Konzen: Landschaftskrippe: Bauarbeiten in Bethlehem

Konzen: Landschaftskrippe: Bauarbeiten in Bethlehem

Der Himmel, tief schwarz und gut 90 Quadratmeter groß, wurde einfach an einer starken Schnur hochgezogen. Nun bedeckt er ganz das Kreuzrippen-Gewölbe der Taufkapelle der Kirche in Konzen. Die Taufkapelle, das ist eine historische Stätte, es ist ein Stück von der alten Pfarrkirche mit dem Taufstein aus dem 12. Jahrhundert.

Die Kapelle war in den letzten Tagen eine große Baustelle: Da wurden starke Holzbohlen gelegt, da wurde gehämmert, gebohrt und geschraubt, da wurden Kabel verlegt und Leuchten montiert. Zwischendurch gab es in einer Pause frischen Kaffee und belegte Brötchen für die fleißigen Handwerker.

Dann packten Karl und Walter Kleiner, Reinhold Krings, Bernhard und Werner Huppertz, Werner Läufer, Karl Call, Bruno Steffens und Julius Teppler wieder kräftig an, um den „Wald” mit Fichten und Kiefern aufzubauen und die Wiesen herzurichten, um den See und den Bach anzulegen, die Kapelle und die Treppe hin- und das Fachwerkhaus mit dem Strohdach aufzubauen. Den „Bauplan” dazu kennt Gertrud Reinartz , sie ist schon vielen Jahren dabei, wenn es in den Tagen vor dem Advent in Konzen heißt: De Krepp wi’d oppjebout.

Gertrud Reinartz ist gleichsam auch die „gute Seele” der Krippe und der Krippenbauer, sie organisiert, repariert, sie kümmert sich: um Maria und Josef, um das Jesuskind, um die Hirten, sie hat den großen „Himmel” repariert und die Nähte der „Himmelsbahnen” erneuert und verstärkt, hat die Kleider der Heiligen Familie und die prachtvollen Gewänder der drei Könige genäht.

Derweil kümmert sich ihre Tochter Gudrun um alles, was schriftlich geregelt und festgehalten werden muss. Sie führt auch die Kasse, denn was erneuert und ergänzt werden muss (wie Lampen, Felspapier, Farbe), muss bezahlt werden. Und: Gudrun Reinartz kümmert sich darum, dass alles für die Frühstückspause (die alte Sakristei ist zur „Baubude” geworden) hergerichtet wird.

Ist dann auch das Mühlrad angebracht, lodert das „Feuer” und läutet die Glocke in der Bergkapelle, hat das ganze Getier (Rehkitze, ein Fuchs, Schafe, Igel, Marder und Wiesel, die vielen Vögel) seinen Platz eingenommen, dann können sie „einziehen”: die Hirten und ihre Kinder, die Kameltreiber und Maria und Josef, die sich dann bald mit dem Esel auf den Weg machen, eine Herberge zu suchen (zweites Bild ab 10. Dezember).

Über 1000 Einzelteile

Die große Vennkrippe in der alten Taufkapelle ist fertig, sie zeigt jetzt zum ersten Advent ihr erstes Bild, die Krippenbauer sind hoch zufrieden, ihr Werk ist wieder großartig gelungen, aus tausend und mehr Einzelteilen haben sie eine schöne Landschaft gestaltet.

Mitten drin in dieser Landschaft: der Stall von Bethlehem mit der Heiligen Familie. Der Stall von Bethlehem - das ist ein altes Vennhaus mit tiefgezogenem Strohdach, eine maßstabgerechte Nachbildung eines bäuerlichen Vennhauses aus Kalterherberg, das allerdings längst abgerissen ist.

Die Krippe in der Konzener Kirche ist längst zur Sehenswürdigkeit und zum Ereignis geworden. Aus der ganzen Aachener und Dürener Region kommen die Leute in der Weihnachtszeit nach Konzen, um die Krippe zu bestaunen. Mitunter herrscht derart großer Andrang, dass die Besucher sich gedulden müssen, ehe sie den „Stall von Bethlehem” und die Heilige Familie dort erreichen. An einem Nachmittag wurden in zweieinhalb Stunden 2143 Besucher gezählt.

