Einruhr: Lärmdisplay: Zu lauten Bikern sanft ins Gewissen reden

Einruhr : Lärmdisplay: Zu lauten Bikern sanft ins Gewissen reden

Es war kein Flugzeug, das am Wochenende in der Nähe von Einruhr startete, obschon die gemessene Lautstärke von 120 Dezibel das hergeben würde. Es war ein Motorrad, das hier die Schmerzschwelle des menschlichen Gehörs überschritt. Aufgezeichnet hat diesen Wert das vor einigen Tagen an der B 266 oberhalb von Einruhr aufgestellte Lärmdisplay.

Am Dienstag wurde das neue, sanfte Instrument im Kampf gegen den Motorradlärm präsentiert, das zwischen Dedenborner Kurve und Parkplatz Schöne Aussicht alle bergauf fahrenden Verkehrsteilnehmer erfasst, deren Motoren eine bestimmte Lärmgrenze überschreiten. Das hochsensible Gerät, das erste seiner Art in der Region Eifel, geht zurück auf eine gemeinsame Initiative des Fördervereins Nationalpark Eifel, der eine namhafte Spende einbrachte, die Gemeinde Simmerath und die Nationalparkverwaltung. Initiator der neuen Anlage ist MdB Oliver Krischer (Grüne) aus Düren.

Hinreichend bekannt sind bereits jene Displays, die mit einem roten Smiley, vornehmlich in Wohngebieten, Geschwindigkeitsüberschreitungen anzeigen. Ähnlich funktioniert auch das neue Display. Ist ein Fahrzeug zu laut, blinkt der freundliche Hinweis „Leiser“ auf. Fällt der Geräuschpegel unter die Messgrenze, erscheint ein freundliches „Danke“ auf der elektronischen Anzeigetafel.

Bei der Präsentation des Lärmdisplays freute sich Oliver Krischer, dass „die leidige Diskussion um den Motorradlärm in der Eifel“ auf offene Ohren gestoßen sei. Von der jetzt installierten „pädagogischen Maßnahme“ verspreche man sich einen nachhaltigen Effekt. Dafür sprächen auch positive Erfahrungen mit Lärmdisplays im Schwarzwald. Bei Einruhr in unmittelbare Nähe zum Nationalpark Eifel, sei die Messanlage von besonderer Bedeutung; geplant seien auch noch weitere Aufstellpunkte in der Region.

Die in einen am Straßenrand stehenden Pfosten montierte Technik erfasst per Mikro und Kamera die Verkehrsteilnehmer und gibt die Daten an das 100 Meter weiter entfernt stehende Display weiter. Hier erfolge dann die dem Lärmpegel entsprechende Anzeige, erläuterte Dennis Jöstingmeier vom Anlagenbauer. Die Kamera kann zwischen den einzelnen Fahrzeugtypen unterscheiden. Sämtliche Daten werden auf einer SIM-Karte aufgezeichnet, und könnten später ausgewertet werden. Dabei wird sich auch zeigen, ob es Veränderungen bei der Lärmbelästigung gibt. Die Halterdaten werden nicht erfasst.

Die Anzeigetafel verfolge den Zweck, „dass Heizer und Raser einmal über ihr Fahrverhalten nachdenken“, sagte Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, der ebenfalls auf den erzieherischen Effekt des Displays setzt. Am Wochenende hätten einige Biker bereits „ihre Spuren hinterlassen“, und er sei auch bereits von Bürgern auf das zum Teil rücksichtslose Verhalten von Motorradfahrern aufmerksam gemacht worden. „Simmerath als Tourismusgemeinde heißt Motorradfahrer willkommen“, betonte er, „aber wir wollen keine Raser“.

Ganz im Sinne ihrer Bestrebungen ist das neue Lärmdisplay auch für die Bürgerinitiative „Gemeinsam gegen Raser und Radau“, der sich im vorigen Sommer lärmgeplagte Anwohner aus Einruhr und Dedenborn anschlossen. Für die Initiative (www.eifel-raser.de) meinte Helmut Kaulard, der Dedenborner Ortsvorsteher, dass es nicht darum gehe, das Motorradfahren generell zu verbieten, sondern nur um den geringen Anteil von extremen Rasern.

Auch Michael Lammertz, der stellvertretende Leiter des Nationalparks Eifel, stellte fest, dass der meistgenannte Beschwerdepunkt der jährlich rund 850.000 Nationalparkbesucher der Motorradlärm sei. „Das ist ein echtes Problem“, sagte Lammertz, der aber beobachtet hat, dass wohl gerade „ein Umdenken in der Motorradszene“ stattfinde, indem Unmut darüber geäußert werde, dass ein kleiner Teil der Biker das Image aller Zweiradfahrer beschädige. Schön wäre es, wenn von innen heraus eine Veränderung einsetze.

Die Wünsche nach Lärmdisplays sind auch bereits in anderen Kommunen, die unter Motorradlärm leiden, laut geworden. Doch bei Anschaffungskosten von 10.000 bis 15.000 Euro bat Oliver Krischer um Geduld, auch wenn es etliche Standorte gebe, wo eine solche Anlage sinnvoll sei.

(P. St.)