben.“ Eines ist für ihn klar: „Das wird ein Jahr, das man so schnell nicht vergessen wird.“

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