Erstmals war die Krippe zum Weihnachtsfest 1961 zu sehen und zu erleben, damals gehörten zur Krippe nur Maria und Josef, das Jesuskind und ein Schäfchen. Heute hüten die Hirten und ihre Kinder um die 30 Schafe, Ochs- und Esel haben längst ihren festen Platz, ebenso die (vier) Engel. Groß ist auch die Zahl der Tiere, die sich auf den Wiesen, an den Bächen und im Wald der Krippe versammeln: eine ganze Entenfamilie, ein Rehkitz, Marder, Wiesel und Igel.

Das ganze Getier, die Bohlen, die schwarzen Wände, die Bauteile des Vennhauses samt Strohdach - dies und hundert andere Dinge müssen aus den Lagerplätzen herbei geschafft werden. Gut 30 Stunden waren die Bauarbeiter zusammen beschäftigt, dann waren die Kabel (rund 220 Meter) verlegt und die Trafos installiert, dann waren die Bäche verlegt und die Bottiche mit Wasser gefüllt. Das Mühlrad muss hin und wieder nachjustiert werden, damit es ruhig und gleichmäßig läuft, immer angetrieben durch die Kraft des Wassers.

Steht das „Fundament” der Krippe, dann wird der „Wald” aufgebaut, 20 Kiefern, Birken und Buchen. Seit vielen Jahren schon dürfen die Konzener Krippenbauer die Bäume frisch im Venn schlagen, dafür sind sie dem zuständigen belgischen Oberförster Alfred Jost dankbar. Übrigens: einige Helfer sind erst seit letztem Jahr Krippenbauer, andere sind schon seit langer Zeit dabei, den Rekord hält wohl Werner Huppertz, der schon seit gut 45 Jahren am Aufbau der Krippe mitarbeitet.

Schwere Arbeit ist es, auf der Wiese neben dem Pfarrheim die Rasenstücke auszustechen und sie zur Kirche zu fahren. Dort werden die Stücke zu einer Weide zusammengefügt. Im Frühjahr war ein Stück der Wiese am Pfarrheim vertikutiert worden, damit zur Weihnachtszeit Rasenstücke ohne Moos „geerntet” werden können. In der „Wärme” der Kirche sprießen die Grashalme wie im Frühling.

Die große Landschaftskrippe, die die ganze Taufkapelle ausfüllt, ist das Werk und das Vermächtnis von Franz Jansen, der von 1961 bis 1972 Pfarrer in Konzen war, er ist 1998 verstorben. Für den Priester und Seelsorger war die Krippe kein „romantisches Schaustück”, sondern eine besondere Chance, ein Weg, die „Frohe Botschaft”, den Glauben zu verkünden, dies nicht in der „gelehrten Sprache mit ihren akademischen Ausdrücken”, die oftmals „unverständliche Theologensprache”, so hatte Franz Jansen einmal in einem Gespräch über „seine” Krippe gesagt, sei „lebensfremd, ohne Herz und entbehre der Farbe und der Bildhaftigkeit”.

Mit der Krippe würden die Geschehnisse der Heiligen Nacht vor allem für Kinder anschaulich verständlich gemacht.

Von diesem ersten Adventwochenende an erzählt die Konzener Krippe das Weihnachtsgeschehen in acht verschiedenen Bildern: Das erste Bild zeigt die Verkündigung an Maria, Bild 2 ist die Herbergssuche, Bild 3 die Verkündigung an die Hirten, die Geburt Jesu ist Bild 4, es folgen weitere Motive: Anbetung der Hirten (ab 31. Dezember), Heilige Drei Könige (ab 6. Januar), Heilige Familie und die Hirten bei der Arbeit (ab 15. Januar) und die Flucht nach Ägypten ab dem 29. Januar. Am 3. Februar beginnt der Abbau.

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